Ach, FDP …

Guido Westerwelle hat mir eine Postkarte geschickt. Danke, Guido, wäre nicht nötig gewesen, ich wähle euch ohnehin. (Gründe dafür findet man bei Jan Filter im Blog.) Aber wieder habe ich mir gedacht: Ach, FDP, so doch nicht!

Warum muß die FDP schon optisch wie aus den tiefsten 80ern auftreten? Wen will man denn mit dem Mantra »Arbeit muß sich wieder lohnen« hinter dem Ofen herholen? Überhaupt, die Außenwirkung. Der lieblose Auftritt meines Kreisverbandes (»mein« ist hier ein exklusives wir – ich bin in keiner Partei Mitglied) spricht für sich. Warum wirkt das alles so bräsig? Wo ist denn da die Begeisterung für die Freiheit? 15 % hält man nicht mit schwäbischen Honoratioren allein.

Meine erste Begegnung mit dem organisierten Liberalismus war 2002. Der KjG-Dekanatsverband Philippsburg hat im Rahmen der Thierse-Wette eine Podiumsdiskussion mit den Bundestagskandidaten organisiert, ich als Dekanatsleiter saß mit auf dem Podium. Der FDP-Kandidat war auf dem Podium enttäuschend, hinterher (als er mir eine Nagelfeile mit dem Aufdruck »Für eine saubere Politik« in die Hand drückte) habe ich ihn gefragt, warum er sich das antut: aussichtsloser Direktkandidat in einem Wahlkreis, der bayerische Mehrheiten für die CDU hat. Plötzlich funkelten seine Augen, und er sagte: »Weil ich glaube, daß letztlich nur Freiheit funktioniert.«

Daran erinnere ich mich heute noch: Furchtbare Außendarstellung (wenn auch mit guten Positionen zu Wehrpflicht und Drogen), Begeisterung erst auf Nachfrage. (Und daran erinnere ich mich: daß von der engagierten Diskussion zu Drogenpolitik am nächsten Tag in der Zeitung nur stand: »Felix Neumann, Dekanatsleiter der KjG, meint: Bekiffte Jugendliche sind mir lieber als betrunkene.«)

Und dann kommt noch der Inhalt dazu. Jan hat die Dinge aufgezählt, die für mich eben doch für die FDP sprechen. Dazu gehören auch Entscheidungen im Bereich Wirtschaftspolitik. Dort halte ich es eigenlich mit Milton Friedman:

Ich bin nicht wirtschaftsfreundlich, ich bin für freie Marktwirtschaft, was etwas ganz anderes ist.

Bei der FDP habe ich diesen Eindruck nicht immer: Da wird Klientelpolitik gemacht für Meister- und Kammerzwang, wo der Markt plötzlich nicht mehr wichtig ist, während man in Sachen Netzneutralität dem Markt wieder völlig vertraut, obwohl es gute liberale Gründe für einen ordnungspolitischen Rahmen gäbe. Allzu leichtfertig setzt man Immaterialgüter mit materiellem Eigentum gleich und hat kein realistisches und zukunftstaugliches Konzept für eine Urheberrechtsreform. Ordnungspolitik scheint ohnehin oft durch Klientelpolitik ersetzt zu werden.

Trotz alledem: Netto bleibt für mich immer noch nur die FDP übrig. Vielleicht wird es auch Zeit, mitzumachen und zu ändern. Ist zur Zeit ja modern.

(Und immerhin: Die Julis haben den einzigen wirklich lustigen Spot des gesamten Wahlkampfes produziert, und die FDP hat in ihrer Parteireformkommission interessante Vorschläge, wie die Partei durchlässiger werden kann.)

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9 Gedanken zu „Ach, FDP …“

  1. Zu der damaligen Podiumsdiskussion: Derjenige, der vor, während und nach der Diskussion mit den meisten Plattitüden und den seltsamsten „Argumenten“ aufwarten konnte, sitzt heute noch im Bundestag und braucht sich vermutlich am Sonntag auch keine Sorgen um seine Stimmen machen …

    1. Das ist leider auch unvergessen. »Mir ist es ja am liebsten, wenn Jugendliche weder trinken noch Drogen nehmen.« – und am nächsten Tag auf Sauftour mit der Jungen Union durch die Bruchsaler Kneipen pöbeln.

      Was ist eigentlich aus Rainer Schmitt geworden?

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