Bei uns in der BM arbeitet ehrenamtlich eine Mitarbeiterin des Frauenbüros der Uni Mannheim, so daß wir immer gut versorgt sind mit der verdienstvollen Postille »Femme totale«. In langen Nachtschichten löst man darin durchaus auch das Preisrätsel und nimmt sogar teil – Ergebnis: Sie haben einen Büchergutschein in Höhe von 20,– Euro gewonnen. Die Mail schließt mit den Worten Bitte teile Sie mir mit, wie Sie es gerne hätten. Wäre ich erstens nicht emanzipiert und zweitens nicht gebunden & monogam, würde ich sagen: Millemillemillemille.
Dulce et decorum …
… est pro patria mori. Das hat mein alter Schulkamerad (sic!) Funker Köhler auch erkannt. Was bin ich froh, daß ich meinen Schild rechtzeitig weggeworfen habe.
Fahrradfahrer dieser Stadt …
Heute bin ich zum ersten Mal »Kids on Tour« gefahren. »Kids on Tour« (diese Bezeichnung wird seltsamerweise nie abgekürzt …) heißt: alleinreisende Kinder werden von der Bahnhofsmission betreut. Diesmal: Köln–Mannheim. Doch – bis ich erstmal dort war!
Der ICE war gestopft voll, hauptsächlich Soldaten auf Heimatfahrt und Geschäfsleute, ich bin dummerweise in den Raucherwagen eingestiegen (und es gab natürlich kein Durchkommen). Doch natürlich kommt es noch schlimmer.
Vielleicht hat der geneigte Leser es schon bemerkt: ich gebe mir zwar eine vorurteilsfreie links-alternativ-intellektuelle Anmutung (ich besitze sogar Yogi-Tee und diverse Werke von Heinrich Böll!), bin aber dennoch im tiefsten Herzen überzeugter Rassist. Ich verabscheue rheinischen Lebensstil; der Rheinländer an sich löst schon durch Dialekt und Gehabe Widerwillen in mir aus.
In meinem schönen Raucherabteil also saß eine köllsche Reisegruppe (mit Betonung auf dem Doppel-l von »köllsch«), bestehend aus einer Handvoll Ehepaaren im sogenannten »besten Alter«, die jedes Klischee erfüllten: die Damen in einer Weise elegant, die bestenfalls abgeschmackt zu nennen ist, die Herren in rot-braun-blauen Pullovern und mit Otto-Schily-Frisuren (und Joschka-Fischer-prä-Jogging- Bäuchen), und, natürlich, ein Fäßken (sic!) Köllsch (sic!), aus dem man dann und wann ein Gläsken (sic!) zapfte. Die Damen sprachen ihre Gesponse mit – natürlich! – »Daddy« an. Dabei allfällige Analysen über die deutsche Bahn im speziellen und die Lage der Nation im allgemeinen.
Entsprechend anti-rheno-guestphalisch kam ich also zum Rhein (zum Rhein, zum deutschen Rhein), ging auch gleich in die Bahnhofsmission (obgleich ich eigentlich noch eine Stunde gehabt hätte; doch innerhalb dieser Stunde hätte ich nur den Dom geschafft, und in meiner Situation auch noch an Card. Meisner erinnert zu werden …), wo mich der Leiter empfing. Eine ausgesprochen rheinische Frohnatur, die mir begeistert erzählt, daß sie in E-Mails an Mannheim immer »Mann, und dann Leerzeichen, heim« schreibe, »wie wenn da ein Mann heim müsse« – »Spaß« müsse ja »schließlich sein«, und das sei ja ein Wortspiel, »verstehen Sie?«, nudge nudge, knick knack.
Ansonsten war es doch ein recht nettes Erlebnis.
Fonk.
Max hat ein neues Projekt: konfu.net.
Gnothi s'auton
Die beliebten Online-Fragebogen und -tests sind ja meist sehr albern; dieser Tage habe ich allerdings mit einigen doch gewissen Spaß. So durfte ich bei wewantyoursoul (natürlich: dot com) eine freudige Nachricht (gr. eu-angelion) erfahren:
Your soul is worth £ 95 531. For your peace of mind, 4% of people have a purer soul than you.
