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	<title>fxneumann Â· Blog von Felix Neumann &#187; Politik</title>
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	<description>Nachdenken Ã¼ber Politik, Gesellschaft und Kirche.</description>
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		<title>Aktuelle Antworten</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Sep 2010 09:58:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
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<p>RÃ¼ckstand aufgeholt, erster Teil: Die ausstehenden Formspring-Fragen sind beantwortet â€“ es ging um die Antifa, Frauenquoten, StreetView, Deontologie, generisches Maskulinum, SpaÃŸreligionen und PID. Eventuelle neue Fragen beantworte ich jetzt wohl zeitnÃ¤her â€“ einfach <a href="http://formspring.me/fxneumann">fragen</a>!</p>
<ul>
<li><a href="http://www.formspring.me/fxneumann/q/1073773343">Warst du frÃ¼her bei der Antifa?</a></li>
<li><a href="http://www.formspring.me/fxneumann/q/1073780997">Was denkst du Ã¼ber Frauenquoten in FÃ¼hrungspositionen? </a></li>
<li><a href="http://www.formspring.me/fxneumann/q/1073814663">Lassen Sie Ihr Haus bei StreetView verpixeln?</a></li>
<li><a href="http://www.formspring.me/fxneumann/q/1073852945">Bist du Deontologe?</a></li>
<li><a href="http://www.formspring.me/fxneumann/q/1073881419">Wie stehst du zum generischen Maskulinum?</a></li>
<li><a href="http://www.formspring.me/fxneumann/q/1073930925">Wie stehst du denn zu diesen vielen &#8220;SpaÃŸreligionen&#8221; wie z.B. das fliegende Spaghettimonster, das Unsichtbare Rosafarbene Einhorn oder den Jedi-Rittern? Kannst du Ã¼ber sowas lachen oder eher nicht?</a></li>
<li><a href="http://www.formspring.me/fxneumann/q/1074018120">BegrÃ¼ÃŸen Sie die Entscheidung des BGH zur PrÃ¤implantationsdiagnostik?</a></li>
</ul>
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<li>15. MÃ¤rz 2010 &ndash; <a href="http://fxneumann.de/2010/03/15/mehr-lila-fuer-magenta/" title="Mehr Lila fÃ¼r Magenta">Mehr Lila fÃ¼r Magenta</a></li>
</ul>
 <p>Feel free to Flattr this post at <a href="http://flattr.com/" title="Flattr" target="_blank">flattr.com</a>, if you like it.</p> <p><a href="http://flattr.com/" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://fxneumann.de/wp-content/plugins/flattrss/button-compact-static-100x17.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>FrÃ¼her hieÃŸ das Anstand</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Sep 2010 16:40:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[(Nach einiger Zeit komme ich wieder zum Schreiben. Star [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<abbr class="unapi-id" title="http://fxneumann.de/?p=2097"><!-- &nbsp; --></abbr>
<p><em>(Nach einiger Zeit komme ich wieder zum Schreiben. <em>Starcraft</em> ist durchgespielt, und demnÃ¤chst werde ich dann auch die unbeantworteten Formspringkommentare und Blog-Kommentare abarbeiten.)</em></p>
<p>Ausgerechnet eine sich selbst als wohlanstÃ¤ndig und bÃ¼rgerlich verstehende, dezidiert mitteleuropÃ¤ische Tugenden im Panier fÃ¼hrende Klientel erkennt in der Â»Political correctnessÂ« den Untergang des Abendlandes. Ralph Giordano etwa, der in hohem Alter im Islam das Thema fÃ¼r jugendliches Aufbegehren gegen das politische und feuilletonistische Establishment gefunden hat, <a href="http://www.welt.de/kultur/article9375534/Ein-Stoss-ins-Herz-der-Political-Correctness.html">bezeichnet</a> Sarrazins Â»Deutschland schafft sich abÂ« als Â»StoÃŸ ins Herz der Political CorrectnessÂ« und stÃ¶ÃŸt sich seine HÃ¶rner ab an Â»Deutschlands Multikulturalisten, xenophile[n] EinÃ¤ugige[n] und Pauschalumarmer[n]Â«, sieht eine Â»vereinte Riege der BerufsempÃ¶rer, Sozialromantiker und BeschwichtigungsapostelÂ« am Werk, und einzig der mutige <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3480">Underdog Sarrazin</a> wagt es, das Meinungskartell zu sprengen.</p>
<p>Was Giordano hier stellvertretend fÃ¼r viele als Â»Political correctnessÂ« bezeichnet: FrÃ¼her hieÃŸ das Anstand, und frÃ¼her hieÃŸ das Respekt.<br />
<span id="more-2097"></span></p>
<p>Â»Political correctnessÂ« als Gegner aufzubauen und zu bekÃ¤mpfen ist nicht die Verteidigung Â»abendlÃ¤ndischerÂ«, Â»mitteleuropÃ¤ischerÂ« Werte (es sei denn, man rechnet die Werte der KreuzzÃ¼ge, der Pogrome und des Kolonialismus dazu). Es ist einerseits Immunisierungsstrategie gegen Kritik (dazu <a href="http://sixtus.cc/schwachfugsignalphrasen">Mario Sixtus</a> sehr treffend), andererseits verkennt es die politische Funktion von Anstand und Respekt. Â»Political correctnessÂ« ist nichts Ã¼bermÃ¤ÃŸig SpektakulÃ¤res:</p>
<blockquote cite="http://medienelite.de/2010/04/12/die-eigene-politische-korrektheit-oder-uber-den-umgang-mit-differenz/"><p>
Wer darauf achtet, pc zu sein, zeigt seinem sozialen Umfeld, dass er/sie in erster Linie Respekt hat.
