Fun fact: Macs sind katholisch, Unix evangelisch

Computus-Tafel
Computus-Tafel und Ewiger Kalender als Kreisscheibe, gültig für den julianischen Kalender. (gemeinfrei)

Macs sind katholisch, DOS ist protestantisch – so argumentiert Umberto Eco. Dafür habe ich heute einen erstaunlichen Beleg gefunden bei der Recherche (für katholisch.de habe ich aus aktuellem Anlaß einen Artikel über die Geschichte und die Kontroversen ums Osterdatum geschrieben) – und zwar in Systemprogrammen von Mac und Unix.

Nicht umsonst heißt die Kunst der Osterberechnung auf lateinisch computus.

Eco schreibt (an seinen Text hat mich Malte Widenka erinnert), der Mac sei katholisch: »heiter, freundlich, konziliant, er sagt den Gläubigen, wie sie Schritt für Schritt vorgehen müssen« – DOS dagegen (und er argumentiert so, daß es auch auf Unix paßt) »erlaubt eine freie Interpretation der Heiligen Schrift, verlangt schwierige persönliche Entscheidungen, erlegt dem Benutzer eine subtile Hermeneutik auf und sieht es als gegeben an, daß nicht alle erlöst werden können«.

So überrascht es nicht, daß sich die Konfession eines Systems an seinen Kalenderroutinen ablesen läßt: Und zwar an dem Zeitpunkt, an dem der julianische auf den gregorianischen Kalender umgestellt wird. Der katholische Mac folgt der Bulle Inter gravissimas von Gregor XIII. und stellt, wie der Heilige Vater befahl, im Oktober 1582 um. Aus der Dokumentation: »NSCalendar models the transition from the Julian to Gregorian calendar in October 1582. […]
Some countries adopted the Gregorian calendar at various later times. Nevertheless, for consistency [sc. faithful adherence to the Holy Father, Anm. fxn] the change is modeled at the same time regardless of locale.«

Die protestantischen Gebiete brauchten eine Weile, bis sie ihren Stolz überwanden und die Kalenderreform nachvollzogen; die amerikanischen Kolonien waren erst 1752 so weit (nur kurz vor den letzten starrköpfigen Gemeinden im Schweizer Kanton Graubünden). Und also rechnet das Unix-Standard-Programm cal auf dieser Basis, lernen wir auf dessen man page: »The Gregorian Reformation is assumed to have occurred in 1752 on the 3rd of September.«

(Noch ein fun fact: die man page enthält einen fehler und behauptet, nur zehn Tage wären übersprungen worden – das war zwar 1582 so, wegen der zunehmenden Abweichung des julianischen Kalenders vom Sonnenjahr mußten aber 1752 elf Tage übersprungen werden – auf den 3. 9. 1752 folgt der 14. 9. 1752.)

Eindeutig: Eco hatte Recht.

(Wenn allerdings Alexander Lucie-Smith behauptet, daß Facebook katholisch und Twitter evangelisch ist, basierend auf Ecos Text. Das ist natürlich Unsinn. Twitter ist existentialistisch, Facebook essentialistisch.)

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4 Gedanken zu „Fun fact: Macs sind katholisch, Unix evangelisch“

  1. Der Mac ist ökumenisch!

    Das Mac-Betriebssystem OS X besteht aus zwei Teilen: Der grafischen Oberfläche „Aqua“ und dem Unterbau „Darwin“. Letzteres ist ein Unix-System, in dem auch das Kalenderprogramm „cal“ läuft. Unter „Aqua“ dagegen läuft der von Apple programmierte Kalender namens „Kalender“ (nicht sehr einfallsreich, oder? Früher hieß der „iCal). Auf jedem Mac mit OS X laufen also ein „katholischer“ und ein „evangelischer“ Kalender.

    Natürlich treffen auch die genannten „Charakter-Eigenschaften“ beide auf den Mac zu. (Hat der damit auch noch eine multiple Persönlichkeit?)

    Die Kalender-Ökumene treibt der Mac übrigens noch weiter. „Kalender“ unterstützt inzwischen auch von Haus aus den islamischen und den hebräischen Kalender. (Und einen chinesischen, aber ich weiß nicht, ob der mit einer Religion verbunden ist.)

  2. Die Macies verehren Steve Jobs als Gottes irdischen Stellvertreter, und die Linuxer können nicht lachen. Passt doch.

  3. »erlaubt eine freie Interpretation der Heiligen Schrift, verlangt schwierige persönliche Entscheidungen, erlegt dem Benutzer eine subtile Hermeneutik auf und sieht es als gegeben an, daß nicht alle erlöst werden können«

    Wenn ich da an die kryptischen Kommandozeilenparameter bei DOS denke (die es Linus T. sei Dank!) auch bei Trusty Thar noch gibt, dann hat er völlig Recht.

    Dieses ganze neumodische bunte Zeugs mit Fenstern, GUIs und sonstigem Unsinn ist doch völlig unnötig.

    Ein Rechnerbildschirm (besser ein Fernschreibterminal mit endlos-Papier, denn: was man schwarz auf weiss besitzt, kann man getrost … wussten schon unsere Altvorderen) hat schwarz zu sein mit einem Grossbuchstaben links oben, maximal noch der Pfadangabe und dem berühmten DOS-Prompt als Eingabeaufforderung.

    Schreibt einer, der noch Assembler, Fortran und andere „unnütze Dinge“ gebüffelt hat.

    Oh tempora, oh mores! *grins*

  4. Unterhaltsame Gedanken zur Konfession von Betriebssystemen. Allerdings gibt es einen Fehler in der Taxonomie, wenn Apples OS und Unix unterschieden werden.

    Es gibt seit den 60ern zwei Entwicklungslinien von Betriebssystemen. Die unixodien, die von AT&Ts Unix abstammen, und die Betriebssysteme, die von IBM abstammen. Zu letzterem gehören Microsofts OS, während Apples OS auf FreeBSD basiert, das ein genetisch unixoides System ist. Apples OSs sind daher genau wie Linux unixoid.

    Apple katholisch, Linux evangelisch, Microsoft orthodox?

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