HoPo fürn Popo

Die Hochschulpolitik macht mir alles Linksalternative immer ungeliebter. Ich war ein, zweimal auf Vollversammlungen – Populismus und Blauäugigkeit, mehr ist da nicht.

Vielleicht liegt es an meinen doch zumindest rudimentär vorhandenen Manieren, daß die Methode »Arsch ins Gesicht« nicht zu meinem politischen Handwerkszeug gehört. Vielleicht ist es auch ein Fehler, versöhnlerische und konsensorientierte Standpunkte einzufordern, obwohl doch der Wissenschaftsminister Schoßkind des Satans und überhaupt ein faschistischer Elitennazi ist.

Auf jeden Fall geht es mir wie Ratzinger anno 68: Ich wäre ja gerne nett und links und alternativ – aber nicht mit diesen Alternativen. (Mein Ergebnis beim Political Compass hat sich gegenüber 2003 auch ziemlich verändert.)

Boom boom.

Es gibt Dinge, die sind unglaublich praktisch, aber doch ungemein unbefriedigend. Vollkaskoversicherungen mit Selbstbeteiligungen zum Beispiel. Man rempelt nur kurz etwas an, erreicht die Selbstbeteiligungsgrenze – und das war’s. Das Unbefriedigende daran: Statt einem einzigen kurzen dumpfen Schlag hätte man auch Überschlag mit Explodieren und Totalschaden haben können zum selben Preis.

Wahrheit

Worte, die man sich nicht unbedingt über’s Bett hängen sollte (gerade als Politiker nicht). Dennoch: Tausendmal besser als alle Jesulein-mein-Herz-ist-klein-Multikulti-Ökumene:

»Ich bin Katholik und glaube, dass unser christliches Menschenbild das richtige ist und nicht vergleichbar mit den anderen Menschenbildern, die es anderswo auf der Welt gibt.«

Weniger provokativ ausgedrückt: Mit Beliebigkeit kommen wir auch nicht weiter. Oder wie Quetschenpaua singt: »Ich will keine Toleranz, ich fordere Respekt.«

Spitzenbildung braucht Breitenbildung

Im aktuellen Krokant habe ich einen Artikel zum Thema Bildung geschrieben:

Während ich diesen Artikel schreibe, laufen in Stuttgart gerade die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP. Für uns in der KjG ist besonders der Bildungsbereich interessant. Ergebnisse sind noch keine bekannt – man ahnt aber, wohin es gehen wird. Baden-Württemberg leistet Beeindruckendes: Vordere Plätze in Deutschland bei der PISAStudie, unter den zehn von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgewählten möglichen Elite-Universitäten sind vier in Baden-Württemberg. Beide Regierungsparteien wollen weiterhin Eliten fördern.

Das ist der gute Teil. Über der Elitenförderung geraten aber andere Themen aus dem Blick: Welche »Eliten« werden eigentlich gefördert? Viele Studien haben gezeigt: Bildung wird in Deutschland quasi vererbt. Kinder von vergleichsweise reichen und gebildeten Eltern haben eine weit größere Chance auf Bildung und damit Teilhabe an der Gesellschaft. In Baden- Württemberg ist es besonders schlimm: nur in Bremen gibt es einen noch stärkeren Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildung; nirgendwo sonst hängt die Grundschulempfehlung so stark damit zusammen, ob ein Kind deutsche Eltern hat. Bildungsforscher sprechen von »Reproduktion«: Getrennte Bildungswege festigen die Abgrenzung zwischen verschiedenen Schichten: Die Arbeitertochter wird Arbeiterin, der Sohn der Professorin studiert. Der wichtigste Grund ist, daß schon nach der vierten Klasse sortiert wird: hier die zukünftigen Ärzte und Anwältinnen, dort die Fliesenlegerinnen und Friseure. Eine Gesamtschule ist keine Gleichmacherei, eine um wenige Jahre verlängerte gemeinsame Schulzeit erst recht nicht; Länder wie Finnland machen es vor. CDU und FDP wollen dennoch beide die dreigliedrige Schule beibehalten. Auch wenn immer wieder betont wird, daß damit jeder einzelne ideal nach seinen Fähigkeiten gefördert wird – es führt dazu, daß alle Bildungswege entwertet werden: Für Ausbildungen, bei denen früher ein Hauptschulabschluß genügte, wird heute ein Realschulabschluß verlangt, gleiches gilt für das Abitur. Die Hauptschule droht zur Restschule zu werden, an der sich nur die Verlierer des Systems sammeln.

