Nur noch ein Gott kann uns retten

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Kant hat eigentlich schon alles gesagt (»Über das Mißlingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee«) – ich glaube nicht, daß sich die Theodizeefrage so beantworten läßt, daß man zu einer Antwort in der Form »Deshalb gibt es das Leid« kommen kann.

Es bleibt nur die Hoffnung auf Versöhnung.

Das macht meines Erachtens auch christlichen Glauben aus: Irgendwelche Wunder sind nichts besonderes; von brennenden Dornbüschen bis zum Auferwecken von Toten: Letzten Endes ist das nichts qualitativ neues, sondern rein quantitativ. Für einen superheldenförmigen Gott braucht es keine Transzendenz. Hier gilt Clarkes drittes Gesetz: »Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.« (Denn was ist Zauberei anderes als ein transzendentes Wirken? Wäre Zauberei immanent zu beschreiben, also mit Hilfe der Naturwissenschaft, wäre sie keine Zauberei.)

Eingreifen in die Welt macht also nicht Gottes Wirken (oder besser: die Göttlichkeit Gottes) aus. (Und Gebete sind keine Zaubersprüche.) Im Gegenteil bestreite ich, daß Gott überhaupt in die Welt eingreift: Meines Erachtens folgt Gottes Allmacht direkt aus der formalen Umschreibung des christlichen Gottesbilds von demjenigen, über den hinaus nichts größeres gedacht werden kann (daher ist die Möglichkeit von Wundern anzunehmen), wobei aus dieser Allmacht noch nicht gefolgert werden darf, daß sie ausgeübt wird; insbesondere würde jeder direkte Eingriff in die Autonomie der Welt (vulgo: Wunder) einen Konflikt mit dem Prädikat der Allgüte hervorrufen, würde sich doch sofort die Frage nach der tatsächlichen Freiheit des Menschen einerseits und die Frage nach den fehlenden Eingriffen Gottes bei anderen Situationen aufdrängen. Nimmt man also die Theodizeefrage ernst, kann man zwar die Möglichkeit von Wundern zugestehen, muß jedoch die Aktualisierung dieser Möglichkeit um der Freiheit des Menschen und der Allgüte Gottes willen verwerfen.

Zurück zum Thema: Was Gott nicht als bloß »jenes höhere Wesen, das wir verehren« ausmacht, was Gott qualitativ umschreibt (im Gegensatz zur formalen Umschreibung oben), ist die Fähigkeit, all das Unversöhnte zu versöhnen. Auf diesen Gott hoffe ich. Insofern ist die Antwort auf die Theodizeefrage die Hoffnung auf Gott, gegen jede empirische Wahrscheinlichkeit.

Bei Formspring wurde ich noch andere Dinge in diesem Kontext gefragt:

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Ein Gedanke zu „Nur noch ein Gott kann uns retten“

  1. Einige interessante Bemerkungen, bei denen sich mir allerdings auch einige Fragen aufdrängen:

    1. Um das Problem des Übels zu lösen, vertraust Du auf die Fähigkeit Gottes, alles zu versöhnen. Gut, aber wie löst das das Problem? Die Frage ist ja nicht so sehr, wie Gott das Leid wieder ausgleicht, sondern warum er es überhaupt zuläßt. Könnte Gott sich nicht den Umweg über die Allversöhnung sparen und das Leid gleich weglassen? Und wie kommt die Versöhnung ins Spiel, wenn es um Leid z.B. durch Naturkatastrophen geht? Versöhnung ist ein Akt zwischen Personen, wie kann ich mit einem Erdbeben versöhnt werden.

    2. Worauf gründet sich Dein Vertrauen auf die Allversöhnung? Zumal Du ja selbst sagst, diese Hoffnung sei sehr unwahrscheinlich. Was läßt sich mehr ins Feld führen als Wunschdenken?

    3. Du sagst, Du bestreitest, daß Gott in den Lauf der Welt überhaupt eingreift – darf man daraus schließen, daß Du keinerlei Offenbarung akzeptierst? Und außerdem: Ist nicht die Menschwerdung Christi ein ganz massiver Eingriff in die Welt?

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