Bahnanadrama

Wieder mal: Die Bahn. Suizidversuch hinter Littenweiler, und sicherheitshalber bleibt meine Bahn also im Hauptbahnhof. Die ersten beiden Durchsagen waren noch vorbildlich deeskalierend, die dritte – nach einer halben Stunden – dann doch hörbar genervt:

Bevor wir die Sauerei während der Zugfahrt haben, bleiben wir lieber hier stehen.

Pater patriae Papaque

Heiliger Vater, Sie kommen in ein Land, in dem die christlichen Kirchen eine lebendige Rolle spielen und ich bin froh darüber.

Ich denke zum Beispiel an die katholischen und evangelischen Jugendverbände. Viele werfen ja Jugendlichen heute mangelndes Engagement oder Fixierung aufs eigene Ego vor. Damit können aber die vielen tausend ehrenamtlichen Jugendgruppenleiter nicht gemeint sein, die bei den Pfadfindern, bei der Katholischen Jungen Gemeinde, beim CVJM oder anderswo Verantwortung für Kinder oder gleichaltrige Jugendliche übernehmen. Viele junge Menschen erfahren dort, wie wertvoll es ist, sich für andere einzusetzen.

Gerade in der kirchlichen Jugendarbeit erfahren junge Menschen, wie wichtig gemeinsame Werte für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft sind und sie lernen viel über Verantwortung. Orientierung, nach der heute mit Recht gefragt wird, kann nur von Orientierten kommen. Ich habe den Eindruck, dass in der Jugendarbeit der Kirchen hier sehr viel Gutes, ja Unverzichtbares geschieht.

(Horst Köhler)

Projekt Zukunft

Wo soll ich mich hinwenden in dieser schlechten Zeit? Antworten sollten doch zumindest die Wahlprogramme geben. Also: Mail an die fünf großen. Erster Punktsieg FDP: am nächsten Tag eine Bestätigungsmail. Die anderen antworten nicht per Mail, schicken aber nach und nach ihre Programme. Zuerst SPD und FDP, als letztes die CDU.

Gleich am Anfang spannend: die SPD macht betont auf sachlich mit Zeitungspapier und dem vielbeschworenen Umbra, was alles aber sehr gewollt sachlich aussieht. Noch ein Punkt für die FDP: Statt Zeitung oder Hochglanzbroschüren (wie alle anderen) bekomme ich einen Stapel kopiertes und links oben geheftetes Papier. Meine Wahlentscheidung wächst.

In allen vier Ecken/Soll Liebe drin stecken

These: Jeder große Denker läßt sich als Steinbruch für Poesiealben mißbrauchen.

Beweise:

  • »Die wissende Heiterkeit ist ein Tor zum Ewigen.« (Heidegger, Sein und Zeit)
  • »Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sondern Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt.« (Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosophicus)

Die volle Wahrheit aus dem Krokant

Fürs Krokant mußten meine Antworten gekürzt werden, hier in voller Länge.

1. Welche Rolle spielt der Papst für mich und mein Leben? Warum?

Ich halte nichts von unreflektiertem Personenkult, ich hätte nicht »Giovanni Paolo« skandiert und »Benedikt vom Herrn geschickt« rufe ich auch nicht im Ernst. Und trotzdem ist mir der Papst wichtig. Er ist ein wichtiger Teil unserer Kirche: Er garantiert die Einheit in der Vielfalt. Er ist das Oberhaupt aller Katholiken, egal ob traditionell oder progressiv, Europäer oder Afrikanerin. Durch den Papst kann die Kirche mit einer Stimme sprechen, und damit verschafft sich die Kirche weltweit Gehör. Das Amt jedoch nur als Symbol und Aushängeschild, als schickes Etikett zu verstehen, greift aber zu kurz: Er ist eben nicht nur die mehr oder weniger beliebige Heftklammer, sondern auch ganz bewußt Ordner.

Ich mag nicht in jeder Frage mit unserem Papst übereinstimmen. Aber ich bin fest davon überzeugt, daß wir einen Papst brauchen. Der Papst ist der Nachfolger des Felses, auf dem die Kirche gebaut ist. Aber so fest und unbeweglich dieser Felsen auch aussieht; wir Christen wissen ganz genau, daß Felsen sich auch bewegen.

