Eingeladen zum Fest des Glaubens.

Ich war in Berlin. Und zwar auf Einladung von Uschi Eid. Eingeladen allerdings zu einem »Wochenende der Begegnung« des ökumenischen Gebetsfrühstückskreises des Bundestags. (Das wußte ich vorher nicht.) Das Programm war an sich sehr hochwertig: Diskussionen mit Wolfgang Thierse, Guido Westerwelle, Wolfgang Schäuble, Dan Coats und diversen weniger wichtigen Bundestagsabgeordneten, schließlich als Höhepunkt einen Empfang im Schloß Bellevue bei Bruder Johannes persönlich. Nur: die Teilnehmer! Wir vier Freiburger BDKJler waren die einzigen Katholiken, und alle anderen evangelische Freikirchler, Mennoniten und was der rechte Rand noch an Evangelikalen hergibt.

Dummerweise wurden wir in Kleingruppen zufällig zusammengewürfelt, und dort war es entsetzlich: In meiner wurde beim Abendessen diskutiert, wie man seine Freunde missionieren kann und ob man in nichtchristliche WGs ziehen soll, um die Leute dort zu bekehren. Widerlich.

Und so fragt man auch nicht Relevantes, wenn man schon mal Spitzenpolitiker da hat, nein: »Herr Schäuble, wofür sollen wir für Sie beten?«, und: »Herr Bundespräsident, meinen Sie nicht auch, daß Deutschland wirtschaftlich nur so gut dasteht wegen seiner christlichen Werte?« Und mit sowas soll man dann Gespräche über Glauben und Werte führen, mit Leuten, die es ganz toll finden, wie man in den USA religiös ist, die Dan Coats beklatschen, wenn er davon schwadroniert, daß der Wählerauftrag, das Volk ja völlig egal ist, wenn man nur nach seinem Glauben handelt.

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