Wetter? Wir auch! Wir auch?

Die ungekürzte Version meines Quergedacht fürs Krokant:

Vor 40 Jahren war eines der erfolgreichsten politischen Plakate eine Parodie eines Bahnplakats mit dem Slogan »Alle reden vom Wetter. Wir nicht«.

Mit so einem Slogan kann man heute keine Politik mehr machen. Klimaschutz scheint das wichtigste politische Thema zu sein. Kein Wunder, lässt sich doch mittlerweile kaum mehr leugnen, dass es den vom Menschen beeinflussten Klimawandel gibt. Ist das aber ein Grund, jedes Handeln zuerst unter diesem Aspekt zu bewerten?

Solange es nichts kostet, ist es unproblematisch. Energiesparlampen rechnen sich, weniger oder kein Fleisch essen kostet auch weniger — aber da fängt es schon an, wenn man nicht ohnehin schon vegetarisch lebt. Lohnt sich der Verzicht? Lohnt es sich, für die bei Flugreisen ausgestoßenen Treibhausgase etwa für Aufforstungsprojekte zu spenden? Privat muss das jeder für sich entscheiden.

Die Frage, die für die Politik im Zentrum stehen sollte, ist: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Menschen aus? Wenn alles andere gleich bleibt, sieht es in der Tat schlecht aus: Dürre in Afrika, versinkende Inseln und Küstengebiete durch steigenden Meeresspiegel, Kriege um Nahrung, Wasser und Land und vieles mehr.

Aber auch wenn der Klimawandel diese Probleme mit sich bringt, erwächst daraus nicht die Verpflichtung, den Klimawandel selbst anzugehen. Das Klima ändert sich seit Jahrmillionen ständig, Tiere und Pflanzen passen sich an oder sterben aus, erschließen neue Lebensräume und verlassen alte. Das sollte auch unsere Strategie sein:

Bei jeder Maßnahme ist zu überprüfen, ob mit dem gleichen Ressourceneinsatz nicht etwas besseres getan werden kann. Dutzende Ökonomen haben im Rahmen des Projekts »Copenhagen Consensus« beraten, was man gegen drängende Probleme (darunter Hunger, Bildung, Ungerechtigkeit im Welthandel, aber auch Klimawandel) zuerst tun sollte, wenn nur eine begrenzte Menge an Geld zur Verfügung steht. Das überraschende Ergebnis: Klimawandel kommt erst spät; viel effizienter lässt sich gegen Krankheiten, gegen Hunger, gegen Bildungsdefizite etwas tun. Das alles bedeutet auch, gegen die Folgen des Klimawandels etwas zu tun. Das alles bedeutet, den Menschen in den betroffenen Gebieten die Anpassung an ein neues Klima zu ermöglichen.

Nur weil Klimawandel zur Zeit ein Modethema ist, sollte das nicht den Blick verstellen für Fragen der Effizienz. Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Ein paar Vitamine und freier Handel bringen den Menschen in Afrika mehr als Ausgleichszahlungen für Flüge.

Weiterlesen: www.copenhagenconsensus.com

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.