Political Correctness – wo sie nottut.

Lieber mit der Sprache spielen
Als gedankenlos mim Glied
Zwar kannst du per Glied mehr fühlen
Aber Ruhm wirst du erzielen
Nur auf sprachlichem Gebiet
(Horst Tomayer)

Ruhm ernten sollte Oğuzhan Celi. Er ist nämlich für die Idee zu einem verdienstvollen WDR-Dossier verantwortlich: Türkisch für Deutsche: Ein Aus-Sprachkurs – dort erfährt man auch, daß man Frau Prof. Dr. Aitaç höflicherweise als [aɪtʌʃ] anreden sollte. (Wenn jetzt noch jemand dem Autor sagt, daß man anstelle von [naɪk] als englische Musteraussprache doch lieber [naɪkiː] nimmt, bin sogar ich zufrieden.)

Political Correctness. »?«–»!«

Prof. Dr. Aitaç lehrt in Ankara Germanistik und beschäftigt sich unter anderem mit Thomas Mann. Durchaus von Vorurteilen und Chauvinismen getrieben, stelle ich mir dort akademische Dispute sehr amüsant vor: »Paß dich auf, sonst hol ich Joseph und seine Brüder

Wenn wir schon haarscharf am Thema vorbei sind: Volkes Seele macht sich um die Karlsruher Oststadt Gedanken – Karlsruhe Kulturhauptstadt 2010? Nicht nur deswegen (sondern auch wegen Platzverweisen und Ex-Steffi): lieber nicht.

Habemus Britannicam!

»Ich besitze das Buch der Bücher,« sagte er eindringlich und ekel heil. »Die Encyclopaedia Britannica?!« rief ich falsch und künstlichneidisch: »Donnerwetter!« – Arno Schmidt

Übrigens gleich beim ersten Blättern einen Fehler gefunden: Arno Schmidt wird wieder einmal sein vorgebliches Studium abgenommen. (Aber meine Ausgabe ist auch von 1989 – wer weiß, was sich in aktuelleren Auflagen getan hat.)

Lebensformen, ihr wunderschönen Lebensformen …

Der Link des Tages bei userfriendly war heute ein schönes Video: nämlich »The Ballad of Bilbo Baggins«, gesungen von Leonard Nimoy. Das erinnerte mich an eine alte Rare-Trax-CD des Rolling Stones mit singenden Schauspielern, und daß man dort »Lucy in the Sky with Diamonds«, gesungen von William Shatner, finden konnte. Leider ist die CD irgendwo verschütt gegangen – die allwissende Müllhalde google findet aber alles.

Diese Aufnahme ist so schlecht, daß sie einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Nimoys Video ist aber auch nicht zu verachten. (Genausowenig wie seine Version von »If I had a hammer« auf eben der verschwundenen CD. Mein Florence-Foster-Jenkins-Album finde ich aber noch.)

Größeren Blödsinn haben nur die Jesusskins.

Sola cucurbita

Ich lese gerade das »Lob der Torheit« von Erasmus von Rotterdam. Bisher mein Lieblingszitat:

Hätte Gott auch in die Gestalt eines Weibes, eines Teufels, eines Esels, eines Kürbisses, eines Kiesels eingehen können? Und wie würde dann dieser Kürbis gepredigt und Wunder gewirkt haben? Wie wäre er zu kreuzigen gewesen? Und was hätte Petrus konsekriert zu der Zeit, da der Leib Christi am Kreuze hing?

Psalm 34, Vers 9: Für Kürbissuppe schneidet man das Fruchtfleisch klein, dünstet gewürfelte Kartoffeln in Öl leicht an und gießt das ganze dann mit klarer Brühe auf. Zwanzig Minuten kochen lassen, Sahne dazu, mit Salz und Muskat abschmecken und pürieren.

Leseliste

Zivildienst bildet. Zumindest, wenn man nichts zu tun hat. Bilanz bisher:

Robert Burton, »Anatomie der Schwermut«; Martin Gilbert, »Liebe Tante Fori«; Antal Szerb, »Reise im Mondlicht«; Jean-Pierre Luminet, »Alexandria 642«; Ljudmila Ulitzkaja, »Die Lügen der Frauen«; Heinrich Böll, »Gruppenbild mit Dame«, Heinrich Böll, »Ansichten eines Clowns«, Philipp Blom, »Sammelwunder, Sammelwahn«; Sven Regener, »Herr Lehmann«; Arno Schmidt, Zürcher Kassette, Band 6 ; Cord Riechelmann, »Bestiarium«; Heinrich Böll, »Gruppenbild mit Dame«; Thomas Mann, »Lotte in Weimar«; Thomas Mann, »Tonio Kröger«, »Mario und der Zauberer«; Dietmar Dath, »Höhenrausch«; Heinrich Böll, »Ansichten eines Clowns«; Karl Kleinschmidt, »Keine Angst vor guten Sitten«; Asfa-Wossen Asserate, »Manieren«; Ernst Augustin, »Die Schule der Nackten«; diverse, »Reformation und Humanismus im Kraichgau«; Jan Tschichold, »Die neue Typographie«; O. A. W. Dilke, »Mathematik, Maße und Gewichte in der Antike«

Nun stellt sich mir immer noch die bange Frage, was ich nun im Frauenbuchladen Xanthippe kaufen soll (obgleich mir manche mit kaum verhohlenem Overstatement das größte Gehirn der Welt nachsagen, fand ich bisher die Antwort nicht).

Wenigstens die Weihnachtsgeschenke sind dank Gadgets for God gesichert.

Theaitetos in der Waschmaschine

Ältere Damen können stundenlang von ihrem Fenster aus die Straße beobachten. Waschmaschinen mit Bullauge üben eine große Anziehungskraft auf kleine Kinder aus.

Darüber zu spotten, ist einfach – ich habe es mir abgewöhnt: Seit ich in einem Zimmer mit Blick auf die Straße wohne, spätestens aber, seit wir unsere neue Waschmaschine (und zwar mit Bullauge) haben. Tatsächlich sind nämlich beide von unserer bildungsfeindlichen Gesellschaft belächelten Verhaltensweisen Ausdruck eines Staunens über die Welt – und das ist alles andere als Kindergartenpädagogik.