Zahlen für journalistische Infrastruktur

Zeitung
Quelle: Sven Leichle, sven1506 (CC BY 2.0)
In letzter Zeit haben mich zwei journalistische Artikel in einer Zeitung sehr begeistert: Nils Minkmars Artikel »Grund zur Sorge« über die politische und soziale Großwetterlage und ihre Geschichte in Frankreich, und Wolfgang Günter Lerchs Artikel Osmans Wiederkehr über dasselbe in der Türkei.

Nun mag es sein, daß diese FAZ-Artikel zufällig genau das sind, was ich gerne lese (wahrscheinlich auch), und nichts, was über Journalismus überhaupt etwas aussagt. Bei beiden Artikeln habe ich aber etwas gedacht, was ich sonst selten denke: Dafür würde ich gerne zahlen. Ich glaube, daß dieser Impuls (wenn auch nicht allgemeingültig) interessant genug ist, um darüber zu schreiben, weil ich in meinem Mediennutzungsverhalten sehr viel gratis beziehe ohne diesen Impuls: Kostenlose kommerzielle Produkte (was Zeitungen und Zeitschriften online stellen), freie Produkte (vor allem Blogs), und viel in einem rechtlichen Dunkelgraubereich, von Musik auf Youtube bis zu amerikanischen Serien rechtlich zweifelhafter Bezugsquelle. Meine Zahlungsimpulse sonst reichen vom Flattr-Klick, wo das geht, bis hin zu schulterzuckendem »Pech gehabt«, wenn ich die neue Staffel The Good Wife (selbst wenn ich sie zahlen wollte) nicht bezahlen kann.
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Citizen capitalists

Tom Slee und Tim Wu führen eine kleine Debatte über die Regulierung von Uber und AirBnB, peer-to-peer-Plattformen für Transport- und Übernachtungsdienstleistungen: Apps to Regulate Apps, und Peer-to-Peer Hucksterism: An Open Letter to Tim Wu. Es geht darum, wie solche crowdsourceten Dienstleistungen und die sie vermittelten Plattformen reguliert werden sollen, weil herkömmliche politische Regulierung nicht auf diese Form von Jedermann-Dienstleistung paßt. Slee verteidigt klassische Regulierung gegen Wu, der den Bedarf für ein neues Regulierungsregime sieht, das einem völlig veränderten Markt Rechnung trägt. Ich sehe in dieser Frage ein weiteres Beispiel dafür, wie alle gesellschaftliche Sphären, hier die der Wirtschaft, durch sinkende Transaktionskosten durch das Netz massiv verändert werden – und es dafür auch einen entsprechenden politischen und rechtlichen Rahmen braucht, weil der alte nicht mehr zum Handeln und Rechtsempfinden der Menschen paßt.
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Ethisch einkaufen

Mündiger Kunde sein ist gar nicht so einfach, wenn man den Discounter direkt vor der Haustür hat (und dann auch noch keiner von den bösen, sondern Treff). Manchmal klappt es aber doch. Zum Beispiel heute. Meine gute Aktentasche zeigt Verfallserscheinungen (was sie, war sie doch vorher lange Jahre meines Vaters gute Aktentasche, auch darf). Kaum etwas schöneres als eine Schuhmacherwerkstatt: Der knorrige Meister am Leisten, der Geruch, der Service (karg, aber gut: »Hm. — Ja. — Bis Montag.«). Danach der hiesige Schreibwarenladen: Nichts mit Selbstbedienung, dafür erfreulich selbstlose Beratung (»Nehmen Sie doch lieber die günstigeren Ordner anstelle der Leitzordner. Die sind billiger und halten genauso gut.«) – der Spaß kostet dann zwar das doppelte, aber dafür gern.

Ganz anders dagegen die Welt der modernen Technik, wo man nicht einfach einen Lederflicken vernäht und eine neue Niete reinmacht: Meinen Drucker habe ich vor Jahren gekauft, und das schlagende Argument war, daß man Toner und Trommel getrennt austauschen kann. Nun ist es soweit: Trommel kaputt, Modell lange nicht mehr erhältlich. Trommel bei eBay: 80 Euro. Eben jener Drucker refurbished bei eBay: 50 Euro. Welt – wohin?

Heuschrecken

Aus einem Newsletter für Möchtegern-Großkapitalisten:

Schade. Denn jetzt haben SIE es als Arbeitgeber in der Hand, genau den Betriebsrat zu bekommen, den Sie sich wünschen!

Betriebsrate-Typologie: Wie Sie optimal mit den unterschiedlichen Betriebsrats-Typen verhandeln – vom Gewerkschafts-Dogmatiker über den selbstbewussten Betriebsrat bis hin zum echten Partner.

Der Arbeit Frongewalt

5,2 Millionen Arbeitslose – und mein allsommerlicher Arbeitgeber ruft genau mich aus den wohl verdienten (drück das mal aus, BRaZ!) Semesterferien. Das spricht zwar für meine (man verzeihe das Bescheidenheitsdefizit) Qualität, aber das soll hier weniger Thema sein. Schön dagegen ist es, nach all dem Philosophenhumor wieder Informatiker um sich zu haben.

Man findet mehrere seltsame, kreirunde Flecke an der Küchenwand – anscheinend Wasser, nur leider verläuft dort keinerlei Leitung. Logischer Schluß: Unsere Küche ist mehrdimensional gefaltet, wahrscheinlich weil sich auf unserem Dachboden ein für die Raumkrümmung verantwortliches Schwarzes Loch befindet, so daß die eigentlich (öde dreidimensional) weit entfernte Wasserleitung eben dort oben lecken kann.