Glauben in der Digitalität: Netze knüpfen, Netze auswerfen

Für die Ausgabe 3/2019 der medienpädagogischen Zeitschrift merz habe ich einen Überblick über Glauben im Netz geschrieben. Die Ausgabe befasst sich mit dem Titelthema »Digitalität. Religion. Pluralismus« – mir ging es darum, einmal aufzuzeigen, wie die religiöse Landschaft im deutschsprachigen Netz aussieht – und ein kirchliches Engagement im Netz starkzumachen, das sich theologisch aus einer Betonung der Taufwürde aller Christ*innen und ihrer Verantwortung speist, anstatt nur Institutionen senden zu lassen.

Marijcke Visser, »Wonderbare visvangst« (Door Gouwenaar – Eigen werk, CC0)

Abstract: Die Digitalisierung wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus und auch die Kirche versucht, sich digitalen Trends anzuschließen. Einige Bistümer und Pfarrer unterhalten eigene Twitter– oder Facebook-Accounts und Gläubige treffen sich online zum Beten. Wie lassen sich ‚Amen‘ und ‚Likes‘ vereinen? Dieser Beitrag befasst sich mit den Möglichkeiten, die die digitale Kirche mit sich bringt und beleuchtet die Sichtweise ihrer Gegnerinnen und Gegner sowie strukturelle Hindernisse.

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Ein Jahr kirchlicher Datenschutz: Viel Bürokratie, wenig Sozialethik

Zum großen Knall kam es nicht im ersten Jahr des neuen kirchlichen Datenschutzgesetzes. Viele Befürchtungen gab es: Überforderte Ehrenamtliche, Abmahnwellen und Bußgelder, dass Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation in der Kirche unmöglich würden. Befeuert wurden diese Bedenken durch eine aufgeregte Berichterstattung über die auch seit Mai 2018 geltende Europäische Datenschutzgrundverordnung: Vielen wurde erst mit der neuen Gesetzeslage klar, dass es schon zuvor Datenschutzgesetze gab, die auch als Verein oder kleines Unternehmen einzuhalten sind.

Symbolbild Datenschutz
(Von Bundesarchiv, Bild 183-2007-0705-502 / Walther / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link)
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Europa braucht eine demokratische Öffentlichkeit – und nicht diese Urheberrechtsreform

Im vergangenen Jahr hat sich die Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP) deutlich gegen einzelne Aspekte der EU-Urheberrechtsreform positioniert. Die Forderungen, auf problematische Aspekte der Reform zu verzichten, die die GKP zusammen mit vielen anderen Teilen der Zivilgesellschaft geäußert hat, sind verhallt, die Regelungen noch schlechter geworden.

Wie die Debatte gelaufen ist, ist kein gutes Zeichen für die EU. Am Prozess wie am Inhalt zeigt sich deutlich, woran es in Europa – das nach Papst Franziskus doch eigentlich gerade als “Raum des Dialogs” stark ist – besonders mangelt.

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Ecco Eco! Intertextuelle Ostereier im DSGVO-Kommentar


Spoilerwarnung: Der folgende Artikel verrät Pointen aus Kühling/Buchner ²2018.

Juristische Kommentare zu lesen ist in der Regel etwas trocken, aber dann doch gelegentlich nötig. (Mein Anlaß: Daß zur Zeit soviel in Sachen kirchlicher Datenschutz passiert.) Im DSGVO-Kommentar von Kühling/Buchner (2. Aufl. 2018, S. 1163, RN 23) im Kapitel über Art. 85 DSGVO, der sich mit Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit befaßt, bemerken die Autor_innen (Benedikt Buchner selbst kommentiert hier gemeinsam mit Marie-Theres Tinnefeld) ganz nebenbei und elegant sentenzenhaft:

Das Zitat, das Plagiat und die Parodie sind typisch für die künstlerisch-literarische Tradition.

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Sparen, das an die Substanz geht

7,5 Prozent mehr Lohn haben die Tarifparteien im öffentlichen Dienst gerade vereinbart. Ein gutes Ergebnis für diejenigen, die dafür sorgen, dass der Staat seine Aufgaben erledigen kann. Die Tarifverhandlungen in einer für die Gesellschaft ähnlich wichtigen Branche ziehen sich derweil hin: Journalisten- und Verlegerverbände werden sich nicht einig – dabei liegt die Forderung von DJV und dju mit 4,5 Prozent Lohnsteigerung deutlich unter dem Ergebnis im öffentlichen Dienst. Zuletzt hatten die Verleger kaum einen Inflationsausgleich angeboten.

