Katechesen für Erwachsene

Der Osnabrücker Bischof Bode, in der deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der Jugendkommission, hat bei einer Tagung des Bonifatiuswerks eine bemerkenswerte Rede gehalten. (Jedenfalls ist bemerkenswert, was ich in den Pressemeldungen gelesen habe – die ganze Rede habe ich leider nicht online gefunden.)

Darin geht es Bode darum, eine gesamtgesellschaftliche Diaspora-Situation ernstzunehmen und daher die Glaubensbildung von Erwachsenen als erstes Ziel vor die Katechese von Kindern und Jugendlichen zu setzen:

Für Bode setzt künftige Kinder- und Jugendkatechese deshalb bei den Erwachsenen an: „In Menschen aller Generationen den elementaren Glauben an einen trinitarischen Gott wachzuhalten – Glaubensschule -, in ihnen Grundformen des Betens zu erhalten – Gebetsschule – und sie zu christlichem Handeln im Alltag zu befähigen – Lebensschule – macht Christen ,diasporafähig’.“

Bode nimmt endlich Karl Rahners in allerlei Sonntagsreden überstrapaziertes Diktum vom Christen, der in Zukunft Mystiker sein müsse oder nicht sein werde, ernst. Darin geht es nicht um eine anselmgrünoide Engel- und Kleiner-Prinz-Spiritualität. Es geht darum, daß dort, wo es keine volkskirchlich-selbstverständliche Sozialisation mehr gibt, es Orte braucht, die die Möglichkeit von Gotteserfahrung eröffnen – und man Menschen eine Sprache, eine Deutefähigkeit an die Hand gibt, um ihre Erfahrungen in der Tradition der Theologie und mit Hilfe des Erfahrungsschatzes der Kirche einzuordnen.

Die Abkehr von einer allein auf Kinder und Jugendliche gerichteten Katechese halte ich für ein sehr gutes Anliegen. Im Zuge der Weltjugendtagsbewegung gibt es immer mehr klassische Jugendkatechesen. Damit erreicht man nur eine Minderheit der Jugendlichen wirklich; »Katechese« ist in der Jugendarbeit zum Unwort geworden, und das zurecht, wenn es in erster Linie bedeutet, daß ein Priester etwas erzählt.

In den Gemeinden findet Katechese zur Zeit in erster Linie im Kontext von Erstkommunion und Firmung statt. Das ist wichtig. Nur: Wer sind die Katecheten? Zu oft Eltern, die selbst wenig kirchlich verwurzelt sind, denen selbst elementares Glaubenswissen fehlt. Das führt dann dazu, daß man in der Firmgruppenstunde »Gemeinschaft« töpfert.

Bode hat völlig recht: Mit der Katechese, die es gibt, erreicht man Kinder und Jugendliche kaum. Allzu viele mit der Katechese Betraute bräuchten eigentlich selbst erst eine grundsätzliche Glaubensbildung – nicht unbedingt in der Glaubenspraxis, dafür umso mehr bei den Inhalten. Das zu erreichen kann schwierig werden: Es gibt zwar Möglichkeiten der Qualifikation für motivierte Katecheten (in meiner Diözese der Theologische Kurs, bundesweit durch den Würzburger Fernkurs), die aber extrem hochschwellig sind (und gleichzeitig gibt es kein theologisches Fernstudium!), während vor Ort in den Gemeinden die Predigten allzu oft nicht besonders katechetisch sind und die örtlichen Bildungswerke sich größtenteils mit allgemeinen ethischen und gesellschaftlichen Modethemen beschäftigen.

Eine Patentlösung sehe ich nicht; Bodes Anstoß halte ich aber für sehr wichtig – »Glaubensunterricht eingebunden im Miteinander der Generationen«; keine weltfremden Katechesen für die kleine Herde, sondern Menschen zu befähigen, als Glaubenszeugen zu wirken. Der BDKJ hat dazu in seiner Position zur Jugend-Sinusmilieustudie das beschlossen:

Im Sinne des „Personalen Angebots“, wie es die Würzburger Synode beschreibt, braucht Jugendpastoral Menschen, die mit ihrer Person selbst schon Angebot sind. Im Apostolischen Schreiben „Evangelii nuntiandi“ von Papst Paul VI. heißt es: „Die Verkündigung muss vor allem durch ein Zeugnis erfolgen“. Für eine zukunftsfähige Jugendpastoral braucht es also insbesondere Personen, die mit ihrem Leben missionarisch Zeugnis ablegen und die befähigt sind, über ihren Glauben zu sprechen.

(»Herr, erneuere Deine Kirche und fang bei mir an«: Ab Winter übernehme ich nach einigen Jahren Pause wieder als Firmkatechet eine Gruppe Jugendlicher. Ich bin gespannt, wie ich da meine Ansprüche umsetzen kann. In der KjG habe ich das (neben gelegentlichen Artikeln im Verbandsmagazin) in der Bildungsarbeit versucht. Ich war jahrelang für unseren Kurs für Leute in Leitungsverantwortung verantwortlich; bei der Einheit »Kirche« ging es mir immer darum, erstmal viele Grundlagen zu legen. Das waren oft ziemlich weite Fragestellungen, die bei den Teilnehmern aufkamen. Trotz Firmkatechese und katholischem Milieu war bei den meisten Jugendlichen kaum Hintergrundwissen vorhanden – über ein detailliertes Wissen über angebliche kirchliche Alimenteregelungen hinaus. Und das sind die Menschen, die bei uns Kinder und andere Jugendliche erreichen. Dort und bei anderen Verantwortlichen muß Glaubenswissensvermittlung ansetzen.)

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