So geht das Internet kaputt

Zensursula-Filtertüte
Auch nach Jahren immer noch so: Filtern ist keine Lösung. (Zensursula-Filter von Karsten Suehring, CC by-sa 2.0)

Es klingt verlockend: Filter ein, und die Jugend ist geschützt. Einfach, sauber und effektiv. Allein: Entweder es funktioniert zu schlecht (dann kann man den Filter auch gleich weglassen) oder es funktioniert zu umfassend – was dabei dann entsteht, hat mit Internet nicht mehr viel zu tun.

Ein Debattenbeitrag für die Verbandszeitschrift der KjG, moxie. Zum Pro-Filter-Beitrag von Birgit Braml von der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten.

Eine automatische, allgemeine Sortierung in geeignete Altersklassen ist technisch unmöglich, das Sperren bestimmter Seiten (Blacklisting) ein aussichtsloses Hase-und-Igel-Spiel, und die anderen Methoden in der Debatte taugen aber auch nichts:

Per »Whitelisting« nur die »guten« Seiten freischalten – zwangsläufig eine Bevorzugung großer Anbieter*innen: Wie kommt die Kinderseite der KjG-Pfarrei auf die Whitelist? Wie kommt das Vogelstimmen-Blog, das in der Gruppenstunde entsteht, drauf? Die Gesundheits-Informationen der Caritas, Ratgeberportale für Jugendliche zu Beziehungsfragen: ab 6 oder ab 16? Wer schaltet welchen Wikipedia-Artikel für welches Alter frei? Wie die vielen YouTuber*innen, die oft selbst Teenager*innen sind, in Kategorien packen?

Auch die andere Variante, Alterskennzeichnungen, ist problematisch: die Anbieter*innen selbst in die Pflicht nehmen, ihre Seiten in Altersklassen einzuordnen. Bei Filmen machen das Expert*innen-Kommissionen, die auch mal lange und kontrovers diskutieren. Und im Netz? Große Unternehmen können sich eine Rechtsabteilung leisten, Blogger*innen, YouTuber*innen, KjG-Pfarreien müssen entweder sich selbst einschätzen (und dafür geradestehen, wenn etwas im Streitfall leider nicht mehr ab 6 einzustufen ist), oder gleich alles auf Nummer sicher mit »ab 18« labeln.

Alle technischen Filterlösungen wollen das Internet als Massenmedium verstehen: Eine*r sendet, viele empfangen. Das Internet ist aber ein Kommunikationsmedium: Viele senden, viele empfangen. Aus dem User, aus der Leserin wird die Anbieterin, der Produzent. Inhalte für Kinder und Jugendliche kommen plötzlich auch von Kindern und Jugendlichen: Blogs, YouTube-Channels, Instagram-Feeds – alles aussichtslos zu filtern, zumal, wenn Dialog und usergenerierte Inhalte ins Spiel kommen – auch ein Schulhof kann nicht gefiltert werden.

Kommunikation ist risikobehaftet. Online wie auf dem Schulhof gibt es Gefahren: Mobbing, problematische, verstörende Inhalte. Gelöst werden kann das nicht technisch, nur gesellschaftlich: Persönliche Aufsicht und Begleitung bei den Jüngeren, vertrauenswürdige (und kompetente!) Ansprechpartnerinnen bei den Älteren: Gruppenleiter*innen, Lehrer*innen, Eltern.

Eine technische Lösung erzeugt nur falsche Sicherheit – und macht das Internet als großartigen Kommunikationsraum kaputt.

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2 Gedanken zu „So geht das Internet kaputt“

  1. Der Pro-Filter-Beitrag von Birgit Braml ist als Flash ausgeführt.

    Erstens ist das Flash so schwerfällig, dass ich es nicht sinnvoll lesen kann.

    Zweitens ist für statische Textpräsentation eine HTML-Seite ideal geeignet, Flash dagegen für Interaktion optimiert. Sehr merkwürdig.

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