Heterogetucke

Schon seit dem Wintersemester freue ich mich aufs Sommersemester. Genauer: Auf die SS-Ausgabe der hier schon erwähnten »Femme totale«, der Semesterbroschüre des Frauenbüros der Uni Mannheim. Nicht nur prima Büchergutscheine kann man dort gewinnen, man lernt auch wirklich etwas fürs Leben.

So wünschte ich als soziologisch interessierter und für Gender-Fragen aufgeschlossener Mensch mir schon immer eine saubere Definition von »Getucke«. Voilà:

Getucke ist ein komplexer Code aus Verhaltensweisen, körperlichen und psychologischen Haltungen, der gewöhnlicher Weise als ein Identitätszeichen schwuler Männer gilt. Getucke wird von weiten Teilen der heterosexuellen Welt als übertriebene Affektiertheit kritisiert, mit der Schwule die echten Männer belästigen wollen.

Soweit Javier Sáez in seinem auch sonst sehr lesenswerten Artikel »Heterogetucke«.

Die Ästhetik des Widerstandes

Mannheim ist schön. Mannheim ist wie Irland: Klein, übersichtlich und stellenweise gefährlich. Guinness heißt Eichbaum, Clonmacnois Jesuitenkirche, der Shannon Rhein und Donegal Ludwigshafen.

Die IRA heißt in Mannheim Feuerio und macht statt in Bombenterror in Fastnacht. Wie die IRA hat auch der Feuerio einen politischen Arm, der aber nicht, wie man denken könnte, Sinn Féuerio, sondern ML heißt (nota bene: hier Mannheimer Liste und nicht Marxistisch-Leninistisch) und ähnlich nationalistisch (und dazu pleonastisch: Für uns zählt nur Mannheim. Aus Liebe zu Mannheim) ist. (Die obligatorischen – und gerechtfertigten – Prügel von links gehören auch dazu.)

Eines aber spricht für die ML (neben dem Hund): die Ästhetik. Nicht die stadthygienische (wg. Sozialhilfempfänger-Putzkolonnen) sondern die der Frisuren. Meine politischen Wurzeln sind bekannt – aber nie könnte ich eine Partei wählen, deren männlicher Spitzenkandidat Vokuhila und Schnauzer trägt.

Fun fact you didn’t know: Der Autor der Ästhetik des Widerstandes heißt wie der Bundestagsabgeordnete von Emmendingen-Lahr.

Zivildienst in der Bahnhofsmission. Fragment, Januar 2004

Ein Radiosender fragte dieser Tage, was sich für junge Männer ändern würde, wenn der Zivildienst abgeschafft würde und gab auch gleich selbst die Antwort: Sie müßten in Zukunft den Geldbeutel der eigenen Oma klauen, sich von jemand anderem erzählen lassen, wer die Autobahnen gebaut hätte und könnten in Zukunft die Rollstuhlrennen nur noch in den eigenen vier Wänden veranstalten.

Auch der Spiegel fand deutliche Worte: »Zivis sind die nützlichen Deppen einer Nation, die die Augen verschließt vor ihrem ›sozialen Problem‹: Sie delegiert die Verantwortung für Alte, Kranke, Hilfsbedürftige.«

Ich bin einer dieser »nützlichen Deppen«. Als Zivildienstleistender in der Bahnhofsmission habe ich vielfältige Aufgaben: Umsteigehilfen, Verwaltungstätigkeiten, Instandhaltungsarbeiten, gezielte soziale Hilfen – mein Aufgabenfeld ist so breit gefächert wie die Angebote der Bahnhofsmission.

Nützlich bin ich (bei aller Bescheidenheit) also durchaus. Wie sieht es mit dem »Depp« aus?

Als Zivildienstleistender in der Bahnhofsmission kann man sehr eigenständig und auf gleicher Höhe mit den Ehrenamtlichen arbeiten. Da man quasi ständig präsent ist, entwickelt man einerseits eine gewisse Routine und behält den Überblick, kann aber andererseits auch häufiger auftauchenden Klienten besser helfen, da sie ihre Geschichte nicht jedesmal neu erzählen müssen. Und gerade die länger dauernden Fälle sind die spannenden: Von den bestohlenen Italienern, die in ihre Heimat zurückwollen (und sich im deutsch-italienischen Behördendschungel verirren) zu von Obdachlosigkeit bedrohten Jugendlichen tauchen immer wieder Fälle auf, die sich eben nicht in einer Schicht lösen lassen.

