Wetter? Wir auch! Wir auch?

Die ungekürzte Version meines Quergedacht fürs Krokant:

Vor 40 Jahren war eines der erfolgreichsten politischen Plakate eine Parodie eines Bahnplakats mit dem Slogan »Alle reden vom Wetter. Wir nicht«.

Mit so einem Slogan kann man heute keine Politik mehr machen. Klimaschutz scheint das wichtigste politische Thema zu sein. Kein Wunder, lässt sich doch mittlerweile kaum mehr leugnen, dass es den vom Menschen beeinflussten Klimawandel gibt. Ist das aber ein Grund, jedes Handeln zuerst unter diesem Aspekt zu bewerten? Wetter? Wir auch! Wir auch? weiterlesen

Leserbrief StudiVZ

Es ist natürlich etwas albern, an eine Zeitschrift einen Leserbrief zu schreiben, die man selbst herausgibt: Ich habe es auf Wunsch der Redaktion dennoch getan:

Das neue Medium ist irgendwie nicht echt. Es kommt zwar ziemlich persönlich daher, ist es aber nicht. Und überhaupt kann man sich nicht darauf verlassen, dass man wirklich die Wahrheit präsentiert bekommt. Und an den persönlichen Kontakt kommt es sowieso nicht ran.

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Leserbrief Zölibat

Gegen eine reichlich krude naturalistische Argumentation in einem FAZ-Leserbrief (»Philosophisch-evolutionäre Betrachtung«, FAZ Nr. 98 vom 26. April 2008) habe ich einen Leserbrief geschrieben.

Georg Büchner läßt seinen St. Just in »Dantons Tod« fragen, ob die moralische Natur in ihren Revolutionen mehr Rücksicht nehmen solle als die physische. Für St. Just ist klar: Die moralische Natur hat der physischen zu folgen, und also ist der terreur der Revolution rechtmäßiges Werkzeug. So verheerend sich diese Folgerung in der Geschichte immer wieder erwiesen hat: Der Argumentation in Reinhard Lohses Brief hat sie voraus, immerhin zwischen moralischer und physischer Natur zu unterscheiden.

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Leserbrief: Karfreitagsfürbitte

Zu einem Leserbrief im Konradsblatt (Nr. 15/2008) habe ich das geantwortet:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Hubertus Wrobel kann in seinem Leserbrief nichts Anstößiges an der neuformulierten Karfreitagsfürbitte erkennen. Sie entspreche dem Verkündigungsauftrag, eine Kritik von außen sei eine unzulässige Einmischung in innerkirchliche Belange.

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Quergedacht: Herzlichen Glückwunsch!

Quergedacht für’s nächste Krokant:

Herzlichen Glückwunsch!

Wer dieses Krokant liest, hat mit großer Wahrscheinlichkeit Glück gehabt. Wer dieses Krokant liest, ist statistisch gesehen eher weiblich als männlich (etwas mehr KjG-Mitglieder sind weiblich, und Jungs sind Bildungsverlierer), Christ und aus Deutschland (und damit mit geringerer Wahrscheinlichkeit auf der Hauptschule), hat ein ordentliches Elternhaus (Pfarrgemeinderat statt Sozialamt) und engagiert sich (Gruppenleiterkurs statt an der Tanke rumhängen). Kurz: Aus Dir wird mal was. (Sozialpädagoge oder Juristin statt Hartz IV.)

Alles kein Problem, zumindest (wahrscheinlich) für Dich. Auf der Strecke bleibt dabei aber die Gerechtigkeit. Das ist offensichtlich.

Weniger offensichlich ist, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet. Ungerecht ist nicht, dass es Dir besser geht als anderen. Wenn heute von Gerechtigkeit gesprochen ist, dann wird aber meistens so gedacht: Da werden Mindestlöhne und ein Recht auf Arbeit gefordert, höhere Steuern, um höhere Sozialleistungen finanzieren zu können. Das sieht gerecht aus: Politik machen, die von den Erfolgreichen umverteilt zu den weniger Erfolgreichen. Das hilft kurzfristig natürlich den weniger Erfolgreichen. Wenn sich aber sonst nichts ändert, außer dass umverteilt wird, dann werden immer die gleichen nicht aus eigener Kraft leben können.

Eine Sozialpolitik, die nur ans Umverteilen denkt, zementiert die Verhältnisse: Wer einen Job, die richtige Herkunft, das richtige Elternhaus hat, ist im System — wer nicht, fällt durch das Raster und landet im Sozialsystem. Das war’s dann mit Selbstverwirklichung. Keine Chance, selbst zu den Erfolgreichen zu gehören.

Der Gegenentwurf zu dieser Art »Gerechtigkeit« ist, nicht die Armut zu verwalten, sondern daran zu arbeiten, möglichst vielen Leuten ein Leben aus eigener Kraft zu ermöglichen. Das heißt einerseits, das Bildungssystem so zu gestalten, dass der schulische Erfolg von Motivation und Fähigkeiten und nicht von der Herkunft abhängt. Das heißt aber vor allem, die Menschen ernstzunehmen, ihnen ermöglichen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Wer dieses Krokant liest, kann das mit großer Wahrscheinlichkeit. Auch die männlichen Hauptschüler mit Migrationshintergrund und bildungsferner Herkunft könnten das. Alle anderen nur mit Almosen abzuspeisen, und seien sie auch noch so gut gemeint, nimmt diese anderen nicht ernst. Eine gerechte Gesellschaft traut auch den Schlechtergestellten viel zu. Auch wenn das auf den ersten Blick ungerecht aussieht.

