Sapere aude!

Kant-RebusErnsthaftes wurde und wird zu diesem Thema genug geschrieben. Unernstes leider nicht ganz so viel. Deshalb beteilige ich mich an der zweiten Kategorie mit einem kleinen Bilderrätsel.

Lösungsvorschläge nehme ich gerne per Bernkraftpost unter kritik-der-reinen-vernunft@thalion.inka.de entgegen. Als Preis gibt es einen Schlüsselanhänger zum Thema zu gewinnen. (Das Rebus sollte für Menschen, die ihre Unmündigkeit nicht selbst verschuldet haben, durchaus zu lösen sein.)

Kino und Kanon

Gestern abend nach dem sehr zu empfehlenden Film »Lost in Translation« ging’s, wie so oft, noch ins ebenfalls sehr zu empfehlende »Königin von Saba«, um die aktuelle Bildungsmisere zu bejammern. Thema unter anderem: Welche drei Texte sollte jeder gelesen haben? Meine Antwort:

  1. Epikur, »Brief an Menoikeus«
  2. Immanuel Kant, »Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?«
  3. Heinrich Böll, »Brief an einen jungen Katholiken«

Die Schauburg hat übrigens die verdienstvolle Einrichtung der »14-Tickets-Regel«, die nicht nur ab und an zu einer Freikarte führt, sondern durchaus auch der Gedächtnisstütze über das vergangene (Kino-)Jahr dient:

Die Unbarmherzigen Schwestern, Casablanca, Good Bye, Lenin, Berlin Babylon, Frida, Metropolis, La Strada, City of God, Lichter, Das Gesetz der Begierde, Herr Lehmann, Sonnenallee, Kill Bill Vol. 1, Dogville, Die Träumer, Lost in Translation, Kalendergirls.

Was ich in der Kinemathek, dem Cinema Quadrat und anderen Kinos gesehen habe, läßt sich nicht so einfach rekonstruieren:

Matrix I, Matrix II, Herr der Ringe I–III, Seom, Ich kenn‘ keinen, Best of shorts (Lesbisch-Schwule Filmtage Karlsruhe), Findet Nemo, Das Fliegende Klassenzimmer, Ten.

Political Correctness – wo sie nottut.

Lieber mit der Sprache spielen
Als gedankenlos mim Glied
Zwar kannst du per Glied mehr fühlen
Aber Ruhm wirst du erzielen
Nur auf sprachlichem Gebiet
(Horst Tomayer)

Ruhm ernten sollte Oğuzhan Celi. Er ist nämlich für die Idee zu einem verdienstvollen WDR-Dossier verantwortlich: Türkisch für Deutsche: Ein Aus-Sprachkurs – dort erfährt man auch, daß man Frau Prof. Dr. Aitaç höflicherweise als [aɪtʌʃ] anreden sollte. (Wenn jetzt noch jemand dem Autor sagt, daß man anstelle von [naɪk] als englische Musteraussprache doch lieber [naɪkiː] nimmt, bin sogar ich zufrieden.)

Zuvieldienst

Bei einem sozialen Schulpraktikum hat Felix Neumann die Bahnhofsmission kennen gelernt. Dem Gymnasiasten aus Waghäusl hat es an dem besonderen Knotenpunkt des Lebens so gut gefallen, dass er sich nach dem Abitur um eine Zivistelle am Gleis 1 des Mannheimer Hauptbahnhofs bewarb.

So fängt der Artikel »Wird die Truppe an der Sozialfront zurückgepfiffen, müssen neue Konzepte her« im auch sonst nicht zu empfehlenden Mannheimer Morgen heute an. (Erstens bin ich genausowenig »Gymnasiast« wie »Grundschüler«, zweitens heißt es Waghäusel, drittens habe ich mich dort schon weit früher beworben – all das sollte ein sorgfältig arbeitender Journalist aber selbst korrekt recherchieren.)

Anderen Medien, namentlich dem Usenet, entnimmt man besser Recherchiertes:

Drei Dinge, die sich für die Zivildienstleistenden ändern, sollte der Dienst bis 2008 wirklich abgeschafft werden:

  1. Sie müssen in Zukunft den Geldbeutel der *eigenen* Oma klauen.
  2. Sie müssen sich in Zukunft von jemand anders erzählen lassen, wer die Autobahnen gebaut hat.
  3. Sie können in Zukunft die Rollstuhlrennen nur noch in den eigenen vier Wänden veranstalten.

Die taz findet noch einen Nachteil: Nichts mehr mit rechts husten.

Political Correctness. »?«–»!«

Prof. Dr. Aitaç lehrt in Ankara Germanistik und beschäftigt sich unter anderem mit Thomas Mann. Durchaus von Vorurteilen und Chauvinismen getrieben, stelle ich mir dort akademische Dispute sehr amüsant vor: »Paß dich auf, sonst hol ich Joseph und seine Brüder

Wenn wir schon haarscharf am Thema vorbei sind: Volkes Seele macht sich um die Karlsruher Oststadt Gedanken – Karlsruhe Kulturhauptstadt 2010? Nicht nur deswegen (sondern auch wegen Platzverweisen und Ex-Steffi): lieber nicht.

What would Heiner do?

Eigentlich bin ich ja ein langhaariger Bombenleger – immer aber, wenn ich etwas von Heiner Geißler lese, möchte ich gleich darauf in die CDU eintreten. Zum Beispiel nach dem wirklich hervorragenden Zeit-Interview (Tolle, lege!) mit dem schönen Titel »Die Würde des Menschen ist in Gott verankert«

zeit: Finden Sie nicht, dass der Anspruch Ihres Buches eine Anmaßung ist? Immerhin soll Jesus ja Gottes Sohn gewesen sein. Wie wollen Sie wissen, was der heute dächte?

Geissler: Ich halte mich an den Kern dessen, was er im Neuen Testament gesagt hat. Und Aufklärung im Sinne Kants bedeutet ja wohl auch, jederzeit selbstständig lesen zu können – auch das Evangelium.

zeit: Das nennt man auch Priestertum aller Gläubigen, und es ist eine zutiefst protestantische Haltung. Warum sind Sie eigentlich noch Katholik?

Geissler: Jeder intelligente Katholik ist im Inneren irgendwie auch Protestant. Die Nachfolgeorganisation der Inquisition, die Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger, kann ja wohl nicht der Maßstab des Glaubens sein… Übrigens haben wir damals auch die Luthersche Rechtfertigungslehre mit ins CDU-Grundsatzprogramm gepackt: Die Würde des Menschen ist unabhängig vom Urteil anderer Menschen, weil sie in Gott verankert ist. Egal, ob du im Abitur durchgefallen oder straffällig geworden bist. Auf das Urteil anderer kommt’s nicht an. Das ist eine befreiende Botschaft.