Re:alnetzpolitik

Es gab noch andere Leitthemen der re:publica, neben den Kindern (und überhaupt sind diese gefühlten Leitthemen ja alle sehr subjektiv bei diesem enormen Programm). Die Frage, wie es strategisch mit Netzpolitik weitergeht, und Kirchentagsvergleiche. Beides läßt sich auch zusammenbringen: Die Netzpolitik kann von Kirchentagen dazulernen.
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Geeks that breed. Das geheime Leitthema der #rp13

Viele Veranstaltungen haben ein Leitthema, das nicht offiziell verkündet wird, das einfach in der Luft liegt und sich so Bahn bricht. Vor zwei Jahen bei der re:publica war das Feminismus. Dieses Jahr kam es mir so vor, als sei das in der Luft liegende Thema Kinder. Plötzlich waren überall Babys, Zwei-, Dreijährige rannten durch die Gänge, immer wieder wurde auch der Wunsch nach Kinderbetreuung für die #rp14 getwittert. Auch bei den Vorträgen war einiges dabei.
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Gelöst: 500 Internal server error nur für /wp-admin

[English translation below]
Ich hatte einen seltsamen Fehler in WordPress-Backend: der Aufruf von fxneumann.de/wp-admin hat nur eine Fehlermeldung 500 – Internal Server Error ausgeworfen, alles andere schien einwandfrei zu funktionieren. Mit viel Rumprobieren habe ich die Lösung gefunden. Da das Problem anscheinend gängig ist, diese Lösung aber wohl noch nicht googlebar ist, stelle ich sie ins Blog.

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Sheeple mit Brillen

Der CCC erscheint mir zunehmend wie Methusalix: Ich habe nichts gegen Zukunft. Aber diese Zukunft ist nicht aus den 80ern. In der FAZ malt Constanze Kurz sich genüßlich ein Szenario aus, in der Google-Dienste ausfallen und damit Datenbrillen nuzlos werden. Groß argumentieren muß sie nicht, sie zeigt einfach, wie dumm die Menschen sind, die einen bestimmten technischen Dienst deshalb nutzen, weil er nützlich ist. Das grundsätzliche Problem dieses Szenarios ist sein Status-quo-Bias.
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Citizen capitalists

Tom Slee und Tim Wu führen eine kleine Debatte über die Regulierung von Uber und AirBnB, peer-to-peer-Plattformen für Transport- und Übernachtungsdienstleistungen: Apps to Regulate Apps, und Peer-to-Peer Hucksterism: An Open Letter to Tim Wu. Es geht darum, wie solche crowdsourceten Dienstleistungen und die sie vermittelten Plattformen reguliert werden sollen, weil herkömmliche politische Regulierung nicht auf diese Form von Jedermann-Dienstleistung paßt. Slee verteidigt klassische Regulierung gegen Wu, der den Bedarf für ein neues Regulierungsregime sieht, das einem völlig veränderten Markt Rechnung trägt. Ich sehe in dieser Frage ein weiteres Beispiel dafür, wie alle gesellschaftliche Sphären, hier die der Wirtschaft, durch sinkende Transaktionskosten durch das Netz massiv verändert werden – und es dafür auch einen entsprechenden politischen und rechtlichen Rahmen braucht, weil der alte nicht mehr zum Handeln und Rechtsempfinden der Menschen paßt.
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Unser Dorf soll schöner werden.

Winfried Kretschmann sorgt sich um die öffentliche Ordnung. Es ist harmlos formuliert: Es geht um Alkoholmissbrauch und -Exzesse, um Ruhestörung und Pöbelei im öffentlichen Raum – das kann ja keins ernsthaft befürworten. Kretschmann will dafür eine Rechtsgrundlage, »die es den Kommunen ermöglichen würde, zeitlich und örtlich beschränkt ein Alkoholverbot zu erlassen« (Stuttgarter Zeitung). Bereits jetzt gibt es genügend rechtliche Handhabe gegen Ruhestörungen, gegen Gewalt, Nötigung und Sachbeschädigung sowieso. Ein Gesetz, wie es von Kretschmann gewollt ist, braucht es allein dafür nicht zusätzlich.