Erste Ansätze wurden gemacht, um etwas zu ändern, etwa im Bereich der frühkindlichen Bildung – aber es gibt noch viel zu tun. Im Sport hat sich der Grundsatz »Spitzensport braucht Breitensport« durchgesetzt. Genauso muß es in der Bildung sein: Von einem Bildungssystem, das allen, egal welcher Herkunft, die gleichen Chancen anbietet, profitiert die ganze Gesellschaft. Baden-Württemberg kann es sich nicht leisten, auf Kinder von Migranten und Arbeitslosen an den Universitäten zu verzichten.

Daran muß sich die neue Landesregierung messen lassen: Nicht, wie viele Eliteunis es in Baden-Württemberg gibt, sondern welche Bildungschancen sie benachteiligten Kindern und Jugendlichen bietet.

Habemus Papam!

Ich weiß, ich weiß. Panzerkardinal, Gottes Rottweiler, Großinquisitor. Eines muß klar sein: als Innenminister hat man Wadenbeißer zu sein. Jetzt geht der Job aber an einen anderen, so daß auf dem Petrusstuhl nicht die Inkarnation des illiberalen Feindbildes, sondern in erster Linie einer der ganz großen Theologen unserer Zeit sitzen. Die ultraliberale Front wird natürlich wieder Wünsche über Wünsche äußern – aber, so verständlich sie sind: allzu oft gehen sie am Ziel vorbei. (Oder warum treten die Protestanten, die ja irgendwie doch überall das verwirklicht haben, was uns angeblich fehlt, noch mehr aus?)

Zum Beispiel das Frauenpriestertum. Die Prämisse ist, daß Frauen gleiche Rechte bekommen sollen und eine gleiche Teilhabe an der Macht haben sollen. Das ist natürlich richtig. Die Frage ist nur: Müssen Frauen Priester werden, um das zu haben? Ich denke nein. Im Gegenteil: Damit wird der grundlegende Fehler der Emanzipationsbewegung nur wiederholt: Männliche Rollenbilder werden verabsolutiert und damit weibliche abgewertet. Was ist das für ein Frauenbild, das Frauen nur als vollwertig ansieht, wenn sie Männerrollen ausüben? (Übrigens möchte ich damit das Frauenpriestertum nicht ausschließen: Theologisch mag es rechtfertigbar sein; das ist nicht mein Fachgebiet. Nur der üblichen politisch korrekten Begründung des Frauenpriestertums möchte ich widersprechen. Das Amt muß theologisch begründet werden.)

Trotzdem erlaube ich mir, Wünsche für unsere Kirche zu äußern: den Umgang mit Geschiedenen ändern – gerade Menschen in existentiellen Notlagen brauchen die Kirche. Die Haltung zu Kondomen verändern – nicht einmal zur Sexualmoral, zur Verhütung im weiterne Sinne, schon gar nicht zu Abtreibung, PID und Sterbehilfe: Daß die Temparaturmethode erlaubt, Kondome aber verboten sind, ist auf allzu dünnem Eis. Orden und Verbände stärken: Unter Johannes Paul II. wurden die Geistlichen Bewegungen stark gefördert. Das ist wichtig. Nur hatte ich den Eindruck, daß in diesem Zug die Orden litten, und wir Verbände waren ohnehin selten gut gelitten. Die Kirche darf keine elitäre Kernkirche sein. Die Kirche muß missionarisch Kirche sein – und dorthin wirken besonders die Verbände. (Hand aufs Herz: Die Verbände, gerade wir Jugendverbände, sind nicht mehr die bösen antiklerikalen Revoluzzer von vor 30 Jahren.)

Der Arbeit Frongewalt

5,2 Millionen Arbeitslose – und mein allsommerlicher Arbeitgeber ruft genau mich aus den wohl verdienten (drück das mal aus, BRaZ!) Semesterferien. Das spricht zwar für meine (man verzeihe das Bescheidenheitsdefizit) Qualität, aber das soll hier weniger Thema sein. Schön dagegen ist es, nach all dem Philosophenhumor wieder Informatiker um sich zu haben.

Man findet mehrere seltsame, kreirunde Flecke an der Küchenwand – anscheinend Wasser, nur leider verläuft dort keinerlei Leitung. Logischer Schluß: Unsere Küche ist mehrdimensional gefaltet, wahrscheinlich weil sich auf unserem Dachboden ein für die Raumkrümmung verantwortliches Schwarzes Loch befindet, so daß die eigentlich (öde dreidimensional) weit entfernte Wasserleitung eben dort oben lecken kann.