</p></blockquote>
<p>(So <a href="http://medienelite.de/2010/04/12/die-eigene-politische-korrektheit-oder-uber-den-umgang-mit-differenz/">Lantzschis Definition von pc</a> kurzgefaÃŸt. Ãœberhaupt ein Artikel, der â€“ da schon im April verÃ¶ffentlicht â€“ <em>deutlich</em> unterflattrt ist.)</p>
<p>Im wohlsortierten gutbÃ¼rgerlichen Zitatenschatz hat so verstandene Â»Political correctnessÂ« ihren festen Platz: Die Suche nach Wissen solle Â»sine ira et studioÂ« (Â»ohne Zorn und EiferÂ«) vonstatten gehen, Â»der Ton macht die MusikÂ«, und Diskussionen dÃ¼rfen durchaus Â»fortiter in reÂ« (hart in der Sache) gefÃ¼hrt werden, jedoch unbedingt Â»suaviter in modoÂ« (Â»in anstÃ¤ndigem TonÂ«).</p>
<p>Gerade im politischen Diskurs ist das wichtig: Anstand ist auch eine politische Kategorie. Aus gutem Grund wird der Stil und die Wortwahl Sarrazins kritisiert.</p>
<p>Schon strategisch ist es reichlich ungeschickt, Integration durch die Konstruktion einer homogenen Â»bÃ¶senÂ« Gruppe erreichen zu wollen (noch dazu durch eine fÃ¼r politisches Handeln <a href='http://fxneumann.de/2010/06/07/gegen-eine-biologische-theorie-des-politischen/' title='Gegen eine biologische Theorie des Politischen'>vÃ¶llig ungeeignete Naturalisierung und Biologisierung</a> der Debatte) â€“ warum sollten die als Mitglied der Paria-Gruppe Gekennzeichneten sich ausgerechnet mit denjenigen solidarisieren, die sie aufgrund ihrer Religion, ihrer kulturellen oder geographischen Herkunft stigmatisieren und kategorisieren â€“ und nicht mit der konstruierten Gruppe? Mit den Methoden des Kollektivismus bringt man Â»westlicheÂ« Werte der WertschÃ¤tzung des Individuums nicht voran. Kritik in der Form der pauschalen Beleidigung stÃ¤rkt bestenfalls den Zusammenhalt von In- und Out-group.</p>
<p>Politische Rede einer Stilkritik zu unterziehen und Mindeststandards an Anstand und Respekt zu fordern trÃ¤gt dem Rechnung, daÃŸ Politik in einem freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat eben nicht wie bei Carl Schmitt verstanden wird: Bei Schmitt ist Politik Kampf gegen das schlechthin Andere, die Unterscheidung in Â»dieÂ« und Â»wirÂ«, in Freund und Feind. Unter einem solchen Begriff ist Anstand und Respekt dann auch nur eine VerbrÃ¤mung des eigentlichen Kerns des Politischen.</p>
<p>Politik als Mittel der verbindlichen Aushandlung gesellschaftlicher Konflikte beinhaltet immer die Gefahr, daÃŸ nicht das bessere Argument, der tragfÃ¤higere KompromiÃŸ, sondern die schiere Macht zur Geltung kommt. Institutionell sollen dem Gewaltenteilung, Dezentralisierung, Grundrechte â€¦ entgegenwirken. Zur institutionellen  Dimension der Politik, <em><a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Polity">polity</a></em>, gehÃ¶rt aber auch die politische Kultur, und damit die auch Diskurskultur. Was als Â»Political correctnessÂ« gebrandmarkt wird, ist Sorge um die institutionellen Voraussetzungen einer Politik, die nicht in Schmittsche Freund-Feind-Schemata abgleiten soll.</p>
<p>Zum Kern der Demokratie gehÃ¶rt ein Paradox: Bei aller empirischen Ungleichheit unter den Menschen ist die Grundlage der Demokratie die Gleichheit an Rechten. Das stellt AnsprÃ¼che an die politischen Institutionen, und besonders an die politische Kultur, die eben keine elitÃ¤re Kultur sein soll, in der nur diejenigen bestehen kÃ¶nnen, die ein dickes Fell haben â€“ Â»sticks and stones will break my bones but words will never hurt meÂ« ist <a href="http://katze-mit-wut.azundris.com/archives/269-Words-speak-louder.html">keine Tatsachenbeschreibung</a>, sondern eine Zielformulierung. Einer politische Kultur, die von Beleidigungen <em>ad hominem</em> und dem VerÃ¤chtlichmachen des Gegners geprÃ¤gt ist, fehlt es an <em>demokratischer</em> Kultur.</p>
<p>Kritik am Stil einer politischen Aussage ist daher nicht ein Ablenken vom Eigentlichen der Diskussion, sondern das Einfordern eines Rahmens, innerhalb dessen ein Diskurs um Argumente mÃ¶glich ist.</p>
<p>Â»Political correctnessÂ« ist damit ein Ã¤hnlich seltsam besetzter Begriff wie Â»GutmenschÂ«. So wie ernsthaft kaum zu bestreiten ist, daÃŸ an guten Menschen nichts Verkehrtes ist, ist das Einfordern guter (Â»korrekterÂ«) politischer Mindeststandards nicht das Ende des Abendlandes, sondern Grundlage eines demokratischen PolitikverstÃ¤ndnisses.<br />
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		<title>Ein Volk</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 18:36:17 +0000</pubDate>
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<p>Alle beklagen sich Ã¼ber Schwarzrotgold. Immerhin: Die Fahnen Ã¼berall sind Symbole. Symbole als Verweise machen eine Differenz klar: Sie stehen fÃ¼r etwas, das sie selbst nicht sind. Diese Unterscheidung geht bei einer anderen Sache verloren: Wenn&#8217;s um das Volk geht.</p>
<p>AnlÃ¤ÃŸlich des bayerischen Volksentscheids zum Rauchverbot hÃ¶rt man viele Freunde des Volkes, allen voran Horst Seehofer: Â»Wenn das Volk entscheidet, hat es rechtÂ«. Sebastian Frankenberger, der Initiator des Volksentscheids, vertraut gar darauf, Â»daÃŸ das Volk immer zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung trifft.Â« (<a href="http://www.tagesschau.de/multimedia/video/sendungsbeitrag58492_res-.html">Tagesschau vom 5. Juli, bei Minute 8.05</a>)</p>
<p>Das ist die Gefahr, die in direkter Demokratie liegt: DaÃŸ plÃ¶tzlich alles legitimierbar scheint. DaÃŸ die Entscheidung Â»des VolksÂ« nicht als Summe von Einzelentscheidungen erkannt wird, sondern es scheint, als gÃ¤be es den einen Willen eines Kollektivs, der wahr und richtig und gut ist, und der zu exekutieren ist.<br />
<span id="more-2086"></span><br />
