Zivildienst in der Bahnhofsmission. Fragment, Januar 2004

Ein Radiosender fragte dieser Tage, was sich für junge Männer ändern würde, wenn der Zivildienst abgeschafft würde und gab auch gleich selbst die Antwort: Sie müßten in Zukunft den Geldbeutel der eigenen Oma klauen, sich von jemand anderem erzählen lassen, wer die Autobahnen gebaut hätte und könnten in Zukunft die Rollstuhlrennen nur noch in den eigenen vier Wänden veranstalten.

Auch der Spiegel fand deutliche Worte: »Zivis sind die nützlichen Deppen einer Nation, die die Augen verschließt vor ihrem ›sozialen Problem‹: Sie delegiert die Verantwortung für Alte, Kranke, Hilfsbedürftige.«

Ich bin einer dieser »nützlichen Deppen«. Als Zivildienstleistender in der Bahnhofsmission habe ich vielfältige Aufgaben: Umsteigehilfen, Verwaltungstätigkeiten, Instandhaltungsarbeiten, gezielte soziale Hilfen – mein Aufgabenfeld ist so breit gefächert wie die Angebote der Bahnhofsmission.

Nützlich bin ich (bei aller Bescheidenheit) also durchaus. Wie sieht es mit dem »Depp« aus?

Als Zivildienstleistender in der Bahnhofsmission kann man sehr eigenständig und auf gleicher Höhe mit den Ehrenamtlichen arbeiten. Da man quasi ständig präsent ist, entwickelt man einerseits eine gewisse Routine und behält den Überblick, kann aber andererseits auch häufiger auftauchenden Klienten besser helfen, da sie ihre Geschichte nicht jedesmal neu erzählen müssen. Und gerade die länger dauernden Fälle sind die spannenden: Von den bestohlenen Italienern, die in ihre Heimat zurückwollen (und sich im deutsch-italienischen Behördendschungel verirren) zu von Obdachlosigkeit bedrohten Jugendlichen tauchen immer wieder Fälle auf, die sich eben nicht in einer Schicht lösen lassen.

Persönlich

Der Artikel wurde nie fertiggeschrieben, geschweigedenn im Jahresbericht veröffentlicht.

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