Unter dem Deckmalntel der öffentlichen Ordnung geht es (wie so oft) um eine Öffentlichkeit, die um Störelemente bereinigt ist. Es geht um den Ausschluß von Leuten aus dem öffentlichen Raum, die lieber nicht gesehen werden sollen. Solche Gesetze gehen nie gegen die wohlanständige Mitte der Gesellschaft. Von einem (zeitweisen) Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen wären nicht Weihnachtsmärkte und Schützenfeste betroffen, wo sich anständige Leute die Kante geben (auch wenn dort theoretisch solche Verbote ausgesprochen werden könnten) – so wie vom (schwarz-gelben) Alkoholverkaufsverbot ab 22 Uhr in Baden-Württemberg auch nicht die Stammtische und der Grappa in der Pizzeria betroffen sind. Der gepflegte Alkoholexzeß ist in Institutionen der bürgerlichen Mitte völlig akzeptiert und unsanktioniert. (Ich selber habe mit Kretschmann – mit dem ich in ein, zwei Gremien sitze – eben das ein-, zweimal abends praktiziert, vor seiner MP-Zeit.) Aber Jugendliche, Obdachlose, Leute, die sich keine Kneipen leisten können, Leute, die Innenstadtplätze auch außerhalb der Gastronomie sozial nutzen wollen – die sollen bitte weg. Unser Dorf soll schöner werden. Auch wenn’s eine Großstadt ist.

Ältere Artikel zum Thema:

Netzgemeinderat

In seiner aktuellen SpOn-Kolumne sagt Sascha Lobo wieder viel kluges. Eine Sache ist mir dabei nicht klar – die mit der Interessensvertretung:

Netzpolitik interessiert nur Leute, in deren Alltag spitze Klammern eine Rolle spielen. Für alle anderen, denen das Internet trotzdem so wichtig ist wie fließendes warmes Wasser, ergibt sich Handlungsbedarf erst, wenn es tatsächlich schmerzhaft wird. Oder zumindest so aussieht. Die digitale Infrastruktur ist nämlich so abstrakt, dass die Möglichkeit ihrer hypothetischen Bedrohung nur im Ausnahmefall breitenwirksam ist. Daraus folgt eigentlich, dass es eine Interessenvertretung der Internetnutzer geben müsste.

Die eine Interessensvertretung der Netznutzenden – das ist ein Vorschlag, der ziemlich alt ist und immer wieder kommt in verschiedenen Formen: Bloggewerkschaft, Netzpartei, Rechtshilfefonds (ich habe das auch einmal angedacht) – und es ist auch wirklich ein schöner Gedanke, wenn die Netzgemeinde auch einen Netzgemeinderat hat. Ich frage mich, was Sascha Lobo hier genau meint – entweder kann es diese Interessensvertretung nicht geben, oder es gibt sie schon in Ansätzen.

Die Netzpolitik gibt es nicht. Jedenfalls: Nicht mehr – und das ist eine gute Sache. Netzpolitische Fragen sind politische Fragen – das bedeutet: Es gibt Alternativen, es sind Werturteile zu fällen – es gibt keine objektiv wahren Lösungen. Lange waren Netzfragen auf einem grundsätzlichen Niveau, daß die Illusion einer einheitlichen Meinung, eines einheitlichen Interesses der Netznutzenden bestand. Umso mehr, als daß die Netznutzenden früher eine viel homogenere Gruppe waren. Das bricht immer mehr auf: In den Parteien wird Netzpolitik zunehmend relevanter eingeschätzt, und damit einher geht die Ausbildung unterschiedlicher Netzpolitiken auf der Basis unterschiedlicher Werthaltungen. Selbst die Netzgemeinde ist so einheitlich nicht – die Konfliktlinie Datenschutz zum Beispiel, zwischen Aluhüten und Spackeria, geht mitten durch sie hindurch. Für eine allgemeine Interessensvertretung ist das natürlich schlecht, für den politischen Diskurs, der vom Widerstreit der Argumente lebt, ein Gewinn.

