Welches Schweinderl hätten'S denn gern?

Vertretern von Schulbuchverlagen, die argumentieren, daß Schulen alle Bücher austauschen müßten, wechselte man zur alten Rechtschreibung zurück, empfehle ich einen Besuch in Bruchsal. Am Schönborn-Gymnasium habe ich meine Homer-Vokabeln in Fraktur gelernt, am Paulusheim in der Schulbibliothek Sekundärliteratur aus den Zwanzigern benutzt.

Im übrigen: Wer behauptet, daß eine Rückkehr die armen Schüler vor ein unheilvolles Chaos stellen würde, sollte sich einmal die amtliche Regelung ansehen. Oder die Hausorthographie der dpa. Oder der Zeit. Oder der NZZ. Oder von Gruner + Jahr. Und früher war es ein Skandalon sondersgleichen, daß die FAZ Albtraum schrieb.

Woran das deutsche Bildungssystem krankt. Theil n+1

Um die Leistungen der Schule tiefer zu drücken, ist die Übersetzung aus dem Griechischen an die Stelle der Übersetzung ins Griechische im Abiturientenexamen getreten. Wer Proben dieser Leistungen gesehen hat und die Erfolge der Maßregel beurteilen kann, weiß, daß von den Schülern auf dem Papier zu viel verlangt ist, damit sie ungestraft zu wenig leisten können.

(Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf, »Was ist übersetzen«, 1891, zitiert nach ders., Reden und Vorträge, Bd. 1, Berlin: Weidmannsche Verlagsbuchhandlung 1925)

Woran das deutsche Bildungssystem krankt. Theil n+2

Und wieder ist ein Sommerlager vorbei; diesmal hatten wir ziemlich viele junge Kinder zum ersten Mal dabei.

Eigentlich sollte jeder, der sich zum Bildungssystem äußern will, so eine Woche mit Kindern zusammenleben. Einiges Erschreckende kommt zu Tage: Achtjährige haben Probleme, rechts und links auseinanderzuhalten (wohlgemerkt – da wir ja immerhin ein katholisches Lager sind –: ein Alter, in dem die Kinder »hinreichende Kenntnis« zum Empfang der Eucharistie haben sollen), Zehnjährigen muß man zeigen, wie man Teller abtrocknet und fegt. (Übrigens: Begriffe wie Sakrament und Monstranz sind durchaus bekannt – irgendeine Zeichentrickserie oder ein Computerspiel im Stile der Pokémons nennt so besondere Waffen.)

Ich jedenfalls werde mich beizeiten um eine private Altersvorsorge kümmern – daß die mir Nachgeborenen meine Rente einmal zahlen (können), bezweifle ich.

Una sancta orthographica

Unsere Mutter Kirche sei jetzt allein selig machend. Damit zwar haben die Protestanten wohl offiziell das Nachsehen, dafür ist die katholische Kirche jetzt mit nix andrem mehr beschäftigt, als selig zu machen. Oder muß man das so verstehen, daß sie, egal was sie tut, eben dadurch selig macht? Dazu bedient sie sich der wegen des Zölibats und der BRaZ allein stehenden Priester, die sich nicht einmal mehr im Beichtstuhl setzen dürfen.

(Horst Ruth in desd)

Zivildienst bildet. Dritter und letzter Teil.

Es ist vollbracht. Ich bin wieder im Vollbesitz meiner Grundrechte. Es folgt also der letzte Teil der Leseliste.

Bert Brecht, »Die Gesichte der Simone Machard«, Douglas Hofstadter, »Die Fargonauten«, Edmund H. Carr, »Romantiker der Revolution«, Ernst Wasserzieher, »Leben und Weben der Sprache«, Feridun Zaimoglu, »12 Gramm Glück«, Hans Joachim Störig, »Das Problem des Übersetzens«, Heimito von Doderer, »Die Wasserfälle von Slunj«, Heinrich Böll, »Irisches Tagebuch«, Immanuel Kant, »Vom ewigen Frieden«, James Joyce, »Verbannte«, Jan Pierre Ganske, »Katholische Jugendarbeit im Spannungsfeld zwischen sich säkularisierendem Umfeld und kirchlichem Lehramt«, John Stuart Mill, »On Liberty«, »On Utilitarianism«, Karlheinz Deschner, »Kitsch, Konvention und Kunst«, Kurt Tucholsky, Werke 1917–1920, Lewis Wolpert, »Unglaubliche Wissenschaft«, Ludovico Arios, »Rasender Roland«, Lynne Truss, »Eats, Shoots & Leaves«, Sauter/Schweyer/Waldner, »Der eingetragene Verein«, Siegmar Ott, »Vereine gründen und erfolgreich führen«, Stanislaus Joyce, »Dubliner Tagebuch«, Th. Th. Heine u.a., »Simplicissimus Humor« (sic!), »Bilder aus dem Simplicissimus«, Thomas Morus, »Gebete und Meditationen«, Uwe Pörksen, »Was ist eine gute Regierungserklärung«, Victor Klemperer, »LTI«.

Leben und Weben

Am deutlichsten tritt aber die verschiedene Denkweise der Völker in dem englischen Right or wrong – my country! zutage. Wir haben viel gelitten durch unsere allzugroße »Objektivität«, aber ehe wir uns eine derartig skrupellose Weltanschauung zu eigen machen, wollen wir doch lieber bei der deutschen Denkweise bleiben.

Soweit Ernst Wasserzieher in »Leben und Weben der Sprache« im Jahr 1919. Alles weitere ist Geschichte.

Heterogetucke

Schon seit dem Wintersemester freue ich mich aufs Sommersemester. Genauer: Auf die SS-Ausgabe der hier schon erwähnten »Femme totale«, der Semesterbroschüre des Frauenbüros der Uni Mannheim. Nicht nur prima Büchergutscheine kann man dort gewinnen, man lernt auch wirklich etwas fürs Leben.

So wünschte ich als soziologisch interessierter und für Gender-Fragen aufgeschlossener Mensch mir schon immer eine saubere Definition von »Getucke«. Voilà:

Getucke ist ein komplexer Code aus Verhaltensweisen, körperlichen und psychologischen Haltungen, der gewöhnlicher Weise als ein Identitätszeichen schwuler Männer gilt. Getucke wird von weiten Teilen der heterosexuellen Welt als übertriebene Affektiertheit kritisiert, mit der Schwule die echten Männer belästigen wollen.

Soweit Javier Sáez in seinem auch sonst sehr lesenswerten Artikel »Heterogetucke«.

White wine with the fish

A gentleman, who having ordered a meal at a fine London restaurant, decides that he’d like some wine to accompany his meal; so he summons the sommelier and asks for a bottle of hock.
»Hock, sir?« asks the sommelier.
»Yes, hock, man. You know, hic, haec, hoc, hunc, hanc, hoc etc.«
»Hmm … very good, sir.«
The food arrives, but without the wine, which perturbs the gentleman slightly as he’s accustomed to a high quality of service. He begins to dine, and at the next opportunity he beckons the sommelier again. »Didn’t I order a bottle of hock?«
»Yes sir, but then you declined it.«

(Grammar and Language Jokes)