Nicht, daÃŸ ich etwas gegen direkte Demokratie hÃ¤tte, im Gegenteil. (Als neulich die <a href="http://www.welt.de/politik/ausland/article8001661/SVP-will-Baden-Wuerttemberg-der-Schweiz-angliedern.html">SVP den Regionen um die Schweiz herum eine vereinfachte Aufnahme in die Schweiz</a> anbieten wollte, war mein erster Gedanke: Was fÃ¼r ein politisches System! Der Schweizer FÃ¶deralismus, die Schweizer direkte Demokratie, und der neue Kanton Baden bringt die Karlsruher Verfassungsgerichtsbarkeit mit. Auch wenn die nicht zur <a href="http://www.antibuerokratieteam.net/2010/07/05/bayern-sagt-ja/">Schweizer politischen Kultur</a> paÃŸt â€¦) Direkte Demokratie Ã¤ndert aber nichts Qualitatives an der LegitimitÃ¤t von Gesetzen: Ob nun ein Gesetz von einem Parlament oder Â»demÂ« Volk beschlossen wurde â€“ jedesmal geht es darum, daÃŸ das staatliche Gewaltmonopol eingesetzt wird, um eine Regelung zu treffen. Und diese Regelung muÃŸ, egal woher sie kommt, Ã¼berprÃ¼ft werden. Ist es nÃ¶tig, daÃŸ es ein Gesetz gibt? Gibt es eine Regelung, die einen <a href="http://sebaso.soup.io/post/63687595/Nichtraucherschutz-in-Kneipen-durch-positive-Anreize-schaffen">geringeren Eingriff</a> mÃ¶glich macht? Wie muÃŸ eine Regelung aussehen, die die unterschiedlichen Interessen verbindet und insbesondere die unterlegene Minderheit und die Rechte des Einzelnen schÃ¼tzt?</p>
<p>Die Rede von Â»demÂ« Volk, das eine Entscheidung getroffen hat und verwandte Redefiguren verschleiern diese Notwendigkeit, die ein freier Staat an jegliche Form von Regelung legen muÃŸ. Es gibt nicht <em>den</em> WÃ¤hlerwillen, und das Volk spricht nicht. VÃ¶lker handeln nicht. Kollektive handeln nicht. Auch wenn Â»dasÂ« Volk entschieden hat, exekutiert doch der Staat diese Gesetze, macht sich die Mehrheit den Staat zunutze, um ihre Entscheidung umzusetzen.</p>
<p>SelbstverstÃ¤ndlich bleibt <a href="http://julia-seeliger.de/rauchverbot-die-grunen-nannys/">staatliche Bevormundung</a> auch dann <em>staatliche</em> Bevormundung, wenn sie Ã¼ber Methoden der Volksgesetzgebung eingesetzt wird. Volksgesetzgebung darf nicht zu einer weniger skrupulÃ¶se ÃœberprÃ¼fung der Gesetzgebung fÃ¼hren, weil sie ja Â»durch das VolkÂ« und nicht Â»durch den StaatÂ« vorgegeben wurde. Symptomatisch fÃ¼r diese Begriffsverwirrung ist <a href="https://twitter.com/dr_psycho/statuses/17780176718">dieser Tweet</a>: Â»KÃ¶nnt ihr bitte mal aufhÃ¶ren, Ã¼ber den Volksentscheid zu heulen? Das Volk hat gesprochen. Nicht der Staat hat verboten, sondern das Volk.Â«</p>
<p>Diese Begriffsverwirrung macht vergessen, daÃŸ es so etwas wie Rousseaus objektiv richtigen <em>volontÃ© gÃ©nÃ©rale</em> nicht gibt; daÃŸ  Mehrheit nicht Wahrheit (oder das Richtige, oder das Gute, oder das Angemessene) erzeugt (beim Schweizer Minarett-Volksentscheid habe ich das schon einmal diskutiert: <a href='http://fxneumann.de/2009/12/01/mehrheit-und-wahrheit/' title='Mehrheit und Wahrheit'>Â»Mehrheit und WahrheitÂ«</a> und <a href='http://fxneumann.de/2009/11/30/das-kreuz-mit-dem-minarett/' title='Das Kreuz mit dem Minarett'>Â»Das Kreuz mit dem MinarettÂ«</a>); schluÃŸendlich: DaÃŸ das Zentrum einer freiheitlichen Politik niemals die WillensÃ¤uÃŸerung eines Kollektiv sein kann, weil die Aufgabe eines freiheitlichen Rechtsstaats gerade ist, Rechte des Einzelnen zu verteidigen.</p>
<p>Allzu naive Begeisterung fÃ¼r Volksgesetzgebung gleitet schnell in einen kollektivistischen FehlschluÃŸ ab.<br />
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		<title>Wo aber Gefahr ist, wÃ¤chst das Rettende auch</title>
		<link>http://fxneumann.de/2010/07/04/wo-aber-gefahr-ist-waechst-das-rettende-auch/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Jul 2010 18:13:02 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Formspring fragt mal wieder: Â»Glaubst du die ausufernd [...]]]></description>
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<p><em><a href="http://www.formspring.me/fxneumann/q/760138143">Formspring</a> fragt mal wieder: Â»Glaubst du die ausufernden Kontrollversuche durch den Staat kÃ¶nnen abgewehrt werden? Hast du Angst vor der Zukunft?Â«</em></p>
<p class="formspringmeAnswer">Weder mit Zukunftsangst noch mit der VerklÃ¤rung von Vergangenheit kann ich etwas anfangen.</p>
<p>Ich stimme zu: Das MaÃŸ staatlicher Kontrolle und Bevormundung sieht man bestÃ¤ndig steigen, fÃ¼r jede gewonnene Verfassungsbeschwerde taucht ein neuer ACTA-Vertrag, ein neuer Jugendmedienschutzstaatsvertrag, eine neue Zensurinfrastruktur auf. <a href='http://fxneumann.de/2010/06/25/vom-parlament-zur-agora/' title='Vom Parlament zur Agora'>Musikindustrie, Verleger</a> und Politik machen sich wechselweise zu nÃ¼tzlichen Idioten, um ihre jeweiligen Ziele zulasten der Freiheit zu verfolgen. Zu viele flÃ¼chten in die wohlige Illusion scheinbarer Sicherheit, die mit Paternalismus und Kontrolle erkauft wird.</p>
<p>Aber trotzdem: Wir haben ein relativ robustes System mit klaren, durch das Grundgesetz vorgegebenen Schranken und ein starkes Verfassungsgericht, das Grundrechte schÃ¼tzt und zumindest die schlimmsten Exzesse wieder kassiert. (Nicht, daÃŸ das gerade noch erlaubte MaÃŸ nicht schon schlimm genug wÃ¤re.) Es ist ja nicht so, daÃŸ wir etwa erst noch fÃ¼r gleiches Wahlrecht kÃ¤mpfen mÃ¼ÃŸten; wir sind in der komfortablen Situation, schon verbriefte Freiheiten zu verteidigen.</p>
<p>Bei vielem, was jetzt kritisiert wird und zum schlimmen Gesamteindruck beitrÃ¤gt, glaube ich nicht, daÃŸ es schlimmer wird. Glaubt wirklich jemand, daÃŸ die Polizeigewalt steigt? Als ob es frÃ¼her sanfter zugegangen wÃ¤re, wenn der vermummte und uniformierte Korpsgeist aufmarschiert ist. Als ob es frÃ¼her nicht willkÃ¼rliche Hausdurchsuchungen gegeben hÃ¤tte. Als ob frÃ¼her nicht jede MÃ¶glichkeit ergriffen worden wÃ¤re, Macht und Kontrolle auszubauen! Macht hat schon immer korrumpiert (Lord Acton) und alle irgendwie Herrschenden und Befehlenden waren schon immer Schufte (Arno Schmidt).</p>
<p>Nein, die Sichtbarkeit steigt: Nicht mehr nur Privilegierte kÃ¶nnen sich wehren, jeder kann bloggen und damit Ã–ffentlichkeit erzeugen. Diese Sichtbarkeit ermÃ¶glicht ganz neue Formen von Widerstand und Koordination. Verhindern kann man das nur durch totalitÃ¤re MaÃŸnahmen, und selbst dann glaube ich, daÃŸ es nicht mÃ¶glich ist, die Ã–ffentlichkeit ganz zu zerstÃ¶ren, selbst dann geht der Geist der Freiheit nicht mehr zurÃ¼ck in die Flasche.</p>