Die Interessensvertretung kann es daher nicht geben. Einzelne Lobbyorganisationen können sich aufspreizen zu der Interessensvertretung mit einem umfassenden Anspruch. Auf anderen Politikfeldern gibt es das auch; der Bund der Steuerzahler etwa oder Fahrgastverbände. (»Verbraucherschutz« generell scheint diese paternalistisch angehauchte advokatorische Allvertretungsattitüde zu prägen.) Andere politischen Akteure verzichten auf diesen Ruch des Allgemeinen und agieren offener als Lobbyorganisationen oder parteiische Thinktanks. Was es netzpolitisch schon gibt, sind Thinktanks; mit BVerfG und Enquete-Kommission hat der CCC in Sachen Etabliertheit fast schon einen Joschka gepullt. Im Aufbau ist das (partei-)politische Vorfeld der 2. Generation mit Organisationen wie D64 und C-Netz. (Die erste Generation waren die »virtuellen« Gliederungen der 90er- und Nullerjahre.) Die Digitale Gesellschaft will zur schlagkräftigen Lobby- und Thinktank-Organisation werden im Stil von EFF und Quadrature du Net – und das scheint es mir auch eigentlich zu brauchen: Eine starke Lobby, die eben nicht repräsentativ die Internetnutzenden vertritt, sondern eine klare Wertbasis hat, mit der sie für ein offenes und freies Netz kämpft, die eine gewisse Breitenwirkung hat durch etablierte und respektierte Köpfe, und die allgemeinverständlich erklären und breit mobilisieren kann.

Meint Sascha Lobo das mit »Interessensvertretung«?

(Ich bin hier übrigens auch ganz parteiisch: Mich haben Markus Beckedahl und Linus Neumann im Netzpolitik-Podcast von dem anfangs sehr umstrittenen Konzept überzeugt, und ich habe sobald es möglich war die Fördermitgliedschaft in der Digitalen Gesellschaft beantragt – und das sollten möglichst viele auch tun.)

Begriffsverwirrung

Zwei Artikel habe ich dieser Woche gelesen, in der mir eine seltsame Umdeutung von Begriffen aufgefallen ist: Liberal und christlich – beides Labels, mit denen ich auch verbandelt bin.

Das eine ist ein Portrait Mechthild Dyckmans, der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, FDP-MdB, das andere ein Artikel beim neuen katholisch-politischen Blog kreuz-und-quer.de.
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Mehr als mal eben meßbar. Politische Kommunikation in Facebook

Stephan Eisel attestiert bei der Konrad-Adenauer-Stiftung Facebook »vor allem im politischen Bereich nur eine relativ begrenzte Reichweite«. (Erstveröffentlichtung in seinem Blog.) Dazu nimmt er die Zahl der Facebook-Nutzenden auseinander und relativiert sie deutlich; die Zahl wird künstlich durch Nutzung auf mehreren Geräten und an mehreren Orten sowie durch Fake-Profile und tote Accounts hochgetrieben. Sein eigentliches Argument ist es, daß die verbleibenden echten, aktiven Leute wenig über Politik reden.

Anhand von drei eindeutig bestimmbaren, nach Commitment und Aussagekraft aufsteigend sortiertenKennzahlen macht Eisel politisches Interesse fest: Verbindungen über »Gefällt mir«, Verbindungen über Freundschaften und die von Facebook berechnete Zahl der »Personen, die darüber sprechen«. Mit der Analyse dieser Zahlen sieht er seine These belegt: Facebook biete nicht genügend Reichweite für die Nutzung in der politischen Kommunikation, die Nutzenden seien in der Breite politisch desinteressiert:

In der Ansprache von Bürgern durch zentrale Angebote ist die Reichweite von Facebook also außerordentlich begrenzt. Innerhalb der dort überhaupt erreichbaren politisch interessierten Minderheit liegen die interessanteren Möglichkeiten im dezentralen Bereich. Hier kann es beispielsweise der einzelne Bundestagsabgeordnete auf durchaus beachtliche „Fan-Zahlen“ bringen.

Ich halte Eisels Schlußfolgerungen nicht für zutreffend – weil schon die Kriterien der Analyse nicht zutreffen, und zwar sowohl technisch wie inhaltlich. Das sagt viel über das zugrundeliegende Bild von Politik und politischer Kommunikation und Politik überhaupt aus.

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Folien: Netz und Verband. Strukturwandel der Öffentlichkeit, Strukturwandel der Jugendverbände?

Am 25. September habe ich für die Konferenz der Landesjugendringe in Schwerin ein Impulsreferat zum Thema »Netz und Verband. Strukturwandel der Öffentlichkeit, Strukturwandel der Jugendverbände« vorgetragen. Die ausführlich kommentierten Folien sind jetzt online.

Außerdem habe ich die Liste meiner kommenden Vorträge und Workshops aktualisiert. In nächster Zeit: viel Strukturwandel der Öffentlichkeit, Subsidiarität, Selbstmarginalisierung des politischen Katholizismus, Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen im Netz, Social-Media-Praxis für die Jugendverbandsarbeit.