Zivildienst bildet. Dritter und letzter Teil.

Es ist vollbracht. Ich bin wieder im Vollbesitz meiner Grundrechte. Es folgt also der letzte Teil der Leseliste.

Bert Brecht, »Die Gesichte der Simone Machard«, Douglas Hofstadter, »Die Fargonauten«, Edmund H. Carr, »Romantiker der Revolution«, Ernst Wasserzieher, »Leben und Weben der Sprache«, Feridun Zaimoglu, »12 Gramm Glück«, Hans Joachim Störig, »Das Problem des Übersetzens«, Heimito von Doderer, »Die Wasserfälle von Slunj«, Heinrich Böll, »Irisches Tagebuch«, Immanuel Kant, »Vom ewigen Frieden«, James Joyce, »Verbannte«, Jan Pierre Ganske, »Katholische Jugendarbeit im Spannungsfeld zwischen sich säkularisierendem Umfeld und kirchlichem Lehramt«, John Stuart Mill, »On Liberty«, »On Utilitarianism«, Karlheinz Deschner, »Kitsch, Konvention und Kunst«, Kurt Tucholsky, Werke 1917–1920, Lewis Wolpert, »Unglaubliche Wissenschaft«, Ludovico Arios, »Rasender Roland«, Lynne Truss, »Eats, Shoots & Leaves«, Sauter/Schweyer/Waldner, »Der eingetragene Verein«, Siegmar Ott, »Vereine gründen und erfolgreich führen«, Stanislaus Joyce, »Dubliner Tagebuch«, Th. Th. Heine u.a., »Simplicissimus Humor« (sic!), »Bilder aus dem Simplicissimus«, Thomas Morus, »Gebete und Meditationen«, Uwe Pörksen, »Was ist eine gute Regierungserklärung«, Victor Klemperer, »LTI«.

Feuer, Messer, Schnur

Wie erklärt man, daß ein Router ISDN und DSL beherrscht, obwohl man bisher nur die ISDN-Funktion nutzte? Diesen schwierigen Support-Fall konnte ich als Absolvent des einzigen wirklich elitebildenden Leuchtturmes der Wissenschaft lösen. Mein Gegenüber hat’s kapiert.

Rollen wir mal langsam eine Analogie auf: Du hast ein Feuerzeug. Mit dem Feuerzeug kannst Du Bierflaschen aufmachen. Nun kaufst Du eine Schachtel Zigaretten. Kannst Du die Zigaretten anzünden?

Einigen wir uns auf »ja«: Du kannst die Zigaretten anzünden, obwohl Du das Gerät (nämlich das Feuerzeug) vorher als Flaschenöffner benutzt hast. Es war nämlich die ganze Zeit schon ein Feuerzeug. Die Sache mit den Kronkorken war nur ein nettes Zusatzfeature.

Und genauso ist es mit Deinem Router: eigentlich ist es ein DSL-Router. Daß man damit auch per ISDN online gehen kann, ist nur ein nettes Zusatzfeature. Die ISDN-Funktion ist nämlich zum Flaschenöffnen da: Gedacht ist euer Gerät so, daß man es meistens als DSL-Router benutzt, und die ISDN-Funktion nur dann benutzt, wenn DSL aus irgendeinem Grund nicht funktioniert. Quasi als doppelter Boden. Oder wenn man das Taschenmesser mit Flaschenöffner vergessen hat.

Übrigens: Ich empfehle Netgear-Router, da man mit dem stabilen Metallgehäuse auch … genau.

Zivildienst in der Bahnhofsmission. Fragment, Januar 2004

Ein Radiosender fragte dieser Tage, was sich für junge Männer ändern würde, wenn der Zivildienst abgeschafft würde und gab auch gleich selbst die Antwort: Sie müßten in Zukunft den Geldbeutel der eigenen Oma klauen, sich von jemand anderem erzählen lassen, wer die Autobahnen gebaut hätte und könnten in Zukunft die Rollstuhlrennen nur noch in den eigenen vier Wänden veranstalten.

