Der Arbeit Frongewalt

5,2 Millionen Arbeitslose – und mein allsommerlicher Arbeitgeber ruft genau mich aus den wohl verdienten (drück das mal aus, BRaZ!) Semesterferien. Das spricht zwar für meine (man verzeihe das Bescheidenheitsdefizit) Qualität, aber das soll hier weniger Thema sein. Schön dagegen ist es, nach all dem Philosophenhumor wieder Informatiker um sich zu haben.

Man findet mehrere seltsame, kreirunde Flecke an der Küchenwand – anscheinend Wasser, nur leider verläuft dort keinerlei Leitung. Logischer Schluß: Unsere Küche ist mehrdimensional gefaltet, wahrscheinlich weil sich auf unserem Dachboden ein für die Raumkrümmung verantwortliches Schwarzes Loch befindet, so daß die eigentlich (öde dreidimensional) weit entfernte Wasserleitung eben dort oben lecken kann.

Auf dem Weg zur wissenschaftlichen Elite

Universitäten bieten interessante Veranstaltungen. Zum Beispiel eine »After-GaPo-Party«, bei der man durchaus auch als Nicht-Germanist erscheinen durfte – und das ist auch gut so, denn so habe ich mein Promotionsthema gefunden: eine Neubewertung der Gesprächspartner Sokrates‘ in platonischen Dialogen. Arbeitstitel ist »›Ja, ja‹ heißt ›Leck mich am Arsch‹ – Subversive Affirmation in Platons Dialogen Glaukon und Kratylos«

Die dünne Patina der Zivilisiertheit

Audimax. Das KHG-Orchester gibt »Der gerettete Alberich« von Christopher Rouse und Mahlers vierte. Soweit, so zivilisiert. Mehr oder weniger gut gewandete Menschen, Musiker in schwarz – aber im Publikum ein etwas abgerissen aussehender Mann. Um den Kopf ein Tuch als Stirnband gewickelt, Kniebund-Wanderhosen, wilde Frisur, mitten auf dem Boden sitzend. Dann und wann turnt er auf den Tischen und Klappsitzen herum, albert mit einem kleinen Kind herum – alles reichlich ungelenk (ob durch Drogen oder Behinderung: ich weiß es nicht).

Jedenfalls – da er auch reichlich laut dabei ist – wird er gebeten, zu gehen. Aufruhr; er beklagt sich lauthals, rennt durchs Audimax, es kommt fast zu einer Schlägerei. Man weiß nicht, wem die eigenen Sympathien gehören: Dem offensichtlich nicht Zurechnungsfähigen, der nur deshalb vom Konzert entfernt werden soll, oder den Leuten, die ihn um des restlichen Publikums willen draußenhaben wollen.

Das Publikum indessen weiß nicht, wie es sich verhalten soll. Vereinzelt Lachen – aber die meisten haben wohl bemerkt, daß das nicht nur eine interessante Pausenattraktion ist, sondern (man verzeihe mir den Pathos) sehr grundlegend einiges hinterfragt. Sobald nur ein einziger sich nicht an die Konventionen hält, bricht unser schöner zivilisierter Elfenbeinturm zusammen – und mit einen Schlag sind wir wieder bei der Frage nach Legitimierbarkeit von Ethik. Da ergibt sich, daß Moral-Predigen leicht, Moral-Begründen schwer ist. (Schopenhauer, »Über den Willen in der Natur«)

Was heißt und zu welchem Ende studiert man Philosophie?

Diese Frage können selbst Kommilitonen im fortgeschrittenen Semester maximal sokratisch mit um zu wissen, wie groß das eigene Nichtwissen ist beantworten. Manche Dialoge aber beantworten die Frage:

A: Ich habe am Wochenende fast ein Kind überfahren!

B: Du, ich schreibe gerade ein Referat über Peter Singer: Das ist gar nicht so schlimm.