Habemus Britannicam!

»Ich besitze das Buch der Bücher,« sagte er eindringlich und ekel heil. »Die Encyclopaedia Britannica?!« rief ich falsch und künstlichneidisch: »Donnerwetter!« – Arno Schmidt

Übrigens gleich beim ersten Blättern einen Fehler gefunden: Arno Schmidt wird wieder einmal sein vorgebliches Studium abgenommen. (Aber meine Ausgabe ist auch von 1989 – wer weiß, was sich in aktuelleren Auflagen getan hat.)

Sola cucurbita

Ich lese gerade das »Lob der Torheit« von Erasmus von Rotterdam. Bisher mein Lieblingszitat:

Hätte Gott auch in die Gestalt eines Weibes, eines Teufels, eines Esels, eines Kürbisses, eines Kiesels eingehen können? Und wie würde dann dieser Kürbis gepredigt und Wunder gewirkt haben? Wie wäre er zu kreuzigen gewesen? Und was hätte Petrus konsekriert zu der Zeit, da der Leib Christi am Kreuze hing?

Psalm 34, Vers 9: Für Kürbissuppe schneidet man das Fruchtfleisch klein, dünstet gewürfelte Kartoffeln in Öl leicht an und gießt das ganze dann mit klarer Brühe auf. Zwanzig Minuten kochen lassen, Sahne dazu, mit Salz und Muskat abschmecken und pürieren.

Leseliste

Zivildienst bildet. Zumindest, wenn man nichts zu tun hat. Bilanz bisher:

Robert Burton, »Anatomie der Schwermut«; Martin Gilbert, »Liebe Tante Fori«; Antal Szerb, »Reise im Mondlicht«; Jean-Pierre Luminet, »Alexandria 642«; Ljudmila Ulitzkaja, »Die Lügen der Frauen«; Heinrich Böll, »Gruppenbild mit Dame«, Heinrich Böll, »Ansichten eines Clowns«, Philipp Blom, »Sammelwunder, Sammelwahn«; Sven Regener, »Herr Lehmann«; Arno Schmidt, Zürcher Kassette, Band 6 ; Cord Riechelmann, »Bestiarium«; Heinrich Böll, »Gruppenbild mit Dame«; Thomas Mann, »Lotte in Weimar«; Thomas Mann, »Tonio Kröger«, »Mario und der Zauberer«; Dietmar Dath, »Höhenrausch«; Heinrich Böll, »Ansichten eines Clowns«; Karl Kleinschmidt, »Keine Angst vor guten Sitten«; Asfa-Wossen Asserate, »Manieren«; Ernst Augustin, »Die Schule der Nackten«; diverse, »Reformation und Humanismus im Kraichgau«; Jan Tschichold, »Die neue Typographie«; O. A. W. Dilke, »Mathematik, Maße und Gewichte in der Antike«

Nun stellt sich mir immer noch die bange Frage, was ich nun im Frauenbuchladen Xanthippe kaufen soll (obgleich mir manche mit kaum verhohlenem Overstatement das größte Gehirn der Welt nachsagen, fand ich bisher die Antwort nicht).

Wenigstens die Weihnachtsgeschenke sind dank Gadgets for God gesichert.

»Sie müssen ihm schon ein wenig mehr Angst machen!«

– sprach eine Mutter heute bei meiner alljährlichen KjG-Nikolaus-Tour. Überhaupt macht man sich erst als Nikolaus ein wirkliches Bild unserer Gesellschaft: Eltern, die ihren Kindern zu eben jenem Festtag Geschenke im dreistelligen Euro-Bereich schenken, ansonsten aber vollkommen mit ihrer Erziehung versagt haben und ihr Gewissen externalisieren, indem sie von Miet-Heiligen (wie mir) Rute, Kettengerassel, Sack und sonstige wilhelminische Pädagogik (oder, wie Werner Mezger es nennt, »gegenreformatorische Adventspädagogik«) einfordern. Ich halte es dann doch eher mit Manfred Becker-Huberti:

Auch heute noch kann man den Einkehrbrauch verantwortlich inszenieren, wenn man mit dem Brauch keine Angst auslöst und die Kinder die Güte des Heiligen erleben lässt.

Wenigstens das Bonifatiuswerk weiß noch, um was es geht (die Kölner sowieso) – und dort würde man auch sicher nicht die Mitra als Insignium des »Oberweihnachtsmannes« (Zitat eben jener Mutter) identifizieren.

Konsequenz

Ich weiß nicht, wer Nicole91 ist, aber meine Hochachtung hat sie:

Ich werde meine Homepage FÜR IMMER UND EWIG SCHLIESSEN! Tut mir leid! Ich habe keinen BOCK mehr auf Computer!

Endlich jemand, der aus der (auch von Max als interessant erachteten) verdienstvollen Seite internetisshit.org die richtige Lehre zieht. So wie die besprochene Seite nämlich aussieht, würde (und ich kultiviere gerne Vorurteile!) die Besitzerin wohl kaum den Web treasure hunt: 10 questions to test newsroom literacy bestehen.

Theaitetos in der Waschmaschine

Ältere Damen können stundenlang von ihrem Fenster aus die Straße beobachten. Waschmaschinen mit Bullauge üben eine große Anziehungskraft auf kleine Kinder aus.

Darüber zu spotten, ist einfach – ich habe es mir abgewöhnt: Seit ich in einem Zimmer mit Blick auf die Straße wohne, spätestens aber, seit wir unsere neue Waschmaschine (und zwar mit Bullauge) haben. Tatsächlich sind nämlich beide von unserer bildungsfeindlichen Gesellschaft belächelten Verhaltensweisen Ausdruck eines Staunens über die Welt – und das ist alles andere als Kindergartenpädagogik.

Ich weiß, wo man's kriegen kann!

Bei uns in der BM arbeitet ehrenamtlich eine Mitarbeiterin des Frauenbüros der Uni Mannheim, so daß wir immer gut versorgt sind mit der verdienstvollen Postille »Femme totale«. In langen Nachtschichten löst man darin durchaus auch das Preisrätsel und nimmt sogar teil – Ergebnis: Sie haben einen Büchergutschein in Höhe von 20,– Euro gewonnen. Die Mail schließt mit den Worten Bitte teile Sie mir mit, wie Sie es gerne hätten. Wäre ich erstens nicht emanzipiert und zweitens nicht gebunden & monogam, würde ich sagen: Millemillemillemille.