Auch der Spiegel fand deutliche Worte: »Zivis sind die nützlichen Deppen einer Nation, die die Augen verschließt vor ihrem ›sozialen Problem‹: Sie delegiert die Verantwortung für Alte, Kranke, Hilfsbedürftige.«

Ich bin einer dieser »nützlichen Deppen«. Als Zivildienstleistender in der Bahnhofsmission habe ich vielfältige Aufgaben: Umsteigehilfen, Verwaltungstätigkeiten, Instandhaltungsarbeiten, gezielte soziale Hilfen – mein Aufgabenfeld ist so breit gefächert wie die Angebote der Bahnhofsmission.

Nützlich bin ich (bei aller Bescheidenheit) also durchaus. Wie sieht es mit dem »Depp« aus?

Als Zivildienstleistender in der Bahnhofsmission kann man sehr eigenständig und auf gleicher Höhe mit den Ehrenamtlichen arbeiten. Da man quasi ständig präsent ist, entwickelt man einerseits eine gewisse Routine und behält den Überblick, kann aber andererseits auch häufiger auftauchenden Klienten besser helfen, da sie ihre Geschichte nicht jedesmal neu erzählen müssen. Und gerade die länger dauernden Fälle sind die spannenden: Von den bestohlenen Italienern, die in ihre Heimat zurückwollen (und sich im deutsch-italienischen Behördendschungel verirren) zu von Obdachlosigkeit bedrohten Jugendlichen tauchen immer wieder Fälle auf, die sich eben nicht in einer Schicht lösen lassen.

Persönlich

Der Artikel wurde nie fertiggeschrieben, geschweigedenn im Jahresbericht veröffentlicht.

Gone wit da wind

Cliffs of MoherIch war eine Woche lang in Irland; genauer: in Galway. Wie es sich für Touristen gehört, war auch eine Bustour dabei, unter anderem zu den Cliffs of Moher. Viel mitbekommen haben wir nicht, da es dann doch etwas windig war, wie man sieht. Den Hot Whiskey danach hatten wir uns wirklich verdient.

Ansonsten hat die Reise noch etwas gebracht: Father Ted. Father Ted ist eine brillante Comedyserie über drei Priester, die an der Westküste Irlands wohnen. Selten habe ich so ein gutes Portrait der katholischen Kirche gesehen (gut, abgesehen von Life of Brian, das aber eher einen allgemein theologischen Anspruch hat, während »The Passion« dagegen deutlich verliert: Ma’hed lee qalleel d-Khayey d-Breeyaan, ellaa dlaa gukhkaa, wie der Aramäer zu sagen pflegt.)

Fr Dougal: Ted, do you believe in an afterlife?
Fr Ted: Well, Dougal, most priests tend to have a strong believe in afterlife.

Oder, noch schöner, noch wahrer:

Fr Ted: Fascists dress in black and go around telling people what to do, whereas priests … more drink!

Wo dein sanfter Flügel weilt …

aug ist ein steter Quell der Freude. Rick Stoll äußerte sich dort zum heutigen großen Tag für die EU:

Deutscher ist eine sehr homosexuelle Sprache, die von den hirnlosen Barbaren mit den sehr kleinen Penissen verursacht wird. Nur Idioten mögen dieses Übel und stinkende Sprache. Wirkliche Männer sprechen Englisch.

Dafür trinken wir nach dem Onanieren kein kaltes Wasser.

Zivildienst bildet, Teil 2

Halbwegs pünktlich zur neuen Soldstufe wieder meine Leseliste.