<p>Niemand hat behauptet, daÃŸ Freiheit von allein weiterbestehen wÃ¼rde: Â»Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit.Â« Politik mit ihrer Kompetenzkompetenz tendiert immer zu mehr Kontrolle und mehr Regelung, und der 11. September mag ein Katalysator gewesen sein, daÃŸ das jetzt konsensfÃ¤higer und einfacher durchzusetzen wird. Aber gleichzeitig wÃ¤chst auch die Sichtbarkeit dieser MaÃŸnahmen, und gleichzeitig wachsen die MÃ¶glichkeiten, Widerstand und MiÃŸtrauen gegen den Staat zu koordinieren: Die zunehmende Vernetzung sorgt fÃ¼r mehr MÃ¶glichkeiten der Ãœberwachung, aber auch fÃ¼r mehr MÃ¶glichkeiten, Ãœberwachung zu umgehen und sich zu koodinieren. Mit HÃ¶lderlin habe ich keine Angst vor der Zukunft: Â»Wo aber Gefahr ist, wÃ¤chst das Rettende auch.Â«</p>
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		<title>Aggressive Politikverweigerung</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Jun 2010 12:21:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
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<p>Sehr viel Ã¼ber das PolitikverstÃ¤ndnis von Parteien kann man dieser Tage aus einer <a href="http://spdnet.sozi.info/rlp/index.php?nr=20036">Pressemitteilung der SPD Rheinland-Pfalz</a> lernen: Im Wahlkreis Bitburg-PrÃ¼m wurde <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Michael_Billen">Michael Billen</a> wieder als Kandidat fÃ¼r die Landtagswahlen nominiert â€“ gegen den ausdrÃ¼cklichen Einsatz der CDU-Spitzenkandidatin Julia KlÃ¶ckner. Michael Billen, das ist der mit der Kommissarin als Tochter, die Â»nur aus NeugierdeÂ« fÃ¼r die SPD belastendes Material <a href="http://taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/die-dreisten-hacker-der-union/">aus der Polizeidatenbank</a> geladen hatte, das der Vater dann Â»zufÃ¤lligÂ« auf dem Rechner daheim fand.<br />
<span id="more-2074"></span><br />
Heike Raab, GeneralsekretÃ¤rin der rheinland-pfÃ¤lzischen SPD, kommentiert in ihrer recht schadenfreudigen Pressemitteilung das ganze sehr markig: Â»eindeutiges Misstrauensvotum fÃ¼r die stellvertretende LandesvorsitzendeÂ«, Â»erste groÃŸe innerparteiliche Machtprobe verlorenÂ«, Â»KlÃ¶ckner [â€¦] hat die rote Karte bekommenÂ« (Von der bizarr-barocken Metaphorik â€“ Â»Gerade In der Eifel ist die Topografie von tiefen TÃ¤lern und groÃŸen HÃ¶hen geprÃ¤gt, es weht manch scharfer Wind und viele Maare haben Untiefen, hier muss man nicht nur gelÃ¤ndegÃ¤ngig, sondern gelÃ¤ndetauglich sein. Frau KlÃ¶ckner ist weder das eine noch das andere.Â« â€“ soll hier auch nicht die Rede sein.)</p>
<p>FÃ¼r die SPD (aber da ist die SPD nicht allein) ist eine eigenstÃ¤ndige Entscheidung der Basis schlichtweg nicht denkbar. Wichtiger als innerparteiliche Demokratie, die mehr ist als Â»Vorstand befiehl, wir stimmen dann so abÂ« (vulgo Â»BastaÂ«), ist Â»GeschlossenheitÂ«, und jede eigenstÃ¤ndige politische Entscheidung der Basis ist ein MiÃŸtrauensvotum und fÃ¼hrt zum Gesichtsverlust. </p>
<p>Die Pressemitteilung der SPD ist aggressive Politikverweigerung. Es geht darin nicht ein einziges Mal um Inhalte â€“ als wÃ¤re es gerade bei der Personalie Billen nicht trivial, die <em>inhaltliche</em> Entscheidung des Kreisparteitags in der Luft zu zerreiÃŸen. (Sind das dann die gleichen, die sich Ã¼ber Parteienverdrossenheit wundern? Dazu mein Artikel <a href='http://fxneumann.de/2009/09/01/diskursverweigerung-und-dummheitsvermutung/' title='Diskursverweigerung und Dummheitsvermutung'>Â»Diskursverweigerung und DummheitsvermutungÂ«</a>)</p>
<p>Besonders apart: Links von der Pressemeldung wird Werbung fÃ¼r Joachim Gauck gemacht â€“ mit dem Button Â»Gebt die Wahl freiÂ«.<br />
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		<title>Pinochet, rinks, lechts</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 17:45:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
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<p>Christine Haderthauer <a href="http://www.sueddeutsche.de/bayern/debatte-um-elterngeld-familienpolitik-la-pinochet-csu-teilt-gegen-fdp-aus-1.965727">so</a>:</p>
<blockquote><p>
Â»ein weiterer Beweis dafÃ¼r, dass die FDP inhaltlich konzeptlos herumschlingert zwischen Klientelpolitik fÃ¼r Superreiche und sozialistischer Familienpolitik Ã  la PinochetÂ«, und: Â»FÃ¼r BÃ¼rgerliche sei es â€ºein verheerendes Signal, dass Familien, die nicht im Sozialleistungsbezug sind, nichts wert sindâ€¹.Â«
</p></blockquote>
<p>Ich so: 1. <em>ad</em> Â»Pinochets sozialistische FamilienpolitikÂ«: SchÃ¶n, daÃŸ die CSU (zumindest Teile davon) ihre <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40680412.html">Chile-Politik seit Franz-Josef StrauÃŸ</a> geÃ¤ndert hat, andersrum ist es aber <a href="<a href="http://patrickschunn.wordpress.com/2010/06/25/csu-macht-pinochet-zum-sozialisten/">ebenso blÃ¶dsinnig</a>. (Oder wird hier subtil eine Totalitarismustheorie ausgearbeitet: Alles Extremisten?) 2. Interessant, daÃŸ Transferleistungen fÃ¼r den Staat das <em>sine qua non</em> von WertschÃ¤tzung fÃ¼r Familien sind. DaÃŸ die Aufgabe des Staates nicht ist, anerkennend WohlverhaltensprÃ¤mien zu zahlen (Â»BÃ¼rgerlicheÂ« sollten auch gut ohne auskommen kÃ¶nnen), sondern subsidiÃ¤r Hilfe zu leisten und <a href='http://fxneumann.de/2009/08/06/gebarmaschinen/' title='GebÃ¤rmaschinen'>freie Entscheidungen anzuerkennen</a>, scheint Haderthauer nicht in den Sinn zu kommen.<br />
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		<title>Vom Parlament zur Agora</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jun 2010 19:33:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Tage ist viel Ã¼ber Kontrollverlust die Rede.
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<p>Dieser Tage ist viel Ã¼ber <a href="http://mspr0.de/?p=1468">Kontrollverlust</a> die Rede.</p>