Leserbrief zu »Erzbischof Zollitsch würdigt Hans Filbinger«

Zum Konradsblatt-Artikel »Erzbischof Zollitsch würdigt Hans Filbinger« (Nr. 15, S. 11) habe ich diesen Leserbrief geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Befremden habe ich im Konradsblatt und auf der Internet-Seite der Diözese von Erzbischof Zollitschs Kondolenzschreiben an die Witwe von Hans Filbinger gelesen.

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Warum KjG?

Für unser Kinder-Krokant wurde die Frage gestellt, wie wir zur KjG kamen und warum wir geblieben sind. Mein Beitrag (Zielgruppe Kinder):

Als ich in der dritten Klasse war, stellten sich im Religionsunterricht zwei KjG-Gruppenleiterinnen vor. Ich fand das erstmal komisch, die anderen waren alle ziemlich begeistert. Am Ende der Stunde habe ich dann doch noch den Zettel mit den Terminen mitgenommen.

Und so kam ich in die Gruppenstunde. Zuerst bei diesen Gruppenleiterinnen, schließlich in Nadins Gruppe – eigentlich eine Mädchengruppenstunde. Mir gefiel’s trotzdem (oder deswegen). Klopapierralley, Filme drehen, Gruppenraum streichen, Wochenenden im Schwarzwald mit Müllsackrodeln: Langweilig wurde es da nie.

So wußte ich ziemlich früh: Ich will auch mal Gruppenleiter werden. Meine ersten Gruppenleiterinnen nervte ich damit noch regelmäßig (»Wann darf ich endlich auch in die Leiterrunde?«), bei Nadin war klar, daß sie bald zum Studieren wegziehen würde. Und weil Nadin damals die einzige Gruppenleiterin in meiner Heimatpfarrei war, mußten wir aus meiner Gruppenstunde bald ran. Unsere Gruppenstunde ging gemeinsam zum Gruppenleiterkurs, wir hatten unsere ersten Gruppen, unser erstes Lager.

Ganz spannend fand ich immer, daß es die KjG nicht nur bei uns gibt: Überall ist die KjG, und überall gibt’s ähnlich coole Leute wie meine Gruppenleiterin Nadin. So habe ich dann in vielen verschiedenen Ämtern Verantwortung für die KjG übernommen: Mir ist nämlich wichtig, daß auch andere Kinder in ihren Gruppenstunden so viel erleben können.

Wahlrecht ab Geburt

Auf der Frühjahrsdiözesankonferez der KjG Freiburg habe ich einen Workshop zum Thema »Wahlrecht ab Geburt« geleitet. Hier gibt’s einiges Material und Ergebnisse daraus.

Texte

Links

Ergänzung: Mittlerweile ist Wahlrecht ab Geburt auch Beschlußlage des KjG-Diözesanverbandes Köln; in deren Politblog wird das gerade kontrovers diskutiert.

Bahnanarama

1. Akt

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 28. 12. 2005 bin ich mit dem ICE 108 von Mannheim nach Frankfurt gefahren; der Zug hatte in Mannheim 45 Minuten Verspätung, dementsprechend Unmut und Gedränge im Zug, unterstützt noch von den in Mannheim zugeladenen Freigetränken. So kam es, daß keine Fahrkartenkontrolle stattfand; mein Online-Ticket blieb ungestempelt, kein Schaffner aufzutreiben.

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Ethisch einkaufen

Mündiger Kunde sein ist gar nicht so einfach, wenn man den Discounter direkt vor der Haustür hat (und dann auch noch keiner von den bösen, sondern Treff). Manchmal klappt es aber doch. Zum Beispiel heute. Meine gute Aktentasche zeigt Verfallserscheinungen (was sie, war sie doch vorher lange Jahre meines Vaters gute Aktentasche, auch darf). Kaum etwas schöneres als eine Schuhmacherwerkstatt: Der knorrige Meister am Leisten, der Geruch, der Service (karg, aber gut: »Hm. — Ja. — Bis Montag.«). Danach der hiesige Schreibwarenladen: Nichts mit Selbstbedienung, dafür erfreulich selbstlose Beratung (»Nehmen Sie doch lieber die günstigeren Ordner anstelle der Leitzordner. Die sind billiger und halten genauso gut.«) – der Spaß kostet dann zwar das doppelte, aber dafür gern.

Ganz anders dagegen die Welt der modernen Technik, wo man nicht einfach einen Lederflicken vernäht und eine neue Niete reinmacht: Meinen Drucker habe ich vor Jahren gekauft, und das schlagende Argument war, daß man Toner und Trommel getrennt austauschen kann. Nun ist es soweit: Trommel kaputt, Modell lange nicht mehr erhältlich. Trommel bei eBay: 80 Euro. Eben jener Drucker refurbished bei eBay: 50 Euro. Welt – wohin?