Geeks that breed. Das geheime Leitthema der #rp13

Viele Veranstaltungen haben ein Leitthema, das nicht offiziell verkündet wird, das einfach in der Luft liegt und sich so Bahn bricht. Vor zwei Jahen bei der re:publica war das Feminismus. Dieses Jahr kam es mir so vor, als sei das in der Luft liegende Thema Kinder. Plötzlich waren überall Babys, Zwei-, Dreijährige rannten durch die Gänge, immer wieder wurde auch der Wunsch nach Kinderbetreuung für die #rp14 getwittert. Auch bei den Vorträgen war einiges dabei.

Explizit zum Thema, wie das sehr interessante Panel zu Kindern im Netz und spezielle Kindernetzangebote (das zurecht auch sehr kontrovers diskutiert wurde; auch schön: das Making of zum Panel), der vielgelobte und vielkritisierte Vortrag der Haeuslers, die mit Netzgemüse einen hervorragenden Beitrag zur sonst eher netzavers-bräsigen Erziehungsliteratur vorgelegt haben. Aber auch implizit. Spätestens bei den ACTA-Prozessen wunderte sich die etablierte Netzpolitikszene (also: wir hier, die  »Netzgemeinde«), wo all die wirklich jungen Demo-Teilnehmer_innen herkamen. Es war wohl YouTube, für uns ältere als Soziales Netzwerk völlige terra incognita.

Das große YouTube-Panel war für viele hier wohl eine ethnologische Expedition in unbekannte Lebenswelten von Netzbewohner_innen, die – weil schon immer im Netz – sich gar nicht so offensiv als Netzgemeinde, -Szene, »internet people« (so Sascha Lobo letztes Jahr) bezeichnen müssen. Die Netzgemeinde ist eine Gemeinde digitaler Immigranten. Wir gingen boldly where no-one has gone before und wunderten uns und staunten über diese new frontier (und wundern uns und staunen noch immer, so sehr, daß wir auf diese Konferenz fahren und die Revolution, in die wir hineingeraten sind, immer noch als Revolution erfahren), aber die nach der AOL-CD Geborenen sind selbstverständlich (»Glotzt nicht so romantisch!«) und schon immer da.

Es ist kein Wunder, daß dieses Thema jetzt aufschlägt. Wer vor 7 Jahren die erste re:publica mitgemacht hat, ist 7 Jahre später mit gewisser Wahrscheinlichkeit biographisch da, wo Kinder auch mal die eigenen sind. Ich glaube, daß das auch die (for the lack of a better word) »Netzgemeinde«, ihre Themen und ihre Lebenseinstellung verändern wird. Die rotzige no-future-Einstellung, die bei »Wir nennen es Arbeit« und lustvoll-prekärer Oberholz-Beschäftigung mitschwingt, sieht anders aus, wenn andere ganz existentiell von Dir abhängen, weil Du sie in die Welt gesetzt hast. Die Zukunft, um die es netzpolitisch geht, ist nicht mehr nur eine Chiffre für eigentlich uns selber, diese Zukunft lernt gerade laufen und youtuben. (Und bald kommt die Session zum volldigitalisierten Altersheim und Lebensqualität im Alter durch Vernetzung.)

Die Netzgemeinde ist mit dem Netz groß geworden, vielleicht auch schon ein bißchen etabliert und langweiliger. Geeks that breed – da entsteht gerade die Generation, die mit unseren netzpolitischen Hinterlassenschaften leben muß, da kommt diese echte, immer wieder neue Zukunft. (Namedropping: Arendt, Natalität, wißta Bescheid, könnta nachlesen.)

Schön, daß das auf der #rp13 angekommen ist – und nächstes Jahr dann hoffentlich mit re:kita.

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3 Gedanken zu „Geeks that breed. Das geheime Leitthema der #rp13“

  1. Inhaltlich volle Zustimmung – vor allem aber danke für die guten, süffisanten Beobachtungen! Bei uns auf den Wissenschaftsblogs sind die „geeks that breed“ ja noch selten(er) und die Woche durften wir im SPIEGEL erfahren: Man ist entweder Forscher oder Vater.

    Na, danke auch… Werde hier öfter vorbeischauen! 🙂

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