Und wieder ein Basta: Olaf Scholz hat (nach einem halben Jahr und einer krachenden, aber verdienten Wahlniederlage) im Spiegel- und Heise-Interview die Argumente der Zensursula-Gegner übernommen. (via netzpolitik.org) Inhaltlich ist, was Olaf Scholz da verbreitet, natürlich korrekt; aber das wußte man auch vorher. Interessant daran ist, wie wenig die SPD gelernt hat, selbst wenn mal etwas gelernt wurde. Der Lernprozeß wurde wieder einmal per Basta umgesetzt.
Basta zu Zensursula weiterlesen
Autor: Felix Neumann
Freiheit, Würde und Grenzüberschreitung
Bruder Paulus Terwitte OFMCap hat einen Text unter dem Titel »Karlsruher Ladenöffnungs-Urteil und Minarette« (Link auf die Startseite; einen Permalink scheint es nicht zu geben, mittlerweile ist er gar nicht mehr zu finden.) veröffentlicht: Er kreist darin um den Begriff »Grenze« und kommt zu einem seltsamen Schluß. Zentral ist dieser Satz, auf dem die gesamte Überlegung aufbaut:
Dass wir nicht Gott sind, ist der oberste Grundsatz aller Religionen. Deshalb haben Menschen für Gott sich selber Grenzen gesetzt.
Auf dieser Grundlage schafft es Bruder Paulus, aus christlicher Perspektive über »Grenzen« zu schreiben, ohne von Freiheit, Würde und dem Überschreiten von Grenzen zu handeln.
Freiheit, Würde und Grenzüberschreitung weiterlesen
Die Furcht der alten Männer
Neben Jubelpersern wird in der Kirche etwas Neues üblich: Klagerömer. Mit sprungbereiter Feindseligkeit schlagen sie auf bestimmte Schlagwörter an. Zölibat ist eins davon. Alois Glück, neugewählter ZdK-Präsident, zur BILD (zitiert nach einem Bericht des BR):
Die Frage des Pflichtzölibats kann nur innerhalb der Weltkirche gelöst werden. Ich würde es begrüßen, wenn bewährte, verheiratete Diakone mit einer entsprechenden Fortbildung zur Priesterweihe zugelassen würden.
So weit, so unspektakulär referiert Glück die Lage und seine Einschätzung dazu. Bischof Mixa von Augsburg dagegen kann es nicht leiden; auf der Agenda stünden vielmehr »aggressiver Atheismus« und die »Verdunstung menschlicher Werte«.
Die Furcht der alten Männer weiterlesen
Mehrheit und Wahrheit
Die Kritik an meinem Artikel zum Minarettverbot, das ich für illegitim halte, hebt darauf ab, daß meiner zentrale These widersprochen wird:
Wenn die Herrschaft des Rechts aber bestehen soll, dann darf es keine uneingeschränkte Herrschaft der Mehrheit geben.
Widersprochen wird etwa bei Spreeblick, ab Kommentar 196:
Wer entscheidet denn, was Recht und Unrecht sein soll in einer Gesellschaft ausser deren Mehrheit?
Das Kreuz mit dem Minarett
Das in der Schweiz vom Volk beschlossene Minarett-Verbot ist illegitim. Nicht wegen der Religionsfreiheit, sondern weil ihm die Vorstellung zugrunde liegt, daß eine Mehrheit das Recht hätte, alles entscheiden zu können, und weil das Minarett-Verbot in dieser Form kein allgemeines Gesetz ist. Wenn die Herrschaft des Rechts aber bestehen soll, dann darf es keine uneingeschränkte Herrschaft der Mehrheit geben. Inhaltlich ist das Gesetz sowieso grober Unfug.
Das Kreuz mit dem Minarett weiterlesen
Blogtips: Wahlrecht und Dogmatik
In dieser Woche bin ich auf zwei großartige Blog-Projekte aufmerksam geworden. Sonst packe ich für lesenswert befundene Blogs kommentarlos in die Blogroll, diese beiden möchte ich dem geneigten Leser besonders ans Herz legen: Das KD-Projekt und Demokratie von unten.
Blogtips: Wahlrecht und Dogmatik weiterlesen
Fides sine ratione. Esoterik im Bayerischen Rundfunk
Am 16. November 2009 war das Thema der BR2-Sendung »Theo.Logik« Esoterik: Okkultes Schreckgespenst?. Ich weiß nicht, ob die Sendung allein vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk verantwortet wird oder ob sie von einer kirchlichen Redaktion getragen wird.
In beiden Fällen wäre die Sendung ein intellektuelles Armutszeugnis: Für eine öffentlich-rechtliche Redaktion, da sie weitgehend journalistische Distanz zu ihrem Thema vermissen läßt, für eine kirchliche, da sie völlig darin scheitert, das beschriebene Phänomen theologisch und philosophisch zureichend einzuordnen.
Fides sine ratione. Esoterik im Bayerischen Rundfunk weiterlesen
Das Netz integriert Öffentlichkeiten. Gegen Precht
Richard David Prechts vieldiskutierte Rede zur Fragmentierung der Öffentlichkeit wurde als Gegenargument zu meinem Artikel »Das Ende der digitalen Politik«, der auf Carta zweitveröffentlicht wurde, angeführt:
Die Analyse greift allerdings zu kurz. Denn der digitale Strukturwandel bringt auch eine extreme Fragementierung der Öffentlichkeit mit sich. Richard David Precht hat bei seiner Keynote zu den Münchner Medientagen von einem »individualisierten Kollektiv vereinzelter Masseneremiten« gesprochen. Und hier sehe ich das Grundproblem.
Das Netz integriert Öffentlichkeiten. Gegen Precht weiterlesen
Geht doch, SPD BW
Die SPD Baden-Württemberg hat eine Mitgliederbefragung durchgeführt, um einen neuen Vorsitzenden zu nominieren. Abgesehen davon, daß das ein zukunftsweisender Prozeß ist, den gerade die SPD nötig hat, ist das angewandte Verfahren bemerkenswert: Durchdacht, angemessen und gut kommuniziert.
Geht doch, SPD BW weiterlesen
Episkopales Basta oder synodales Miteinander
Die Diözesanversammlung des Bistums Limburg hat gemeinsam mit der Hrabanus-Maurus-Akademie heute eine Tagung zum Thema »Unser gemeinsamer Weg – 40 Jahre synodale Gremien im Bistum Limburg« veranstaltet. Nach einem interessanten Vortrag über die Geschichte der synodalen Gremien und einem brillanten Vortrag von P. Medard Kehl SJ folgte eine Podiumsdiskussion, u.a. mit Medard Kehl und Bischof Tebartz-van Elst.
Die Podiumsdiskussion war eine Enttäuschung auf ganzer Linie; völlig am Thema vorbei, nicht zuletzt wegen einem ausweichenden Bischof.
Episkopales Basta oder synodales Miteinander weiterlesen