Ein bißchen Spaß muß sein

Die Welt hat ja, qua Springer-Presse, tendentiell mitgeschossen. Dennoch: Auch wenn sie eher die tägliche Ergänzung zum Focus ist für Manager, denen der Spiegel zu links und die FAZ zu wenig Bilder hat – genug der vorauseilenden Entschuldigung. Jedenfalls gibt es manchmal auch Perlen bei den Säuen: Religion darf nicht witzlos sein, meint Hannes Stein. Er kommt zu diesem Schluß:

Just das scheint mir das Problem des Islam zu sein. Es handelt sich um eine fürchterlich witzlose Religion. Hier also mein Vorschlag zur Güte an die muslimische Welt. Ihr fangt an, Witze zu reißen, in denen 72 Jungfrauen, in Gebetsteppiche eingewickelte Gotteskrieger, das Café „Bagdad“ in Tel Aviv, die Sure „Die Kuh“ und vertauschte Osama-Videos eine prominente Rolle spielen – und ich höre (versprochen!) sofort auf, islamophob zu sein.

Herr Stein mag den Moslems ja zurecht die Aleviten lesen (auch wenn die nte Inkarnation des Glühbirnenwitzes eher kein Beispiel für den blühenden judeo-christlichen Humor ist); Islamophobie mit Humorlosigkeit zu rechtfertigen, ist aber reichlich schräg.

Gut, daß wir Christen da mit gutem Beispiel vorangehen. Stichwort Titanic, Stichwort Haderer. Aber im Prinzip hat Stein recht.

Esprit d'escalier

Gestern abend, Karlsruhe, Südstadt. Drei etwa Zwölfjährige ziehen von Haus zu Haus. Auch ich (diesmal wohlhabend aussehend wg. blauem Wollmantel und mit Visakarte bezahlter Fahrkarte – aber das ist eine andere Geschichte) werde angesprochen: »Möchten Sie für die Kinder in Asien spenden?« Abschätzig mustere ich die Jugend mit mutmaßlichem Migrationshintergrund: »Wenn ich mir euch so anschaue, landet das doch höchstens in Vorderasien …«

Schöne Geschichte, aber leider ab abschätzig erfunden.

Auch dreist, aber weniger kriminell: die Hilfe von OpenOffice.

Je nachdem wie lieb [der Autor einer Datei, fn] Ihnen ist, können Sie ihn nun bitten, das noch einmal zu machen, aber diesmal richtig und mit OpenOffice.org, oder Sie können selbst seine abgelieferte Kopie des Dokuments mit Ihrem Originaldokument vergleichen.

Chwhis

Wenn man auf einer wilden, dennoch aber nicht sonderlich goutierten Silvesterveranstaltung ist, bei der der hübsche Parkettboden systematisch zerlegt wird, deren Gastgeber aussieht wie David Hasselhoff in den 80ern und blond, wo es ein ausgewiesenes »Fickzimmer« (sic!) gibt, und bei der einzigen netten Unterhaltung (die vom Nutzen – tatsächlich! – einer humanistischen Schulbildung handelt) die Gesprächspartnerin sich als Studentin des Lehramtes für Sport erweist – ist das noch Ironie des Schicksals oder west hier schon der Weltgeist?

Heimat, du bist wieder mein …

Kaum ist man drei Wochen nicht in der alten Heimat, ist alles anders. Nicht nur, daß die ständige Vertretung des Kienholzclubs bei der KiKaGe plötzlich gelb (quittegeel) gestrichen, dafür aber die Post geschlossen ist, nein: wir haben auch schicke neue 425er zwischen Karlsruhe und Mannheim. Mit Ansage. Automatisch. Ein Graus. Mannheim—Waghäusel ist, zugegeben, schwierig. Aber bis auf die korrekte Anfangsbetonung von Waghäusel läuft alles falsch: Neckarau mit Nebenbetonung und Glottisschlag, und, ganz verheerend, Neu-Lúßheim statt Neúlußheim.

Mütze-Glatze

In der Straßenbahn. Einige etwa fünfzehnjährige Mädchen – ich will weder rassistisch scheinen noch Integration verhindern, doch mir schien: Hauptschule mit Migrationhintergrund – machen sich über einen etwa 18jährigen (irgendwo zwischen BVJ und Sozialhilfe) lustig. Er offensichtlich überfordert. Endlich: ein Lichtblick. Triumphierend kneift er die Augen zusammen. »Ey ihr Schlitzpisser: Wenn ihr nicht bald Ruhe gebt, gibt’s mit meiner Fleischpeitsche! – und ich war entsetzt, als ich im Freiburger Stadttheater das Lied von der, Zitat, kleinen Nymphomanin kennenlernte.

Des g'hört so, ich kann mir's leisten, also habe ich es gekauft

Zu Maria Immaculata war ich im Antiquariat Nonnenmacher und habe mich gleich in die Thomas-Mann-Tagebücher in 10 Bänden gebunden im Schuber verliebt. Nur war leider der Chef nicht da, also vertröstet man mich des Preises wegen auf morgen, also heute. Heute war ich wieder da.

Hallo. Ich komme wegen den Mann-Tagebüchern. – Meinen Sie die mit den Labyrinthen?

Ich konnte den werten Händler dann doch noch überzeugen, daß ich keine Mandalabücher will – was denken diese Leute von mir? Sehe ich aus, als studierte ich SozPäd? – und habe nun für 60 Euro sämtliche Tagebücher Thomas Manns. O fortuna!