Kein Wunder – immerhin besitze ich einen von der heiligen Jungfrau persönlich (!) in Medjugorje gesegneten Rosenkranz und beide Bände von Die dreimal wunderbare Mutter. Weiterhin wunderte mich das Ergebnis des Zeit-Tests, der ermittelt, wie deutsch die eigene Angst ist, kaum: 54% Optimist, 27% externe, 19% private Ängste – und überhaupt keine typisch deutschen Ängste. Aufschlußreich auch, sich politisch durch den Political Compass klassifizieren zu lassen: meine Ergebnisse sind -8 (wirtschaftlich) und -7,38 (gesellschaftlich) (und damit im linken, unteren Quadranten, wo man unter anderem die Grünen, Anarcho-Syndikalismus und Ghandi findet – nicht die schlechteste Gesellschaft).
Innere Mission und Außenwirkung
Der Autor von Catholicism Wow (so ziemlich das einzige Blog außer Ex-Holy-Virgin, das ich mehr oder weniger regelmäßig verfolge) hat freundlicherweise meine bescheidene Netz-Heimstatt empfohlen, trotz alternativ-katholischem KJG-Einschlag in typisch schnörkellosem Cyberpunkdesign.
Ob ich es aber verantworten kann, das dort empfohlene Che Dybara Hooded Sweat zu tragen, muß ich noch mit meinem Beichtvater diskutieren.
Eingeladen zum Fest des Glaubens.
Ich war in Berlin. Und zwar auf Einladung von Uschi Eid. Eingeladen allerdings zu einem »Wochenende der Begegnung« des ökumenischen Gebetsfrühstückskreises des Bundestags. (Das wußte ich vorher nicht.) Das Programm war an sich sehr hochwertig: Diskussionen mit Wolfgang Thierse, Guido Westerwelle, Wolfgang Schäuble, Dan Coats und diversen weniger wichtigen Bundestagsabgeordneten, schließlich als Höhepunkt einen Empfang im Schloß Bellevue bei Bruder Johannes persönlich. Nur: die Teilnehmer! Wir vier Freiburger BDKJler waren die einzigen Katholiken, und alle anderen evangelische Freikirchler, Mennoniten und was der rechte Rand noch an Evangelikalen hergibt.
Dummerweise wurden wir in Kleingruppen zufällig zusammengewürfelt, und dort war es entsetzlich: In meiner wurde beim Abendessen diskutiert, wie man seine Freunde missionieren kann und ob man in nichtchristliche WGs ziehen soll, um die Leute dort zu bekehren. Widerlich.
Und so fragt man auch nicht Relevantes, wenn man schon mal Spitzenpolitiker da hat, nein: »Herr Schäuble, wofür sollen wir für Sie beten?«, und: »Herr Bundespräsident, meinen Sie nicht auch, daß Deutschland wirtschaftlich nur so gut dasteht wegen seiner christlichen Werte?« Und mit sowas soll man dann Gespräche über Glauben und Werte führen, mit Leuten, die es ganz toll finden, wie man in den USA religiös ist, die Dan Coats beklatschen, wenn er davon schwadroniert, daß der Wählerauftrag, das Volk ja völlig egal ist, wenn man nur nach seinem Glauben handelt.
Demokratie
A healthy democracy requires people willing to draw the president as a sock puppet.
Das schreibt David C. Simpson, der Zeichner von Ozy and Millie, einem der besten Webcomics überhaupt, zu einem Comic, wo er genau das tut. Und: Recht hat er.
Ansonsten meine ich zu den aktuellen Wahlergebnissen: der letzte Schauspieler, der Gouverneur wurde, war schlimmer, und der letzte Österreicher, der im Ausland an die Regierung kam, sowieso.
Optisches, Allzuoptisches
Interessant ist immer wieder, wie sehr sich Menschen von der Optik leiten lassen. Neulich im Zug: »Fahrscheine bitte – Semesterticket?» Wahrheitsgemäß verneine ich. »Komisch. Sie sehen so aus wie ein Student.« Und gestern auf dem Bahnsteig: »Und du hörst auch Metal?« Wieder wahrheitsgemäße Verneinung. »Komisch. Du siehst genauso aus.« – was unsere Dienstkleidung für Assoziationen erzeugt …
Ein dreifach Hoch der Otto-Schaufler-Stiftung!
Die zeichnet nämlich jedes Jahr mit ihren Zinserträgen Karlsruher Hauptschüler aus, und so kann die Stadt glücklich vermelden:
Insgesamt erhalten zehn Schülerinnen und Schüler mit einem Notendurchschnitt von 1,3 bis 1,8 aus der Otto-Schaufler-Stiftung einen Scheck von je 24 Euro.
Prima! Das sind immerhin 4 Gramm!
Ansonsten möchte ich nochmal erwähnen, daß ich fest auf dem Boden der FdGO stehe.