Persönlich

Der Artikel wurde nie fertiggeschrieben, geschweigedenn im Jahresbericht veröffentlicht.

White wine with the fish

A gentleman, who having ordered a meal at a fine London restaurant, decides that he’d like some wine to accompany his meal; so he summons the sommelier and asks for a bottle of hock.
»Hock, sir?« asks the sommelier.
»Yes, hock, man. You know, hic, haec, hoc, hunc, hanc, hoc etc.«
»Hmm … very good, sir.«
The food arrives, but without the wine, which perturbs the gentleman slightly as he’s accustomed to a high quality of service. He begins to dine, and at the next opportunity he beckons the sommelier again. »Didn’t I order a bottle of hock?«
»Yes sir, but then you declined it.«

(Grammar and Language Jokes)

More or less More

Ein Gebet um Humor kann sich in der Öffentlichkeit der Kirche augenscheinlich nur halten auf die Fürsprache eines großen Heiligen hin. Es ist aber sicherlich auch bezeichnend, daß sich ein solches Gebet gerade unter den Schutz dieses Heiligen gestellt hat. Er dürfte es mit Humor tragen.
(Quelle)

Meine Recherchen zum Thomas Morus zugeschriebenen Gebet »Um Humor« sind abgeschlossen:
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Gone wit da wind

Cliffs of MoherIch war eine Woche lang in Irland; genauer: in Galway. Wie es sich für Touristen gehört, war auch eine Bustour dabei, unter anderem zu den Cliffs of Moher. Viel mitbekommen haben wir nicht, da es dann doch etwas windig war, wie man sieht. Den Hot Whiskey danach hatten wir uns wirklich verdient.

Ansonsten hat die Reise noch etwas gebracht: Father Ted. Father Ted ist eine brillante Comedyserie über drei Priester, die an der Westküste Irlands wohnen. Selten habe ich so ein gutes Portrait der katholischen Kirche gesehen (gut, abgesehen von Life of Brian, das aber eher einen allgemein theologischen Anspruch hat, während »The Passion« dagegen deutlich verliert: Ma’hed lee qalleel d-Khayey d-Breeyaan, ellaa dlaa gukhkaa, wie der Aramäer zu sagen pflegt.)

Fr Dougal: Ted, do you believe in an afterlife?
Fr Ted: Well, Dougal, most priests tend to have a strong believe in afterlife.

Oder, noch schöner, noch wahrer:

Fr Ted: Fascists dress in black and go around telling people what to do, whereas priests … more drink!

Wo dein sanfter Flügel weilt …

aug ist ein steter Quell der Freude. Rick Stoll äußerte sich dort zum heutigen großen Tag für die EU:

Deutscher ist eine sehr homosexuelle Sprache, die von den hirnlosen Barbaren mit den sehr kleinen Penissen verursacht wird. Nur Idioten mögen dieses Übel und stinkende Sprache. Wirkliche Männer sprechen Englisch.

Dafür trinken wir nach dem Onanieren kein kaltes Wasser.

Corpora sana

Die Schulzeit war eigentlich doch die schönste Zeit – außer donnerstags in der neunten und zehnten Stunde. Da stand Sport auf dem Stundenplan (ein Fach, in dem ich im Abizeugnis 15 Punkte hatte – in der Summe). Wie ich zu Schulsport stehe, wissen die Elefanten unter den Lesern dieser kleinen Kolumne sicher noch – umso ungewöhnlicher ist es, daß ich eine Initiative zu mehr Schulsport gutheiße: Die Grünen forderten in Stuttgart, Sport ab 16 Jahren freiwillig anzubieten und die freiwerdenden Lehrer (die oft »Diplomsportlehrer« heißen, aber nichts Ordentliches gelernt haben) dann für die unteren Klassen zu verwenden. Bitter nötig: In meiner Gruppenstunde habe ich oft genug Kinder erlebt, die keinen Ball fangen können und gleichzeitig von ihrer zwei in Sport erzählen.