<p>Ich halte ja das Vorgehen der Beteiligten (den schwarzen Peter schiebe ich aber doch der FAZ zu) fÃ¼r eine Ãœberreaktion; selbst eine betuliche hessische Online-Redaktion kÃ¶nnte sich auf die Tugenden des ehrlichen Kaufmanns besinnen: man vertraut auf die IntegritÃ¤t des GeschÃ¤ftspartners, <a href="http://www.neunetz.com/2010/06/25/ctrl-verlust-auch-faz-redakteure-missachten-cc-lizenzen/">Fehler passieren eben</a>, die klÃ¤rt man, und dann hat man wieder eine GeschÃ¤ftsgrundlage. Eigentlich interessant finde ich, daÃŸ sich hier ein Aspekt von Kontrollverlust ganz praktisch sehen lÃ¤ÃŸt: Die Ã¶ffentliche Privatheit, die das Netz ermÃ¶glicht, ist nicht kompatibel mit der hergebrachten Auffassung von Diskretion. Wir sehen die AuslÃ¤ufer eines Paradigmenwechsels: Von Â»Die Gedanken sind freiÂ« (Â»doch alles in der Still&#8217;/und wie es sich schicket.Â«) zur Nudistenkolonie, in der niemand nackt ist.</p>
<p>UngeklÃ¤rt ist, was das fÃ¼r gesellschaftliche wie politische Institutionen heiÃŸt.<br />
<span id="more-2055"></span></p>
<p>Das alte Modell ist ein Modell privater Ã–ffentlichkeit. Eine Trennung der verschiedenen SphÃ¤ren â€“ beruflich, privat, gesellschaftlich â€“ ist darin prinzipiell mÃ¶glich. Was am Stammtisch passiert, was auf der Uni-Party passiert, was man im Ortsverein der Partei sagt, was die Personalchefin beim VorstellungsgesprÃ¤ch an Informationen hat: All das sind prinzipiell trennbare SphÃ¤ren, obwohl die Informationen natÃ¼rlich trotzdem von SphÃ¤re zu SphÃ¤re weitergegeben werden kÃ¶nnten. Nur sind die Transaktionskosten dafÃ¼r zu hoch: FÃ¼r die Bildzeitung mag es sich noch lohnen, bei den alten Kommilitonen anzurufen, um kompromittierende Bilder zu bekommen, fÃ¼r das VorstellungsgesprÃ¤ch weniger. Was die Vorstandsmitglieder im Hinterzimmer besprechen, kommt nur als GerÃ¼cht nach drauÃŸen.</p>
<p>Das neue Modell ist ein Modell Ã¶ffentlicher Privatheit, das gekennzeichnet ist durch die MÃ¶glichkeit einfacher ZusammenfÃ¼hrung der verschiedenen HandlungssphÃ¤ren. WÃ¤hrend im alten Modell die SphÃ¤ren getrennt waren und jeweils eigenstÃ¤ndig mit mehr oder weniger dichter Vernetzung, hat sich das Bild jetzt gewandelt: Hin zu einem einheitlich googlebaren Handlungsraum, der die einzelnen SubsphÃ¤ren zusammenfÃ¼hrt. Wo es vorher noch eine aktive und aufwendige Verfolgung der VerknÃ¼pfungen brauchte, Ã¼berlappen sich die SubsphÃ¤ren nun, zusammengefÃ¼hrt vom groÃŸen Vereinheitlicher Google.</p>
<p>DarÃ¼ber wurde schon viel geschrieben; insbesondere die Frage nach Auswirkungen auf BewerbungsgesprÃ¤che ist bis aufs letzte bearbeitet.</p>
<p>Interessanter finde ich die Frage, was das fÃ¼r ReprÃ¤sentation und politisches Handeln bedeutet.</p>
<p>Ich selbst habe mich <a href="http://www.formspring.me/fxneumann/q/636041030">fÃ¼r eine strikte Trennung dessen entschieden</a>, was ich im Netz auf diversen Plattformen mitteile und worÃ¼ber ich schreibe, und was ich tatsÃ¤chlich privat halten mÃ¶chte. (Unter anderem, um potentiellen Arbeitgebern zu signalisieren, daÃŸ meine NetzaktivitÃ¤t nicht gleichbedeutend mit einem Informationsleck ist.) Da ich mich hier im Blog aber primÃ¤r Ã¼ber Politik auslasse, hat auch mein selbstauferlegtes strenges Informationsregime (nichts FamiliÃ¤res, nichts GeschÃ¤ftliches) potentiell Folgen: Indem ich mich Ã¶ffentlich nachvollziehbar politisch positioniere, hat das deutlichere Auswirkungen auf potentielle ArbeitsverhÃ¤ltnisse als (online nicht vorhandene) unvorteilhafte Fotos von irgendwelchen Fachschaftspartys. Gerade bei Tendenzbetrieben (die fÃ¼r mich in besonderem MaÃŸe relevant sind qua Ausbildung und Erfahrung) ist immer die Frage zu stellen, inwiefern meine private Meinung dem Unternehmen zugerechnet wird, wie einfach sie zurechenbar ist und welches MaÃŸ an Differenz mÃ¶glich ist.</p>
<p>In noch stÃ¤rkerem MaÃŸe stellt sich diese Frage bei Ã„mtern. (Und damit gibt es dann schon prinzipiell drei Ã¼berlappende SphÃ¤ren.) In meinem Artikel Ã¼ber die enorme BÃ¼rde, die ein BundesprÃ¤sident als ReprÃ¤sentant eines ganzen Volkes zu tragen hat <a href='http://fxneumann.de/2010/06/04/der-bundespraesident-als-paria-und-tenno/' title='Der BundesprÃ¤sident als Paria und Tenno'>Â»Der BundesprÃ¤sident als Paria und TennoÂ«</a>, habe ich rÃ¤sonniert, inwiefern man durch dieses Amt aus den BezÃ¼gen der Politik herausgenommen wird, weil man nur noch reprÃ¤sentiert und nicht mehr selbst frei agieren kann. Dieses Problem ist natÃ¼rlich ebenso gegeben fÃ¼r jedes andere reprÃ¤sentierende Amt: NatÃ¼rlich ist eine reprÃ¤sentative Demokratie, in der Vertreter als Personen delegiert werden ohne ein imperatives Mandat, schon ein Schritt, um diese Kluft zwischen Privatmeinung und institutioneller Meinung zu Ã¼berbrÃ¼cken. (LoyalitÃ¤tskonflikte zwischen einfachen Mitgliedern und Organisation sind da noch gar nicht angesprochen! Ich jedenfalls blogge schon fast nichts Ã¼ber politische Prozesse, an denen ich aktiv teilhabe.) Das Problem besteht aber auch mit freien Mandaten: Ein Amt nimmt in die Pflicht, und damit entstehen potentiell Konflikte zwischen eigener Meinung und BeschluÃŸlage. (Gesetzt den Fall, daÃŸ ein LeitungsverstÃ¤ndnis vorherrscht, das nicht nur Basta und BeschÃ¤digung des Vorsitzenden kennt.)</p>
<p>Unter den Bedingungen einer privaten Ã–ffentlichkeit war das noch zu ertragen; die Diskussionen blieben weitgehend in den zugehÃ¶rigen SphÃ¤ren. Unter den Bedingungen einer Ã¶ffentlichen Privatheit, wo Blogs den politischen Salon wie den Stammtisch beerben, sieht das anders aus. (FÃ¼r mich jedenfalls ist das Netz im Vergleich zur Â»echtenÂ« Welt mindestens gleichberechtigter politischer Diskursraum.) Antje Schrupp hat <a href="http://antjeschrupp.com/2010/01/15/bloggen-als-burger_innenpflicht/">Ã¼ber die neue Form von Ã–ffentlichkeit das geschrieben</a>:</p>
<blockquote><p>
Ich denke, das Internet bringt uns wieder zurÃ¼ck zu dem, was die alten Griechen â€žPolisâ€œ nannten â€“ also einer Gesellschaft, die davon lebt, dass alle (bei den alten Griechen waren es nur die freien MÃ¤nner, aber sagen wir heut mal, wirklich alle) sich an der â€žÃ¶ffentlichen Meinungsbildungâ€œ beteiligen. Eine Gesellschaft, die Politik als Diskurs der Verschiedenen versteht und im GesprÃ¤ch, Austausch und Konflikt unter diesen vielen versucht, eine gute LÃ¶sung herauszufinden. Mit dem Internet besteht jedenfalls erstmals mÃ¶glicherweise die Chance, dies auch in einer Polis zu bewerkstelligen, die aus mehr als ein paar hundert Menschen besteht.