Während die Steuereinnahmen weiterhin üppig sind, hat unsere Branche immer noch keine Lösung für die Finanzierung von Journalismus gefunden. Das darf aber keine Entschuldigung für die sehr unterschiedlichen Tarifabschlüsse in den beiden Branchen sein: Da zu sparen, wo die journalistische Qualität herkommt, nämlich bei den Journalistinnen und Journalisten, wird die Krise nicht lösen.

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… als ob Machtverhältnisse und Machtgefälle an der Haustür enden würden: Macht und Überwachung im Smart home


Bruno Mazotti: »Olho mágico 1«
Olho mágico 1 flickr photo by bruno_mazotti shared under a Creative Commons (BY-SA) license

»Ich zeig euch, wann meine Frau geduscht hat« – das war der Pitch für die Home-automation-Session beim Bonner BarCamp. Klingt creepy, sollte es auch, war es dann aber anders als vom Vortragenden beabsichtigt. Weniger die Technik selbst als Datenschutz sollte im Mittelpunkt stehen: Ein »Smart home« erfaßt Daten so granular, daß aus der Datenmenge einige Erkenntnisse gezogen werden. Wann geduscht wird, zeigt die Temperatur- und Luftfeuchtigkeitskurve recht genau, einmal ausführlich die Toilette benutzen bedeutet plus ein paar Zehntelgrad, Bewegungsmelder im Gang zeigen, wann wer nachts aufs Klo geht – soll das wirklich alles auf einem Server in der Cloud, meistens bei Amazon, landen? … als ob Machtverhältnisse und Machtgefälle an der Haustür enden würden: Macht und Überwachung im Smart home weiterlesen

Die Geburt der »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace« aus dem Geist des Mormonismus


… das war dann doch nicht der Titel meines Nachrufs auf John Perry Barlow, den ich im BDKJ-Blog veröffentlicht habe. Es wurde »Estimated Prophet, Jack Mormon – Zum Tod von John Perry Barlow«.

John Perry Barlow
John Perry Barlow, Co-Founder, Electronic Frontier Foundation-1668 flickr photo by LeWeb14 shared under a Creative Commons (BY) license
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Ionescos Klingonen. Beobachtungen zu Star Trek: Discovery


Lycosthenes, Rhinoceros
By https://wellcomeimages.org/indexplus/obf_images/84/e7/fd14659fef2b32da3dcc45b96560.jpgGallery: http://wellcomeimages.org/indexplus/image/L0005344.html, CC BY 4.0, Link

Endlich wieder Star Trek in der eigentlichen Darreichungsform: Als Fernsehserie. Nach den ersten beiden Folgen bin ich optimistsch. Mit »Enterprise«, der seltsam aus der Zeit gefallenen Vorgängerserie (für mich fühlte sie sich immer an wie eine Kopie von TNG-Monster-of-the-week-Folgen, nur mit blasseren Charakteren), und den JJ-Abrams-Filmen (mit allzu glattgebügeltem Action-Reboot) konnte ich nichts anfangen. Discovery wirkt zunächst zeitgemäß: Story Arc statt Monster of the week, eine zeitgemäße Ästhetik, Zeit zum Erzählen. Discovery ist aber auch Star Trek: Ein wenig Vertrautheit mit dem Stoff hilft beim Verständnis (Kahless, Sarek, die vulkanische Kultur werden nicht eingeführt); kleine Details (die Geräusche in den Raumschiffen, die optisch überhaupt nichts mit den bekannten dieser Ära aus TOS und ENT zu tun haben; der Klappkommunikator; die pistolenförmigen Phaser) verankern auch die auf Stand gebrachte Ästhetik im Serienuniversum. Ionescos Klingonen. Beobachtungen zu Star Trek: Discovery weiterlesen

Konrad Simon Landersdorfer – der erste Altbischof der Welt?


Wappen von Simon Konrad Landersdorfer und Bistum Passau
Aus der marianischen Votivkirche Passau: Das Bischofswappen von Simon Konrad Landersdorfer (1880-1971), Bischof von Pasau 1936–1968, und das Bistumwappen von Passau.
Von Photo: Andreas Praefcke – Eigenes Werk (own photograph), Gemeinfrei, Link

Mein Artikel über die Debatte zur richtigen Rolle eines zurückgetretenen Papstes, der heute bei katholisch.de Aufmacher ist, ist ohnehin zu lang – ein interessantes Rechercheergebnis ist dort daher nur angedeutet. Im Wikipedia-Artikel zu Altbischöfen bin ich auf diese Passage gestoßen, leider unbelegt:

Der erste Bischof, der offiziell als Altbischof bezeichnet wurde, war der damalige Passauer Oberhirte Simon Konrad Landersdorfer nach seinem altersbedingten Rücktritt 1968.

Ist das so? Ich bin dem auf die Spur gegangen.

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