Im Freiburger Priesterseminar hat man vom Balkon aus Zugang zum FR-WLAN. Das ist an sich nicht spektakulär, da aber der eine oder andere Seminarist diese bescheidenen Seiten hier liest, sei es auch einmal erwähnt.
Kategorie: Leben
Glück ist …
… wenn man lesend im Zug sitzt und nur einmal kurz aus dem Fenster sieht – und das Wort »Muffenrohr« entgegenscheint. Besser als alle Habseligkeiten!
Habemus Britannicam II.
Meine Britannica ist wieder da. Und mein Kindler. Und mein Wilpert und mein Hirschberger. Und außerdem habe ich einen Vorhang. Langsam läßt es sich hier leben.
Μέγα βιβλίον, μέγα κακόν
Die klassische Insel-Frage nach den drei Büchern ist an sich einfach zu beantworten: Als umfassend gebildeter Mensch sagt man schnell etwas wie Ulysses, Á la recherche de temps perdu und (für die ganz Avantgardistischen) Zettel’s Traum.
Spannend wird es, wenn man wirklich vor der Situation steht: Ich ziehe morgen aus dem geräumigen Speicher meines Elternhauses aus in ein Zimmer von 12 Quadratmetern. Was also mitnehmen? Nachdem ich mich für eine einzige Bücherkiste entschieden hatte, fielen Britannica, Brockhaus, LThK, Kindler, Fischers Weltgeschichte und meine Duden-Sammlung leider weg.
Was also braucht man wirklich? Meine Bücherkiste: Die Bibel, Gotteslob und Stundenbuch (wenn das hier so weiter geht, muß ich mich bald doch noch als Besitzer eines katholischen Blogs bezeichnen!), zwei Duden (die 20. und die 22. Auflage), Pfeifers Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Wilperts Lexikon der Weltliteratur – und zwei Bücher von Döblin, die auf meinem Lesestapel lagen. Wie man ohne Arno Schmidt, Thomas Mann, Bert Brecht und Kurt Tucholsky greifbar zu haben lebt: Demnächst mehr davon.
Heilge Kunst … ein katholisch Kreuz zu schlagen
Mit catholicismwow teile ich zwar nicht unbedingt den Grad der Orthodoxie, dafür aber zumindest ein Kreuz: Sommerlagerkinder. Zumindest im katholischen Kontext könnte der vom Bistum Limburg herausgegebene Kirchenknigge helfen. Daß man als Katholik mit »Grüß Gott« zu grüßen habe, glaube ich zwar nicht und werde solch bajuwarisches Kulturgut sicher nicht übernehmen – »mir Kerrlocher saare Jou!« (Spraddlsänger) –, ansonsten werde ich den Text sicher noch häufiger kopieren und verteilen. Das nächste Mal beim Gruppenleitergrundkurs.
Pillkarner
Meine sehr sporadische Kolumne »Die schönsten Cocktailrezepte« wird endlich fortgesetzt mit einer mir als Vegetarier leider nicht zugänglichen Tequilla-Variante: Pillkarner. Florian Ritter beschreibt die Prozedur wie immer unnachahmlich in desd:
Da kannßu Pillkaller bestellen, benannt nach Pillkallen i. Pr.: eine Scheibe grobe Leberwurst mit Mostrich auf einem gefüllten Glase Kurn; erst Leberwurst neischieben, während des Mampfens den Fnapth einnehmen, feddich
Relativitätstheorie
Es ist schon bizarr: Mir, kinderlos, aber bibliophil, gehen thüringische Bücher fast näher als russische Kinder. Da es aber sicher deutlich mehr sind, bei denen die Wertigkeiten vertauscht sind, habe ich kein schlechtes Gewissen, für den Wiederaufbau der Anna-Amalia-Bibliothek gespendet zu haben. Sollte es noch mehr Menschen meiner verschobenen Moral geben:
Gesellschaft Anna-Amalia-Bibliothek
Sparkasse Mittelthüringen
Kontonummer 301 040 400
Bankleitzahl 820 510 00.
Post für den Tiger
Post aus Freiburg!
Sehr geehrte Frau Neumann [sic!],
auf Ihren Antrag werden Sie zum Wintersemester 04/05 in folgende(m) Studiengang/-gängen zum Studium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zugelassen:
Magister Artium Philosophie Hauptfach
Magister Artium Wissenschaftl. Politik Hauptfach
Woran das deutsche Bildungssystem krankt. Theil n+2
Und wieder ist ein Sommerlager vorbei; diesmal hatten wir ziemlich viele junge Kinder zum ersten Mal dabei.
Eigentlich sollte jeder, der sich zum Bildungssystem äußern will, so eine Woche mit Kindern zusammenleben. Einiges Erschreckende kommt zu Tage: Achtjährige haben Probleme, rechts und links auseinanderzuhalten (wohlgemerkt – da wir ja immerhin ein katholisches Lager sind –: ein Alter, in dem die Kinder »hinreichende Kenntnis« zum Empfang der Eucharistie haben sollen), Zehnjährigen muß man zeigen, wie man Teller abtrocknet und fegt. (Übrigens: Begriffe wie Sakrament und Monstranz sind durchaus bekannt – irgendeine Zeichentrickserie oder ein Computerspiel im Stile der Pokémons nennt so besondere Waffen.)
Ich jedenfalls werde mich beizeiten um eine private Altersvorsorge kümmern – daß die mir Nachgeborenen meine Rente einmal zahlen (können), bezweifle ich.
Volksfrömmigkeit
Im Lager. Wir waren morgens in der Kirche – und seither liebt uns unser Hauswart. Klar: Auch wenn wir zwanzig Kinder und Leute mit seltsamen Frisuren und Städter sind – daß wir im Sonntagsgottesdienst waren, adelt uns ungemein. Nachmittags dann: Bibelarbeit. Schöpfungsgeschichte. Der notorisch neugierige Hauswart schleicht auf der Wiese herum und bricht mit unserem mitgebrachten Theologen Diskussionen vom Zaun: Er glaube ja nicht, was da in der Schöpfungsgeschichte steht, und die Kirche behaupte immer noch, daß das stimme und daß die Erde eine Scheibe sei und allerhand hanebüchenen Volksglauben mehr. Aber: Nur wer sonntags in die Kirche geht, ist ein guter Mensch.