</p></blockquote>
<p>Politik im Polis-Sinn, wie ich sie mit Hannah Arendt verstehe  â€“ Â»Zusammen- und Miteinandersein der VerschiedenenÂ« (Was ist Politik, MÃ¼nchen/ZÃ¼rich 1993, S. 9) â€“, Politik, wie ich sie auch (zum Beispiel indem ich Ã¼ber Fragen der Gesellschaft schreibe) betreibe, ist unter den Bedingungen einer Ã¶ffentlichen Privatheit kaum mehr mÃ¶glich, sobald man Politik im reprÃ¤sentativen Sinn betreibt.</p>
<p>Das Netz holt die politischen MÃ¶glichkeiten der griechischen Polis, das Interagieren gleicher, wieder zurÃ¼ck â€“ eine LÃ¶sung, was das fÃ¼r politische Institutionen heiÃŸt, sehe ich noch nicht. Wer ein Amt hat, kann nicht mehr frei das wichtigste politische Medium nutzen, das Netz als moderne Agora. Unsere Institutionen stehen vor einem Paradox: Wer im ursprÃ¼nlichen Sinn politisch handelt, kann nicht mehr politisch handeln. Wer politische Fragen Ã¶ffentlich abwÃ¤gt, sich positioniert, sich rechtfertigt, wird Probleme mit FraktionszwÃ¤ngen, mit dem Diktat der Â»GeschlossenheitÂ« haben (als ob eine <a href='http://fxneumann.de/2009/09/01/diskursverweigerung-und-dummheitsvermutung/' title='Diskursverweigerung und Dummheitsvermutung'>Partei etwa nicht intellektuell tot wÃ¤re, wenn sie Â»geschlossenÂ« wÃ¤re!</a>).</p>
<p>Vielleicht heiÃŸt das fÃ¼r politische Institutionen, daÃŸ sie im neuen Kommunikationsmodell, das eine polisartige Politik als Rahmen vorgibt, auch polisartiges politisches Handeln zum Normalfall macht. Vielleicht wÃ¤re das auch ein Ausweg aus der Parteienverdrossenheit: Wenn Parteien polishafter werden. In der Theorie ist das durchaus schon angekommen:</p>
<blockquote><p>
Dieser Befund [passive Mitglieder von Parteien denken noch schlechter Ã¼ber Parteien und Politik als Nicht-Mitglieder] signalisiert ausgeprÃ¤gte Insider-Verdrossenheit, verursacht durch enttÃ¤uschte Erwartungen bezÃ¼glich eigener Mitwirkungschancen. Die Parteien bedauern zwar Interesselosigkeit der BÃ¼rger und fordern mehr Engagement ein. Aber politisch Interessierten haben sie, festhaltend an ihren Ritualen und Aktionsmustern, wenig zu bieten â€“ speziell Menschen, die gemÃ¤ÃŸ dem Haupttrend des Wertewandels â€žSubjekt des eigenen Handelnsâ€œ sein mÃ¶chten, Menschen, die mitdenken, mithandeln und mitentscheiden wollen. <a href="http://www.kas.de/upload/dokumente/verlagspublikationen/Volksparteien/Volksparteien_Oberreuter.pdf">(Heinrich Oberreuter)</a>
</p></blockquote>
<p><em id="20100626-erg">ErgÃ¤nzung, 26. Juni 2010:</em> Jeff Jarvis hat Ã¼ber ein ganz Ã¤hnliches Thema geschrieben: <a href="http://www.buzzmachine.com/2010/06/26/the-myth-of-the-opinionless-man">Â»The Myth of the Opinionless MannÂ«</a>:</p>
<blockquote><p>
No, the opinionless man is an institutional myth, a fiction maintained by news organizations, political organizations, governments, businesses, churches, and armies. The opinionless man is meant to be an empty vessel to do the bidding of these hierarchies. But opinions and openness about them subvert hierarchies. Or to translate that to modern times, via the Cluetrain Manifesto, links subvert hierarchies. This is the age of links. So hierarchies: beware. One opinion leaks out of the opinionless man and it is shared and linked and spread instantly. The institutions treat this revelation as a shock and scandal â€” as a threat â€” and they eject the opinionated men. That is what happened to McChrystal and Weigel.<br />
[â€¦]<br />
So if we want more transparency â€” and I believe that we, the people, do even if they, our institutions, often do not â€” then we must stop going along with the myth of the opinionless man and the scandal of the opinionated man. We should celebrate openness and honesty whenever they manage to break through. We should recognize that [â€¦] transparency leads to trust. We should remind our institutions â€” government and the journalists who are supposed to cover them â€” that we expect them to judge and we will respect their actions more if we understand their judgment.
</p></blockquote>
<p>Er kommt zu einer Ã¤hnlichen SchluÃŸfolgerung wie ich, verbindet dieses Modell der Ã–ffentlichkeit aber nicht mit der griechischen Polis, sondern mit Habermas&#8217; gelehrter Ã–ffentlichkeit der Salons des 19. Jahrhunderts.<br />
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		<title>DafÃ¼r braucht&#8217;s die FDP</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 11:15:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Umfragen zeitigen Wirkung auf die FDP: Christian Li [...]]]></description>
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<p>Die Umfragen zeitigen Wirkung auf die FDP: Christian Lindner plant eine strategische Neuausrichtung und mÃ¶chte soziale Akzente stÃ¤rken.</p>
<p>Eine strategische Neuausrichtung halte ich auch fÃ¼r dringend nÃ¶tig: Weg von der Klientelpolitik, hin zu einer liberalen Politik. Wenn Â»strategische NeuausrichtungÂ« aber heiÃŸt, die Werkzeuge der anderen Parteien (weiterhin) verstÃ¤rkt zu benutzen, kann das keine Zukunft haben. Das Ziel mÃ¼ÃŸte eine FDP sein, die Milton Friedman hier glaubwÃ¼rdig zustimmen kÃ¶nnte: Â»Ich bin nicht wirtschaftsfreundlich, ich bin fÃ¼r freie Marktwirtschaft, was etwas ganz anderes ist.Â«<br />
<span id="more-2030"></span><br />
Die FDP macht es einem weiÃŸ Gott nicht schwer, sie nicht gut zu finden. Wie <a href="http://lumma.de/2010/06/16/steuersenkungspartei-mit-pseudo-sozialem-antlitz/">Nico Lumma</a> hÃ¤tte ich gerne eine liberale Partei in Deutschland (und im Gegensatz zu ihm wÃ¼rde ich sie auch wÃ¤hlen):</p>
<blockquote><p>
[Eine liberale Partei] wÃ¼rde eine andere Perspektive in die Debatte einbringen, das Individuum stÃ¤rker betonen und die Rolle des Staates anders definieren als die beiden groÃŸen Volksparteien. So eine Partei wÃ¤re eine tolle ErgÃ¤nzung im bundesdeutschen Parteiensystem, an der man sich reiben kann, die aber durchaus Relevanz haben kÃ¶nnte.
</p></blockquote>
<p>Das Problem der FDP sehe ich nicht darin, daÃŸ sie veraltete, von der Geschichte widerlegte Konzepte vertreten wÃ¼rde (den ominÃ¶sen Â»NeoliberalismusÂ«, was auch immer das sein mag), auch wenn diese ErzÃ¤hlung gerne verwendet wird. Das Problem ist auch nicht, daÃŸ Liberalismus <a href="http://mspr0.de/?p=1425">nicht realitÃ¤tskompatibel</a> wÃ¤re. Das Problem ist, daÃŸ die FDP Â»wirtschaftsfreundlichÂ« mit Â»liberalÂ« verwechselt und so den Liberalismus <a href='http://fxneumann.de/2010/06/17/dafuer-brauchts-die-fdp-nicht/' title='DafÃ¼r braucht&#8217;s die FDP nicht'>durch ihr Handeln</a> schlechtmacht. (Als ob die Partei des Kammer- und Meisterzwangs, des Schornsteinfegermonopols, der Privilegien fÃ¼r freie Berufe marktradikal wÃ¤re!)</p>