2. Was heißt für mich Kirche? Warum?

Früher habe ich beim Credo immer geschwiegen bei der Zeile »ich glaube an die katholische Kirche«: Was soll diese Arroganz im Credo? Mittlerweile ist mir diese Zeile besonders wichtig geworden: Gerade das Katholische macht unsere Kirche aus. Kat-holisch, das heißt allumfassend. Wir sind keine Sekte, kein elitärer Kreis gegen den Rest der Welt. Kirche, das sind wir in Europa, in Deutschland, in der KjG, in unserer Pfarrei, in unserer Gruppenstunde. Und Kirche ist überall, wo wir Christen zusammenkommen. Dafür steht die katholische Kirche: Sie führt ganz unterschiedliche Spiritualitäten, Hintergründe und politische Einstellungen zusammen.

Klar: das geht nicht immer ohne Spannungen. Allen recht machen kann man es nie, und was uns skandalös erscheint, ist anderswo normal und umgekehrt. Die Kirche ist aber für alle da und besteht aus all diesen verschiedenen Meinungen, die im Kern doch alle dasselbe Ziel haben: das Reich Gottes.

Und deshalb kann ich mittlerweile stolz sagen: Ich glaube an die katholische Kirche.

Captatio benevolentiae

»Das Thema meines Referates ist Wahlkampf in den USA. Eines gleich vorweg: Wahlkampf in den USA ist illegal. Sowohl der Pott- als auch der Blauwal stehen unter Naturschutz.«

Daran bin ich ausnahmsweise unschuldig. Für Kognitionswissenschaftler könnte es aber durchaus lohnend sein, herauszufinden, warum mein erster Gedanke sich um vom Himmel fallende Blumentöpfe und Wale drehte.

Bahnanarama

Kulanz à la BahnCard: Wenn der Automat in der Regionalbahn kaputt ist, muß man sich monatelang mit der Inquisition in Baden-Baden herumärgern – 40er ausstellen macht Spaß. Kontrolleure (die ich durchaus begrüße1!2) können aber doch kulant sein: OnlineTickets, auch ungestempelte, werden nämlich grundsätzlich nicht überprüft. OnlineTickets überprüfen macht keinen Spaß.

1 In dem Sinne, in dem ich auch Boxvereine begrüße: die Protagonisten sind zwar die letzten Proleten3, aber währenddessen sind die wenigstens von der Straße weg und der gesamtgesellschaftliche Nutzen ist größer als ohne, hier, weil sie so ihre Aggressionen sinnvoll kanalisieren können, und dort unter anderem genauso.

2 Meistens mit »Guten Tag«.

3 Damit meine ich in erster Linie die Kontrolleure im Verbund ohne die Servicekomponente. Am durschnittlichen Zub ist kaum etwas auszusetzen.

Woran das deutsche Bildungssystem krankt. Theil n+3

From: gsus:rulez <gsus_rulez@—.de>
To: <neumann@philo–freiburg.de>
Subject: philo
Date: Thu, 26 May 2005 12:22:01 +0200

Hallo!

ich suche jemanden der mir einen kleinen Teil einer Arbeit schreibt. Da ich leider Designer bin und leider gar keinen Plan von Philo habe, steh ich vor einem Problem.

Ich benötige ca 6 Seiten über den philosophischen Teil von Herr Scherer in dem Buch „Der Aggressionstrieb und das Böse” Selbstverständlich lass ich mich nicht lumpen 😉

Da ich wie gesagt DesignStudent bin, brauchen diese 6 Seiten noch nicht einmal TIP TOP sein, das erwartet auch niemand. Ich würde mich super freuen, von Ihnen zu hören. Machen Sie mir vielleicht einfach einen Vorschlag. Danke

Mit freundlichen Grüßen

m—

Antwort: An solchen Betrugsversuchen beteilige ich mich nicht.

Hallo felix,

so kann man es auch sehen!

Ich habe die hälfte, aber jetzt steht da was von metaphysik etc, das rafft einfach ein designer nicht! Hier geht es nicht um irgendeine diplom etc prüfung! Sondern einfach nur um einen doofen grundstudiumschein. Frag mich nicht warum ich als designer nen schein in philo machen muss!

5 – 6 seiten mehr!

Würde mich freuen!

Der m—

Hegel meint dazu folgendes:

»Die Philosophie ist ihrer Natur nach etwas Esoterisches, für sich weder für den Pöbel gemacht noch einer Zubereitung für den Pöbel fähig; sie ist nur dadurch Philosophie, daß sie dem Verstande und damit noch mehr dem gesunden Menschenverstande, worunter man die lokale und temporäre Beschränktheit eines Geschlechts der Menschen versteht, gerade entgegengesetzt ist; im Verhältnis zu diesem ist an und für sich die Welt der Philosophie eine verkehrte Welt.«