Erasmus von Rotterdam, »Lob der Torheit«; Kate Atkinson, »Nicht das Ende der Welt«; Jamie O’Neill, »Im Meer, zwei Jungen«; Per Højholt, »Auricula«; Marie-Luise Scherer, »Der Akkordeonspieler«; Bert Brecht, »Leben des Galilei«, »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny«, »Die heilige Johanna der Schlachthöfe«, »Schweyk im zweiten Weltkrieg«, »Die Gewehre der Frau Carrar«, »Furcht und Elend des Dritten Reiches«; Heinrich Böll, Romane und Erzählungen 1947–1951; Walter und Inge Jens, »Frau Thomas Mann«; Thomas Mann, »Joseph und seine Brüder«; Michael Graff, »Glauben ohne Fremdwörter«; Heiner Geißler, »Was würde Jesus heute sagen?«; Karl Popper, »Die offene Gesellschaft und ihre Feinde«, Søren Kierkegaard, »Geheime Papiere«

Im Frauenbuchladen war ich immer noch nicht.

Kino und Kanon

Gestern abend nach dem sehr zu empfehlenden Film »Lost in Translation« ging’s, wie so oft, noch ins ebenfalls sehr zu empfehlende »Königin von Saba«, um die aktuelle Bildungsmisere zu bejammern. Thema unter anderem: Welche drei Texte sollte jeder gelesen haben? Meine Antwort:

  1. Epikur, »Brief an Menoikeus«
  2. Immanuel Kant, »Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?«
  3. Heinrich Böll, »Brief an einen jungen Katholiken«

Die Schauburg hat übrigens die verdienstvolle Einrichtung der »14-Tickets-Regel«, die nicht nur ab und an zu einer Freikarte führt, sondern durchaus auch der Gedächtnisstütze über das vergangene (Kino-)Jahr dient:

Die Unbarmherzigen Schwestern, Casablanca, Good Bye, Lenin, Berlin Babylon, Frida, Metropolis, La Strada, City of God, Lichter, Das Gesetz der Begierde, Herr Lehmann, Sonnenallee, Kill Bill Vol. 1, Dogville, Die Träumer, Lost in Translation, Kalendergirls.

Was ich in der Kinemathek, dem Cinema Quadrat und anderen Kinos gesehen habe, läßt sich nicht so einfach rekonstruieren:

Matrix I, Matrix II, Herr der Ringe I–III, Seom, Ich kenn‘ keinen, Best of shorts (Lesbisch-Schwule Filmtage Karlsruhe), Findet Nemo, Das Fliegende Klassenzimmer, Ten.

Zuvieldienst

Bei einem sozialen Schulpraktikum hat Felix Neumann die Bahnhofsmission kennen gelernt. Dem Gymnasiasten aus Waghäusl hat es an dem besonderen Knotenpunkt des Lebens so gut gefallen, dass er sich nach dem Abitur um eine Zivistelle am Gleis 1 des Mannheimer Hauptbahnhofs bewarb.

So fängt der Artikel »Wird die Truppe an der Sozialfront zurückgepfiffen, müssen neue Konzepte her« im auch sonst nicht zu empfehlenden Mannheimer Morgen heute an. (Erstens bin ich genausowenig »Gymnasiast« wie »Grundschüler«, zweitens heißt es Waghäusel, drittens habe ich mich dort schon weit früher beworben – all das sollte ein sorgfältig arbeitender Journalist aber selbst korrekt recherchieren.)

Anderen Medien, namentlich dem Usenet, entnimmt man besser Recherchiertes:

Drei Dinge, die sich für die Zivildienstleistenden ändern, sollte der Dienst bis 2008 wirklich abgeschafft werden:

  1. Sie müssen in Zukunft den Geldbeutel der *eigenen* Oma klauen.
  2. Sie müssen sich in Zukunft von jemand anders erzählen lassen, wer die Autobahnen gebaut hat.
  3. Sie können in Zukunft die Rollstuhlrennen nur noch in den eigenen vier Wänden veranstalten.

Die taz findet noch einen Nachteil: Nichts mehr mit rechts husten.