<p>Zumindest fÃ¼r die Diskurshoheit in Deutschland, in Europa kann man Fukuyamas These vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ende_der_Geschichte">Â»Ende der GeschichteÂ«</a> getrost Ã¼bernehmen: Unter dem Begriff der Â»sozialen MarktwirtschaftÂ« finden sich alle Parteien wieder, niemand stellt dieses System in Frage. FÃ¼r die SPD ist ihre Ãœberwindung des Kapitalismus im demokratischen Sozialismus (auÃŸer fÃ¼r eine Handvoll Jusos) heimelige Folklore mit der realpolitischen Relevanz eines gemeinsam gesungenen Â»Dem Morgenrot entgegenÂ«, die Linkspartei richtet sich auch (wo sie Verantwortung Ã¼bernehmen muÃŸ) im sozialmarktwirtschaftlichen Konsens gut ein: Â»soziale MarktwirtschaftÂ« ist heute nicht viel mehr als eine Chiffre fÃ¼r ein im Prinzip marktwirtschaftlich, aber je nach Wunsch, Bedarf und OpportunitÃ¤t auch staatlich gesteuertes System. Die politischen Werkzeuge sind Ã¼ber die Parteien hinweg gleich, nur unterschiedlich gefÃ¤rbt. An die Stelle von Ordnungspolitik, die einen stabilen Rahmen schaffen will, tritt eine Politik, die immer neue StÃ¼tzrÃ¤der an den wackligen Status quo anschraubt. Es geht also nicht um die grundsÃ¤tzliche Systemfrage, sondern darum, wie dieses System ausgestaltet werden soll.</p>
<p>Wenn die FDP (wie bisher allzuoft) es sich in dieses System gemÃ¼tlich macht, indem sie brÃ¤sige Mittelstandsklientelpolitik (dazu: <a href='http://fxneumann.de/2009/09/24/ach-fdp/' title='Ach, FDP â€¦'>Â»Ach, FDP!Â«</a>) macht (und auf Landesebene nicht nur jeden CDU-Unsinn mitmacht, sondern auch noch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ingo_Wolf#Minister">in eigener Verantwortung</a> veranstaltet), muÃŸ das fÃ¼r eine liberale Partei letztlich existenzbedrohend sein: Das Problem ist, daÃŸ sie als Klientelpartei schlicht unnÃ¶tig ist. Politik fÃ¼r die Partikularinteressen des Mittelstandes kann die CDU gut allein, die SPD kÃ¼mmert sich gut um Kohle, Autobau und sonstige GroÃŸindustrie, und im Zweifelsfall bedienen die GrÃ¼nen die schickere Klientel. Die Aufgabe einer liberalen Partei wÃ¤re es, bestÃ¤ndig freiheitliche Aspekte einzubringen, jegliche Klientelpolitik zu hinterfragen, jeder staatlichen Intervention MiÃŸtrauen entgegenzubringen und Alternativen zum staatlichen Handeln zu finden. Und natÃ¼rlich auch der Auftrag des Grundgesetzes, an der Willensbildung des Volkes mitzuwirken: Die Grundlagen liberaler Politik also verstÃ¤ndlich zu machen. (Dazu auch: <a href='http://fxneumann.de/2009/10/02/so-einfach-ist-das/' title='So einfach ist das?'>Â»So einfach ist dasÂ«</a>)</p>
<p>Wenn der politische Liberalismus, fÃ¼r den etwa Mill, Popper, Eucken und Hayek stehen, auf eine nach etatistischer Logik operierende Mittelstandsklientelpartei reduziert wird, ist das nicht liberal. Das wird auch nicht besser, wenn man die Werkzeuge beibehÃ¤lt und unter dem Schlagwort Â»sozialÂ« eine andere Klientel bedient (vielleicht marginal besser, weil die neue Klientel es nÃ¶tiger hat â€“ aber dafÃ¼r haben wir doch genÃ¼gend andere Parteien). <a href="http://www.bissige-liberale.net/2010/06/16/fdp-ein-abgesang/">Rayson bei den Bissigen Liberalen</a> dazu:</p>
<blockquote><p>
Ob eine ZurÃ¼ckfÃ¼hrung der einzigen Partei mit einem nennenswerten liberalen FlÃ¼gel auf den Status eines Mehrheitsbeschaffers ein sinnvoller Weg ist, wird man als Liberaler bezweifeln dÃ¼rfen.
</p></blockquote>
<p>DaÃŸ liberale Politik nicht autistische Fixierung auf Steuersenkungen ist, scheint in der FDP angekommen zu sein. Problematisch wird es, wenn eine liberale Partei dann die sozialdemokratische Logik mitgeht und einen Gegensatz zwischen Â»liberalÂ« und Â»sozialÂ« einfach Ã¼bernimmt. (Das kann man dann zurecht als <a href="http://gaywest.wordpress.com/2010/06/15/liberale-selbstauflosung/">liberale SelbstauflÃ¶sung</a> bezeichnen.) Liberale Politik teilt zwar die <em>Ziele</em>, nicht aber die Werkzeuge etatistischer Politik. Rolf W. Puster hat das in einem (fÃ¼r den deutschen, allzu schnell  konservative bis reaktionÃ¤re Allianzen suchenden libertÃ¤ren Dialog erfrischend offenen) <a href="http://liberalesinstitut.wordpress.com/2010/06/16/zur-attraktivitat-der-libertaren-botschaft/">Vortrag</a> dieser Tage so formuliert:</p>
<blockquote><p>
In allen FÃ¤llen lassen sich Ziele am effektivsten realisieren, wenn wir auf der Basis von geschÃ¼tztem Privateigentum mit anderen freiwillig und gewaltfrei kooperieren. FÃ¼r viele Nicht-Liberale geradezu schockierend ist die Entdeckung, dass diese liberale Anwort auch dann triftig bleibt, wenn die fraglichen Handlungsziele moralische Ziele sind. Auch die BekÃ¤mpfung von Armut, Hunger und Krankheit, die fÃ¼r viele sozial mitfÃ¼hlende Menschen ein echtes und ungeheucheltes moralisches Handlungsziel darstellt, bildet keine Ausnahme: Ein moralisches Ziel zu verfolgen, setzt die Tatsache nicht auÃŸer Kraft, dass die Wahl von Eigentumsverletzung und staatlichem Zwang als Mittel der Zielerreichung eine miserable Erfolgsbilanz haben wird, vergleicht man sie mit der Wahl von friedlicher, eigentumsrespektierender Kooperation.
</p></blockquote>
<p>Wenn <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/fdp-in-der-krise-guidos-erbe-1.960542">Christian Lindner damit zitiert</a> wird, daÃŸ Â»Ã¶konomische Vernunft, soziale Gerechtigkeit und eine Balance zwischen Staat und Privat [â€¦] von jeher die Positionen der FDPÂ« gewesen seien, dann ist das zwar auf die Partei bezogen sehr geschÃ¶nt, auf den Liberalismus bezogen aber zutreffend. Es muÃŸ dann nur noch in Parteihandeln umgesetzt werden. Eine Zukunft wird die FDP nicht haben als bloÃŸe Klientelpartei, die sich nur mit dem Namen Â»liberalÂ« schmÃ¼ckt. Eine Zukunft hat die FDP, wenn sie in Handeln und Programmatik glaubhaft den Anspruch vermitteln kann, den Karl-Hermann Flach so formuliert hat:</p>
<blockquote><p>
Liberalismus heiÃŸt Einsatz fÃ¼r grÃ¶ÃŸtmÃ¶gliche Freiheit des einzelnen Menschen und Wahrung der menschlichen WÃ¼rde in jeder gegebenen oder sich verÃ¤ndernden gesellschaftlichen Situation. Der Liberalismus ist nicht auf ein Gesellschaftsmodell festgelegt. Liberalismus bedeutet demnach nicht Freiheit und WÃ¼rde einer Schicht, sondern persÃ¶nliche Freiheit und MenschenwÃ¼rde der grÃ¶ÃŸtmÃ¶glichen Zahl. Freiheit und Gleichheit sind nicht GegensÃ¤tze, sondern bedingen einander. Die Freiheit des Einzelnen findet ihre Grenze in der Freiheit des anderen Einzelnen, des NÃ¤chsten. Insoweit ist Liberalismus nicht Anarchismus, sondern auch eine politische Ordnungslehre.
</p></blockquote>
<p>DafÃ¼r braucht es die Â»einzige[] Partei mit einem nennenswerten liberalen FlÃ¼gelÂ«.<br />
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		<title>DafÃ¼r braucht&#8217;s die FDP nicht</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 18:59:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Debatte um die Ausrichtung der FDP braucht es dring [...]]]></description>
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<p>Die Debatte um die Ausrichtung der FDP braucht es dringend. FÃ¼r das, was die FDP zur Zeit abliefert, wird sie gerade zurecht abgestraft. Der Kern des Problems ist eine erratische Politik, an der sich kaum ablesen lÃ¤ÃŸt, was eigentlich der Daseinszweck einer liberalen Partei ist.</p>
<p>Die Spitze des Eisbergs ist dabei die BundesprÃ¤sidentenfrage: Da gibt es einen Kandidaten, der mit liberaler Rhetorik zu begeistern weiÃŸ â€“ und die FDP-FÃ¼hrung Ã¼berlÃ¤ÃŸt jegliche Entscheidung dem Koalitionspartner und unterstÃ¼tzt deren versicherungsvertreteresken Kandidaten. Schon an dieser Personalie kann man ablesen, daÃŸ die FDP ihre Zeit in der Opposition nicht genutzt hat, ihren CDU-Wurmfortsatzcharakter abzulegen zugunsten einer liberalen Akzentsetzung. Inhaltlich wird es noch fragwÃ¼rdiger, gerade in der vorgeblichen Paradedisziplin Ordnungspolitik. Zwei Beispiele fÃ¼r viele: Das Steuersystem und das Sparpaket.<br />
<span id="more-2035"></span><br />
Das zentrale Wahlversprechen war ein Â»niedrigeres, einfacheres und gerechteres SteuersystemÂ«; praktisch wurde das heruntergebrochen auf den Aspekt Â»niedrigerÂ« â€“ was ja auch am einfachsten operationalisierbar ist. Die FDP hat sich damit selbst ins Abseits geschossen, weil sie so nicht mehr in der Lage ist, liberale Akzente zu setzen (und mehr darf eine liberale Partei im Rahmen der deutschen politischen Kultur wohl nicht erwarten). Jegliche SteuererhÃ¶hung, selbst wenn sie zur Kompensation von unsystematischen Ausnahmeregelungen vorgenommen wird, ist tabu, und damit mÃ¼ssen die anderen Punkte notwendig scheitern. Selbst wenn die Steuerlast gleich bliebe: Ein schlÃ¼ssiges Mehrwertsteuersystem, eine Anpassung der Steuerprogression (etwa, indem die Grenze fÃ¼r den Spitzensteuersatz deutlich nach oben geschoben wird und der als Kompensation erhÃ¶ht wird), um kalte Progression und Mittelstandsbauch anzugehen, ist unter dem Dogma Â»keine einzige Steuer erhÃ¶henÂ« nicht mÃ¶glich. (Und jetzt kopflos und unsystematisch die Kapitalertragssteuer zu erhÃ¶hen wirkt auch nicht nach durchdachtem Konzept hin zu einem einfacheren System.)</p>
<p>Auch das <a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2010/06/2010-06-07-eckpunktepapier.html">Sparpaket</a> lÃ¤ÃŸt liberale Akzente vermissen. Wenigstens fiskalisch hÃ¤tte es solide sein sollen und nicht derart auf Spekulationen gestÃ¼tzt gestaltet sein sollen (Bundeswehrreform, Arbeitsvermittlung, nebulÃ¶se globale Minderausgaben in der Verwaltung werden Ã¼ber den Daumen gepeilt eingepreist). Dazu kommen fragwÃ¼rdige Elemente wie das Fiskusprivileg bei Insolvenzen (das dazu fÃ¼hrt, daÃŸ private Schuldner zugunsten des immer solventen Staates Ã¼bergangen werden â€“ nicht gerade WirtschaftsfÃ¶rderung; und ob es so sinnvoll ist, aus dem Staatsunternehmen Bahn eine zusÃ¤tzliche Dividende zu ziehen â€“ Geld, das dann nicht fÃ¼r Investitionen zur VerfÃ¼gung steht), und schlieÃŸlich lÃ¤ÃŸt es eine liberale Bewertung von Staatsaufgaben vermissen, etwa beim Elterngeld (der Staat soll â€“ und <a href="http://antjeschrupp.com/2010/06/13/einige-anmerkungen-zu-sarrazins-%E2%80%9Everdummungsthese%E2%80%9C-und-der-demografie-generell/">kann</a> â€“, nicht die <a href='http://fxneumann.de/2009/08/06/gebarmaschinen/' title='GebÃ¤rmaschinen'>Gesellschaft versuchen zu steuern</a>; hier trÃ¤gt die FDP eine versuchte Steuerung mit und gibt ihr den Vorzug vor einer auch liberal gewollten Staatsaufgabe, der Sicherung des Existenzminimums) und beim Berliner StadtschloÃŸ (warum soll das aufzubauen Staatsaufgabe sein?).</p>
<p>Es wÃ¤re freilich auch mÃ¶glich, daÃŸ all das Methode hat, und die <em>hidden agenda</em> der Grauen Eminenzen der FDP ist, durch bizarre und unsystematische Regulierungen ein Klima zu schaffen, das die fÃ¼r den Ãœbergang zum <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Counter-economics#Relationship_with_agorism">Agorismus</a> benÃ¶tigten SchwarzmÃ¤rkte begÃ¼nstigt.</p>
<p>Wenn das aber ernstgemeint ist: DafÃ¼r braucht&#8217;s die FDP nicht.<br />
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		<title>Taxikartelle</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 13:49:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein besonders drÃ¤ngendes Thema in Dachau scheinen zur  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<abbr class="unapi-id" title="http://fxneumann.de/?p=2026"><!-- &nbsp; --></abbr>
<p>Ein besonders drÃ¤ngendes Thema in Dachau scheinen zur Zeit TaxigebÃ¼hren zu sein: <a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/politik/debatte-um-hoehere-gebuehren-taxifahrer-fordern-mehr-geld-1.960640">Â»Debatte um hÃ¶here GebÃ¼hren: Taxifahrer fordern mehr GeldÂ«</a> Der ganze Artikel dreht sich im wesentlichen darum, wie feinziseliert das Taxi-Kartell aufgebaut ist, wie viele Entscheidungsinstanzen es gibt â€“ die Dachauer Taxivereinigung, die Taxi-Genossenschaft MÃ¼nchen (und weitere Taxikartelle aus dem Umland), LandratsÃ¤mter und ein Kreisverwaltungsreferat â€“ und wie die Preisbildung in Kartellen funktioniert:</p>
<blockquote><p>
Die Antragsteller aus MÃ¼nchen, Freising und Erding wollen fÃ¼r eine normale Fahrt in der Stadt durchschnittlich zwÃ¶lf Prozent mehr, fordern fÃ¼r Fahrten vom und zum Flughafen jedoch ein Plus von 16 Prozent. ZusÃ¤tzlich sind GebÃ¼hren fÃ¼r Gruppen von mehr als vier Personen (bisher erst beim sechsten Passagier) sowie fÃ¼r die Zahlung mit EC- und Kreditkarte vorgesehen.</p>
<p>Brachos hÃ¤lt ErhÃ¶hungen von mehr als 15 Prozent fÃ¼r unrealistisch [â€¦]. AuÃŸerdem wÃ¼rde ein solcher Vorschlag an der Zustimmung der BehÃ¶rden scheitern. Auch die Genossenschaft Taxi MÃ¼nchen kritisierte die Forderungen ihrer Kollegen als Ã¼berzogen: Sie will sich lieber an der Inflationsrate von sieben bis zehn Prozent seit der letzten TariferhÃ¶hung orientieren.</p></blockquote>
<p>Der ganze Artikel, die ganze Aufregung wÃ¤re vÃ¶llig unnÃ¶tig, wÃ¼rde man hier einfach nur Ordnungspolitik betreiben: FÃ¼r einen funktionierenden Taximarkt braucht es hÃ¶chstens einen PersonenbefÃ¶rderungsfÃ¼hrerschein, eine TÃœV-Plakette fÃ¼r Autos, mit denen man Personen befÃ¶rdern kann, und geeichte Taxameter. So hat man nur groteske BÃ¼rokratie und groteske MarkteintrittshÃ¼rden. (Zum Thema Ã¶ffentlicher Verkehr gab&#8217;s vor zwei Jahren eine sehr interessante Folge EconTalk: <a href="http://www.econtalk.org/archives/2008/07/munger_on_the_p.html">Mike Munger on the Political Economy of Public Transportation</a>.)<br />
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